Zitat

Geschrieben von DrNI am Mittwoch, 1. September 2010 um 19:05 in Musizieren, Zitate
»You can't find unconditional love in human beings. But with music, it's unconditional. It loves you back.«
Joss Stone in einem Interview im Performing Songwriter, Band 14, 100. Ausgabe

Vier Tage für ein Konzert

Geschrieben von DrNI am Dienstag, 31. August 2010 um 10:20 in Rock'n'Roll Backsides

Eines der zwei goldenen Ohren unseres Lieblingstontechnikers. (Foto: Judith Neukamm)

Für das Publikum ist alles easy. Da spielt eine Band zum Frühschoppen. Die machen Blues und so. Und auch Rock-Zeug. Der Eintritt ist frei, Sonntag um 11 geht es los. Für die Band geht es am Freitag um 19 Uhr los. Eine Chronologie von hinter den Kulissen aus Sicht des Bassisten.

Freitag, etwa 19 Uhr: Ich fahre zu meinen Eltern und tausche meinen Kleinwagen gegen deren Transporter.

Samstag, 9:30: Ich rufe beim Verleiher an. Das Konzert ist potentiell Open Air und das Areal ist riesig. Schon im Vorfeld haben wir das Gelände besichtigt und herausgefunden, dass unsere eigene Anlage zu klein ist. Wir leihen uns also zusätzliches Material aus, das geht natürlich von der Gage ab. Glücklicherweise hat sich der Mitbewohner vom Studio1 spontan bereit erklärt, uns für umsonst zu mischen und seine Anlage zur Verfügung zu stellen. Er möchte sein neues Produkt ausprobieren, eine drahtlose Fernsteuerung für Digitalmischpulte auf Basis von Apples iPad. Müssten wir ihn und seine Anlage bezahlen, dann würden wir mit Glück auf Null rauskommen. Dennoch brauchen wir noch einen dicken Subwoofer dazu. Der Verleiher macht uns einen Freundschaftspreis. Am Telefon kläre ich die Modalitäten der Abholung, reserviert haben wir das Teil schon vor Wochen.

11:00: Ich komme mit dem Transporter beim Lager des Verleihers an. Wir laden einen 2x15"-Subwoofer und ein zugehöriges Amprack in die Karre. Ich bezahle auch gleich vor Ort, dann ist das schon mal geregelt.

12:05: Ich schwitze, obwohl das meiste Equipment fest montierte Räder hat. Zwischen dem Parkplatz und dem Studio1 der WG liegen einige Treppenstufen. Die Anlage ist nun komplett verstaut. Ein 2x15"-Subwoofer, den man zu zweit kaum tragen kann. Zwei Boxen für die Front, zwei für die Bühnenbeschallung, ein Bassverstärker, zwei fahrbare Racks mit Endstufen, ein Rack mit Effekten, ein Digitalmischpult und dazu noch diverse Koffer mit Kabeln.

Im Proberaum werkeln unterdessen Sänger und Gitarrist: Die Kompaktlichtanlage wird in einen PKW verfrachtet, dazu kommen nochmal etliche Koffer mit Kabeln und Mikrofonen. Außerdem noch ein Gitarrenverstärker und eine Nebelmaschine. Wieder wo anders lädt der Bluesharp-Spieler ein Bühnenpodest für den Cajonspieler und zwei große Lichtstative in seinen Kombi. Dazu noch einen Verstärker. Instrumente sind bis jetzt noch nicht verladen.

17:20: Ich blättere in der lokalen Zeitung. Wir haben eine Ankündigung mit Foto. Sehr gut. Die lästige aber mit Konsequenz betriebene Pressearbeit zahlt sich aus.

Sonntag, 8:50: Wir haben uns über die Vorgabe des Veranstalters hinweggesetzt, ab 9:30 könne aufgebaut werden. In eineinhalb Stunden bekommen wir die Bühne einfach nur unter Hektik fertig. Also 9 Uhr, aber ich bin zu früh. Die Nacht war nicht sehr lang, Müdigkeit nagt, und viel runter bekommen habe ich beim Frühstück nicht. Der Rest der Band trudelt ein, es wird entschieden, dass wir Open Air spielen, möge das Wetter halten. Dann folgt routiniertes Handwerk, der Mischer baut die dicke Anlage und sein Zeug zusammen, mir bauen den Rest auf, jeder kommt mit seinem Kabel zum Mischpult gewackelt und bittet um Verbindung.

