SWR WorkingPro 12

Zunächst einmal begreife ich sofort, warum günstige Geräte in Fachzeitschriften oft ähnlich gute oder schlechte Reviews wie teurere Geräte bekommen: Wenn man erst mal den stolzen Preis von 600€ (regulär 716€ bei Thomann) hingeblättert und dafür sein altes Faltboot inkl. Segel verkauft hat, dann wird man schnell pedantisch. So ein Preis macht unnachsichtig. So stört es auch schon beim ersten Blick, dass die Regler des Equalizers in Nullstellung eingerastet nicht genau auf Mitte zeigen, was ich beim LA12 noch locker hinnahm. Ansonsten macht der Pro 12 haptisch und äußerlich einen guten Eindruck: Amtliche Rack-Klappgriffe an der Seite, der Griff oben macht auch einen soliden Eindruck. Die Knöpfe gehen angenehm, alle Buchsen sind mit dem Gehäuse verschraubt, bis auf die Fußschalter-Buchse. Gut aussehen tut er aber nicht wirklich. Er wirkt ungelenk und klotzig, wenn er auch nur 22kg wiegt. Die geschätzte Gefährtin findet ihn gar »hässlich«. Ganz so drastisch sehe ich es nicht, aber das Gitter wäre in Schwarz wirklich dezenter gewesen, so in Mausgrau gehalten bildet es zum Bedienfeld einen recht unausgewogen wirkenden Kontrast.
Das erste Einschalten überrascht mit einem bemerkenswert lauten Netzteilbrummen. Das kommt nicht aus der Box sondern vom Trafo selbst. Na gut. Beim Spielen fällt es dann nicht mehr auf. Die angenehmere Überraschung sind die sehr hellen LEDs. Wer schon mal mittags open air seine LEDs angeschaut hat, weiß das zu schätzen. Normalerweise sieht man nämlich nichts, weil die Sonne viel zu hell ist. Ein leichtes Rauschen kommt aus dem Hochtöner, aber das fällt nicht ins Gewicht. Im Vergleich zum LA12 und manch anderem mit Hörnern bewaffneten Amp ist der Pro 12 eher zurückhaltend. Mumpfsoundverehrer können das Horn auch auf -6db absenken oder ganz abschalten. Wer gern aggressiv poppt, der wird hier am Aktivbass oder am EQ die Höhen etwas anschieben mögen. Klanglich kommt der Amp eher nüchtern daher, so lange bis man den regelbaren Aural Enhancer wie im Handbuch vorgeschlagen auf 2 Uhr dreht. Dann stellt sich ein satter aber detailreicher Bass-Sound ein, der mit fein dosierten Eingriffen am EQ alsbald gut gefällt. Auch wenn das alle Reviews schreiben, aber hier ist es wirklich so: Die H-Saite nimmt der Pro 12 recht locker. Im Vergleich dazu mumpft der kleine LA12 schon etwas. Der Pro 12 glänzt trotz Bassreflex-Konstruktion mit einem detaillierten, gut auflösenden Bass-Sound. Wie viel SWR-Sound man möchte, das kann man am Regler einstellen.
Weitere Features umfassen einen Bass Intensifier, den ich nicht benötige, einen Wedge EQ, der den Sound anpassen soll, wenn man den Amp wie eine Monitorbox nach hinten legt, was ja durch seine Formgebung auch gefördert wird. Ich finde allerdings auch liegend den »normalen« Sound vollkommen anständig. Dazu gibt es noch einen Endstufen-Limiter, der zum einen die Box vor durchbratenden Lautstärkeausrutschern sichert, zum anderen mit seiner hellen LED den Benutzer mahnt, leiser zu drehen. Risikofreudige Basser können den Limiter ausschalten. Der Bass Intensifier und die Mute-Funktion können über einen proprietären Fußschalter geschaltet werden, zum Anschluss dient eine fünfpolige DIN-Buchse. Zu diesem Thema werde ich noch weitere Nachforschungen anstellen, denn Fußschalter gibt es auch deutlich günstiger als das Original (69€ für ein vergleichbares Teil), ein Adapterkabel müsste ausreichen. Ein nicht so brillianter Nebeneffekt dieser Fernsteuerbarkeit ist die Tatsache, dass die Mute-Funktion beim Ausschalten nicht aktiviert bleibt. Das muss man beim immer etwas chaotischen Bühnenaufbau bedenken: Sobald der Strom kurz weg war, trötet der Amp hinterher los.