10:20: Unser Mischer lässt zum Einstellen der Anlage Reggae-Versionen von Police-Songs laufen. Das Wetter ist kühl und bedeckt. Es kommt Festival-Atmosphäre auf der Bühne auf. Draußen, Reggae, zweifelhaftes Wetter. Eine große und richtig fette Anlage dazu und eine überdachte Bühne. Das Mischpult steht neben der Bühne, unser Mischer mischt ja per iPad vom Publikum aus. Wir organisieren Planen für den Notfall. Musiker trinken bei Auftritten entweder Bier oder Kaffee, und heute hat uns der Veranstalter von letzterem gleich eine große Kanne hingestellt. Wir trinken reichlich.

10:45: Der Aufbau ist fertig. Der Soundcheck auch. Nun hat jeder eine halbe Stunde Zeit, sich, seine Noten (oder eher: Notizen) und die Welt irgendwie zu sortieren. Eine Rauchen. Nochmal aufs Klo gehen. Lampenfieber. Kaum einer hat richtig gefrühstückt. Wir trinken Cola, um nicht unterzuckert herumzulaufen. Alle haben Kohldampf.

11:15: Es geht los. Wie immer sind für mich die ersten zwei Songs die schlimmsten, da wird die Bühnensituation real. Nach der anfänglichen Nervosität kehrt eine gewisse innere Ruhe ein und alles ist gut. Während des ersten Sets kommen mehr Leute in den großen Biergarten, aber es ist zu kalt um voll zu werden. Sowohl was den exorbitant riesigen Biergarten als auch die Leute angeht.

12:15: Wir sind beim zweiten Set. Die Pausen und Ansagen sind vertragsgemäß. Dem Publikum gefällt's.

13:15: Das dritte Set. Es wird leerer. Die Leute frieren und auch auf der Bühne ist es kalt. Mein Pulli ist zu dünn.

14:10: Der harte Kern des Publikums hat uns eine Zugabe abgerungen.

14:30: Wir sitzen drinnen in der Wirtschaft und bestellen uns was zu Essen. Das ist neben dem Musizieren der schönste Teil an der Sache. Zwiebelrostbraten mit Spätzle auf's Haus. Alle sind fertig von der Kälte und vom Hunger und brauchen dringend Futter. Die Dialoge werden einsilbig. Fünf Leute denken nur noch an das eine: Fressen! Kopfschmerzen kündigen eine Erkältung an. Hungrig schmeckt das kostenlose Essen dem Schwaben gleich dreimal gut.

15:36: Der Tonmann und ich sind im Transporter auf dem Heimweg. Teile der Anlage müssen heute noch ausgeladen werden.

16:42: Ich falle ins Bett.

21:07: Verstärker und diverse Koffer müssen wieder die Treppe hoch. Aus den Boxen quillt Bob Marleys Sun is Shining. Draußen ist es kalt und dunkel. Es regnet. Ibuprofen hält die Kopfschmerzen in Schach.

Montag, 19:50: Es kübelt aus Kannen als ich beim Lager des Verleihers aufschlage. Zu zweit sind die Monsterbox und das Amprack schnell ausgeladen und wieder ordentlich verstaut. Dann bringe ich noch den Transporter zurück. Nun ist das Konzert also vorbei.

Und über all dem schwebt natürlich die Frage: Warum seid ihr auch so blöd und macht das alles selber? Jede vernünftige Band würde doch einfach eine fertig aufgebaute Bühne mit Personal fordern. Nun, an der Vernunft mangelt es nicht. Aber da draußen hüpfen tausende kleine Bands von mittelguter bis sauguter Qualität rum. Die Preise sind im Keller. Wir versuchen immer, einen guten Preis zu machen, aber am Ende wollen wir den Job auch bekommen. So wie die Veranstalter an unserer Gage sparen, müssen wir an den technischen Dienstleistungen sparen, sonst haben wir am Schluss gar nichts mehr in der Bandkasse. Eine Anlage wie wir sie an diesem Sonntag open air hatten kann schon mal um die 500 bis 800 Euro Miete kosten. Ohne Personal, versteht sich. Normalerweise bleibt der gute Ton an mir hängen, wofür ich mir kürzlich ein gebrauchtes Drahtlos-System zugelegt habe. So kann ich Bass spielend im Publikumsbereich herumspazieren und mir überlegen, was ich am Mischpult anders einstellen möchte. Während der Show ist sind plötzlich eintretende Veränderungen dennoch nicht auszugleichen.

Es muss eben ein Hobby bleiben, denn auf diese Art kann man kein Geld fürs Leben verdienen. Andere fahren über's Wochenende in die Alpen, wandern zu einem großen Berg und klettern diesen hoch. Die eigentliche Kletterei dauert dabei auch kaum länger als unser Konzert. Hinterher wandern sie zurück und kehren ein. Dann sind sie auch müde und glücklich. Aber sie müssen die Getränke und den Zwiebelrostbraten selber bezahlen.

Ich bin zufrieden mit meiner Wahl.

Delta B – Sommer

Geschrieben von DrNI am Sonntag, 1. August 2010 um 15:29 in Klangkonsum
Die Kapelle hat im Studio2 operiert und das Ergebnis bei Jamendo untergebracht. Ein netter kleiner Sommersong, denn wir alle hoffen ja noch auf einen gnädigen August mit vielen lauen Nächten und vielen kühlen Getränken und vor allem vielen netten Menschen. Ein-Klick-Reinhören hier:

  

Eine Hymne für den unsichtbaren Mann

Geschrieben von DrNI am Dienstag, 27. Juli 2010 um 17:47 in Klangkonsum, Musizieren
Bei jedem größeren Konzert gibt es ihn und kaum einer hat ihn je gesehen. Den Stahlnervenstoiker, der jede noch so schlechte Band aushält, den Schwerstarbeiter, der jede noch so schwere Box trägt, den Erstversorger am akustischen Unfallort. Hier ist seine Hymne:


(DirektRöhre)

Deutsche Musik?

Geschrieben von DrNI am Montag, 19. Juli 2010 um 00:25 in Rock'n'Roll Backsides
Drei Viertel der Band sitzen Garten und spielen mit Stimme, Cajon, Akustik-Gitarre und Akustik-Bass ein Lied von Schwoißfuaß. Einer kommt her und rühmt überschwänglich, dass wir ja die deutsche Sprache nicht vergessen hätten und endlich singe mal wieder jemand auf Deutsch.

(Trivia: Die aus Bad Schussenried stammende und später in Reutlingen, Tübingen und dem ganzen Schwabenland ihr Unwesen treibende Rockband Schwoißfuaß existierte von 1979 bis 1986 und traf sich 1996 zu einer einmaligen Comeback-Tour. Bekannt wurde sie vor allem durch ihre intelligenten schwäbischen Texte. Für viele des Denkens mächtige Landjugendliche dürfte sie ein geistiger Rettungsanker gewesen sein.)

Mach's dir doch einfach selber

Geschrieben von DrNI am Sonntag, 11. Juli 2010 um 12:20 in Rock'n'Roll Backsides
Träume mit Musik gibt es in vielfältigen Geschmacksrichtungen: Viele Musiker lechzen nach Aufmerksamkeit, also einem möglichst großen Publikum, am Ende geht es also um Berühmtheit. Andere möchten so gut spielen wie ihr persönlicher Held, also so schnell gitarrieren wie Eddie van Halen oder so brutal bassen Marcus Miller oder so geniale Jazz-Stücke schreiben wie Herbie Hancock. Manche möchten auch einfach nur Musik machen und davon leben. Um Gedanken zu Ruhm und Ehre und dem Leben sowie dem Internet als dem dritten Weg soll es in diesem Post gehen.

Früher war die Welt nicht einfacher, aber überschaubarer. Der große irrationale Traum ist schnell erklärt: Man formiert eine Band, schreibt die genialsten Songs, übt und probt sich die Finger und Ohren blutig, und versucht möglichst viele Gigs zu bekommen. Eines hoffentlich baldigen Tages wird man dann von einer hoffentlich großen Plattenfirma entdeckt und hat es geschafft.

Seit einiger Zeit gibt es einen neuen Traum: Man lässt sich von erniedrigenden Casting-Shows biegen, formen und brechen und wenn man nur gut genug ist, dann wird man ein Star. Die Wahrheit ist natürlich, dass man vor allem gut genug verkäuflich sein muss, um so ein relativ schnell wieder fallengelassenes Sternchen zu werden. Der neue Traum ist außerdem nur für tanzende Sänger ein Traum, denn eine Band kommt darin nicht vor. Klar, es spielt eine Band und ohne diese Band wäre das ganze nichts, aber dafür hat sich niemand zu interessieren.

Und dann gibt es noch den dritten Weg: Mach's dir doch einfach selber. In den vergangenen Jahren nicht wenig besungen wurden die Möglichkeiten des Internet. Ich mach das einfach alles selber und werde bekannt und berühmt ohne den ganzen Scheiß, bei dem mich Produzenten und Plattenfirmen abzocken!