Der EQ ist dreibandig ausgeführt. Neben dem Gain-Regler finden sich noch eine -10db Absenkung für das Eingangssignal und der Mute-Knopf mit dazugehöriger LED. Außerdem verrät eine weitere LED potentielles Übersteuern am Eingangsverstärker. Das Handbuch meint, dieses sei nicht schädlich. Man kann also die Vorstufe als Verzerrer einsetzen, wenn einem der Sound behagt und der Bass genügend Saft liefert. Interessant ist am Rande bemerkt, dass der kleine Pro 10 und der große Pro 15 jeweils über weniger bzw. mehr Regler und damit Funktionen verfügen. Das ist dann doch etwas inkonsequent, wenn der Kunde für mehr Funktionalität von 12 auf 15" umsteigen soll.
Auf der Rückseite offenbaren sich noch zahlreiche weitere Anschlussmöglichkeiten. Einen Line-Out gibt es als Klinke unsymmetrisch und als XLR symmetrisch, verschiedene Einstellungen regeln, wo das Signal abgegriffen wird. Neben einem Stimmgeräte- und dem Kopfhöreranschluss finden sich auch noch Send- und Return-Buchsen für ein Effektgerät. Hier hat SWR ein nützliches Feature eingebaut: Das Verhältnis von nass zu trocken kann mit einem Regler auf der Frontseite eingestellt werden, so dass man seinen Originalsound nicht beleidigen muss, wenn man nur etwas Hall hinzufügen möchte. An der Seite findet sich noch ein regelbarer Line-Eingang, mit dem man den Amp einfach als Monitorbox benutzen kann.
Vom Einsatzzweck her orientiert sich der WorkingPro 12 eher am Clubgig mit einem der selteneren Drummer, die keinen Dezibel feuernden Peniskompensationskomplex aufweisen. Mit seinen 200 Watt wird er aufgedreht im stillen Kämmerlein schon recht ungemütlich, auf der Bühne dürfte er sich wohl fühlen. Natürlich kann er mit einem Turm-Klassiker nicht mithalten… aber eine ganze Turnhalle mit einem Bass-Amp zu bebassen ist sowieso nicht sehr vernünftig und darüberhinaus sehr schlecht für die Ohren. Das sollte man lieber der PA überlassen und genau da kann man den Pro 12 ja dann einfach nach hinten umwerfen und den DI-Ausgang an den Mixermann weitergeben.
Die Bedienungsanleitung ist kurz und knapp aber ausreichend. Allerdings fehlt die Information, ob der »Line« betitelte Schalter den DI-Ausgang nicht nur vor dem EQ sondern auch vor dem Aural Enhancer abgreift. Der Support von SWR, der über den Eigentümer Fender Musical Instrument Corporation abgewickelt wird, antwortete auf meine E-Mail auch nach mehreren Wochen nicht. Ein Blockschaltbild hätte hier sofort Klarheit verschafft. Also habe ich den Amp mal kurz an ein Mischpult gehängt und festgestellt: In Stellung »Direct« greift der DI-Ausgang das Signal direkt nach dem Input ab, andernfalls (»Line«) sind EQ und Aural Enhancer sowie der Bass Intensifier mit drauf. Der XLR-Ausgang wird dabei nicht vom Master-Volume beeinflusst. Darüber drückt sich die Anleitung missverständlich aus. Dort steht nur eindeutig formuliert, der unsymmetrische Ausgang (Klinke) werde auch vom Master-Volume geregelt – das stimmt aber nicht.
Fazit: Der SWR WorkingPro 12 ist ein Bass-Verstärker mit vielseitigen Features und einem amtlichen, satten Sound. Er kann sowohl im Proberaum als auch zu Hause glänzen. Mit seinen 200 Watt dürfte er auch Gigs ohne Katastrophenlautstärke gut wegstecken. Bei größeren Events mutiert er zur Bass-Monitorbox und beliefert auch die PA mit dem typischen SWR-Sound des Aural Enhancers. Da gibt es nichts zu meckern: Ein amtlicher SWR-Sound gepaart mit 12"-Feeling. Von der Verarbeitung und der Optik her könnte bei diesem Preis allerdings noch etwas mehr drin sein. Die Anleitung könnte stellenweise informativer und korrekter sein.