Zu erwähnen ist da zunächst noch eine zweite Entwicklung: Brauchbare Tontechnik-Gerätschaften sind mittlerweile recht günstig geworden. Computer können nahezu beliebig viele Audio-Spuren verwalten und während früher eine 4-Spur-Bandmaschine in die Tausende ging, bekommt man heute für unter tausend Euro ein vertretbares 8-Kanal-Interface. Und 8-Kanal heißt auch nur, dass man nicht mehr als acht Kanäle gleichzeitig aufnehmen kann. Das Abspielen besorgt der Computer und der mischt um einiges mehr live auf stereo runter. Synthesizer sind nicht mehr die LKW-füllenden Emerson Castles wie man sie von Fotos von Tangerine Dream oder eben Emerson Lake & Palmer kennt. Für wenig Geld bekommt man viele virtuelle Instrumente als Software und das ganze teure Equipment wie Kompressoren, Delay-Effekte, Chorus und Flanger und was-weiß-ich-noch-alles kommt als Software spottbillig oder bei der Recording-Software mitgeliefert daher. Und einen Computer hat sowieso jeder daheim. Aber selbst wenn man auf Hardware setzt kommt man günstig weg.

Wer den vorangegangene Abschnitt als fachbegriffgeladenes Geschwurbel empfunden hat, der kann sich schon langsam einfühlen in das große Problem des Selbermachens. Aber bleiben wir zunächst beim Machen. Ist also das Homerecording-Studio ausgestattet und sind die genialsten Stücke oder Songs geschrieben, dann geht es ans Aufnehmen, Mischen, ein bisschen grundlegendes Mastering ist auch noch von Nöten. Ist das Album oder auch nur die Single endlich fertig, dann muss ein Cover dafür erstellt werden. Der Selbermacher sucht sich dafür einen anderen Selbermacher, allerdings keinen Musiker sondern einen Fotografen – oder er kauft sich eine passable Kamera und lernt Fotografieren. Dann kommt ein bisschen Grafik-Design auf den Speiseplan, denn das ganze Ding muss ja auch schön gestaltet werden. Ist die Platte dann endlich in Ton und Bild fertig, geht es weiter mit rechtlichem: Was ist die GEMA, möchte ich da Mitglied werden (nein!), aber was passiert wenn ich da nicht Mitglied werde (man kommt niemals im Radio), und wer zockt hier wen auf welche Art ab, und wer war die GVL und was macht die nochmal, ist Creative Commons eine Option, was ist der Unterschied zwischen Urheberrecht und Verwertungsrecht und was ist ein Lizenzvertrag?

Sind die rechtlichen Hürden genommen, dann erscheinen eher komplexe Websites wie MySpace oder Jamendo oder last.fm nur noch Trivialitäten zu sein. Hochladen und berühmt werden! Doch was hochgeladen wurde, das wird noch lange nicht heruntergeladen. Der Selbermacher übt sich nun in Marketing. Pressemitteilungen schreiben, Gigs organisieren, sich promoten.

Wer möchte kann zu dieser langen Aufzählung an Fähigkeiten gerne noch Videoschnitt hinzufügen, denn wer sich auf YouTube versuchen möchte, der muss ja auch was Bewegtes anzubieten haben. Das alles ist also das Selbermachen. Oder vielmehr: Ein Teil der Realität des Traums davon. Ganz klar ist nämlich, dass man als Produzent, Tontechniker, Grafik-Designer und Marketing-Fuzzi und nebenher noch Musiker und Komponist hier nur mit Größenwahn überhaupt vorankommen kann. Niemand kann auf Anhieb das alles können. Findet man keine anderen Selbermacher, die einem Zeit und Knowhow spenden, so muss man Geld ausgeben. Und auch wenn das Equipment viel günstiger als früher ist, Geld ausgeben können heißt, seine Zeit zu verkaufen und einen Job anzunehmen, und dieser Job nimmt noch mehr Zeit weg als das Selbermachen. Noch mehr Zeit, die vom Wesentlichen abgeht: Vom Ersinnen und Realisieren einfach guter Musik.

Immerhin, alles selbst machen heißt auch, alles selbst bestimmen zu können. Nur verlassen kann man sich – wie bei den herkömmlichen Träumen auch – auf nichts.

Die Erkenntnis des Tages

Geschrieben von DrNI am Montag, 5. Juli 2010 um 18:39 in d.E.d.T., Musizieren
Die Klinkenstecker von Hicon sind noch klobiger als die traditionellen Boliden von Neutrik – und machen dabei bei geringfügig kleinerem Preis einen ähnlich enorm saubrutal robusten Eindruck.

Lockerer Sommerpophit: Routine von Simone Vignola

Geschrieben von DrNI am Donnerstag, 1. Juli 2010 um 09:49 in Klangkonsum
Simone Vignola ist Bassist und macht nicht wie die meisten Bassisten eine Form von Musician's Music, also Musik, die vor allem für Musiker interessant ist. Stattdessen präsentiert er einen leichtfüßigen sommerlichen Popsong:


(DirektRöhre)

Das dazugehörige Album Going to the Next Level hat der Italiener vor wenigen Tagen erst rausgebracht und es soll bald weltweit erhältlich sein. Eiligen Zeitgenossen muss es solange iTunes oder CDBaby tun.


Via Bassblogger.

Randnotiz zum RACT! 2010

Geschrieben von DrNI am Sonntag, 13. Juni 2010 um 12:29 in Direktsaft, Klangkonsum, Tübingen

Die Secret Asian Men mit Frontfrau Janina hatten als Opener der kleinen Bühne am Freitag zunächst unverdient wenig Publikum. (Leider nur Handyfoto.)

Sonntag morgen, das Uniradio eröffnet heute mit Sympathy for the Devil seine Sendung zum Thema Satanismus in der Musik. Die letzten Tage lief auf der 96,6 natürlich nicht das Uniradio sondern die Wüste Welle, die vom RACT!-Festival live sendete. Dem Team dieses Festivals kann nicht genug gehuldigt werden. Mit freiwilligen Helfern und schmalem Budget eine Großveranstaltung derart professionell und reibungslos über die zwei Bühnen zu bringen, das ist einfach eine großartige Leistung. Doch wie so oft, kein Lob ohne Kritik: Der Live-Sound war eine Katastrophe. Undifferenziertes Gewummer in den Tiefen, mittig nicht viel, und oben rum zum Teil recht bissig. Immerhin, so schlimm wie vorletztes Jahr war es nicht, denn da konnte man die Kick und die Snare akustisch nicht auseinander halten. Dieses Jahr schob die Kick alles weg und die Snare war nicht da, Bassisten waren eigentlich überflüssig, denn von ihnen hörte man nur ein tiefes, undifferenziertes Dröhnen. Doch damit genug gemeckert. Nochmal kurz zurück zum Lob: Die Security-Leute waren von der angenehmen Sorte und freundlich. Das macht das kontrolliert werden schon um einiges angenehmer. Gute Wahl.


Nachtrag 2010-06-16: Richtige und richtig schöne Fotos vom RACT! gibt es bei Eldersign.

Rrrr. Rrrr.

Geschrieben von DrNI am Freitag, 30. April 2010 um 08:47 in Rock'n'Roll Backsides
Rrrr. Rrrr. Schaltung nicht optimal eingestellt. Im höchsten Gang streift die Kette ganz leicht. Ich trete rein in die Pedale, ab und zu fliegen besoffene Abiturienten vorbei, es ist schwarze Nacht, die blasse Mondscheibe lugt trübe hinter ein paar feuchten Wolken hervor. Und ich trete rein, die Pedale sind die Welt, und ich trete rein. Nur noch Rrrr, Rrrr, nun ruhigere Gassen, vor mir der Lichtfleck des unterdimensionierten Scheinwerfers. Es ist noch warm und der Schweiß breitet sich unter meinem Pulli aus. Der Schweiß war heute schon mal mit mir, beim Bühnenaufbau, danach ein paar Songs dilettantiert, den anderen zu lange beim Spaß haben zugehört, um mein Freibier betteln müssen. Zu wenig Spaß und zu viel Schweiß für drei Bier, eigentlich bin ich nicht zuständig für die Bühne bei der Session, aber ich musste ja pünktlich kommen, wie immer aus mir selbst schadendem Pflichtgefühl, und der Hund leckt sich an den Eiern weil er es halt kann, und damit der Laden läuft stöpsle ich die ganze Beschallungsanlage zusammen, kompensiere wackliges Equipment und mangelnde Kabel mit links, also es gibt nur links/mono, für den rechten Kanal bleiben keine Kabel übrig, und dann soll ich noch beim Abbau helfen und das ist der Moment, an dem das vollends kellergeschossig gelagerte Karma endlich die Oberhand gewinnt, in die Vernunft furzt und mich sagen lässt: Ich hab aufgebaut, ihr könnt abbauen. Und abhauen tu ich, mit einem Gesicht wie siebzehn Tage Winterregen, durch die hübschen Damen hindurch, die man nicht so fies angrimmen sollte, und raus, und zum Rad und durch den Tunnel und mit starken Tritten in die Welt und vor allem nur weg. Nur wohin, wohin mit der den schäumenden Fäkalien in meinem Kopf? Na klar, put it online. Mein Blog, mein Zuhause, mein Klo.