SWR WorkingPro 12

Geschrieben von DrNI am Sonntag, 18. Januar 2009 um 17:33 in Bass
Nachdem ich mir letzten Sommer den SWR LA12 als Übungsamp gekauft hatte, war es um mich geschehen: SWR ist geil, SWR muss her, lauter, geiler, mehr! Im Proberaum und auf der Bühne benutzte ich weiterhin meinen Trace Elliot, war aber damit im Vergleich zum LA12 nicht mehr zufrieden. Also sparte ich auf das nächstgrößere 12"-Gerät von SWR, und hier ist wir er: Der WorkingPro 12! Wie schon der kleine Übungsamp also wieder ein 12"-Lautsprecher mit Horn, auch wenn aus der Beschreibung nicht hervorgeht, ob der Treiber ein Piezo ist oder nicht. Befeuert wird die Bassreflex-Konstruktion mit 200 Watt. Doch der Reihe nach…

Zunächst einmal begreife ich sofort, warum günstige Geräte in Fachzeitschriften oft ähnlich gute oder schlechte Reviews wie teurere Geräte bekommen: Wenn man erst mal den stolzen Preis von 600€ (regulär 716€ bei Thomann) hingeblättert und dafür sein altes Faltboot inkl. Segel verkauft hat, dann wird man schnell pedantisch. So ein Preis macht unnachsichtig. So stört es auch schon beim ersten Blick, dass die Regler des Equalizers in Nullstellung eingerastet nicht genau auf Mitte zeigen, was ich beim LA12 noch locker hinnahm. Ansonsten macht der Pro 12 haptisch und äußerlich einen guten Eindruck: Amtliche Rack-Klappgriffe an der Seite, der Griff oben macht auch einen soliden Eindruck. Die Knöpfe gehen angenehm, alle Buchsen sind mit dem Gehäuse verschraubt, bis auf die Fußschalter-Buchse. Gut aussehen tut er aber nicht wirklich. Er wirkt ungelenk und klotzig, wenn er auch nur 22kg wiegt. Die geschätzte Gefährtin findet ihn gar »hässlich«. Ganz so drastisch sehe ich es nicht, aber das Gitter wäre in Schwarz wirklich dezenter gewesen, so in Mausgrau gehalten bildet es zum Bedienfeld einen recht unausgewogen wirkenden Kontrast.

Das erste Einschalten überrascht mit einem bemerkenswert lauten Netzteilbrummen. Das kommt nicht aus der Box sondern vom Trafo selbst. Na gut. Beim Spielen fällt es dann nicht mehr auf. Die angenehmere Überraschung sind die sehr hellen LEDs. Wer schon mal mittags open air seine LEDs angeschaut hat, weiß das zu schätzen. Normalerweise sieht man nämlich nichts, weil die Sonne viel zu hell ist. Ein leichtes Rauschen kommt aus dem Hochtöner, aber das fällt nicht ins Gewicht. Im Vergleich zum LA12 und manch anderem mit Hörnern bewaffneten Amp ist der Pro 12 eher zurückhaltend. Mumpfsoundverehrer können das Horn auch auf -6db absenken oder ganz abschalten. Wer gern aggressiv poppt, der wird hier am Aktivbass oder am EQ die Höhen etwas anschieben mögen. Klanglich kommt der Amp eher nüchtern daher, so lange bis man den regelbaren Aural Enhancer wie im Handbuch vorgeschlagen auf 2 Uhr dreht. Dann stellt sich ein satter aber detailreicher Bass-Sound ein, der mit fein dosierten Eingriffen am EQ alsbald gut gefällt. Auch wenn das alle Reviews schreiben, aber hier ist es wirklich so: Die H-Saite nimmt der Pro 12 recht locker. Im Vergleich dazu mumpft der kleine LA12 schon etwas. Der Pro 12 glänzt trotz Bassreflex-Konstruktion mit einem detaillierten, gut auflösenden Bass-Sound. Wie viel SWR-Sound man möchte, das kann man am Regler einstellen.

Weitere Features umfassen einen Bass Intensifier, den ich nicht benötige, einen Wedge EQ, der den Sound anpassen soll, wenn man den Amp wie eine Monitorbox nach hinten legt, was ja durch seine Formgebung auch gefördert wird. Ich finde allerdings auch liegend den »normalen« Sound vollkommen anständig. Dazu gibt es noch einen Endstufen-Limiter, der zum einen die Box vor durchbratenden Lautstärkeausrutschern sichert, zum anderen mit seiner hellen LED den Benutzer mahnt, leiser zu drehen. Risikofreudige Basser können den Limiter ausschalten. Der Bass Intensifier und die Mute-Funktion können über einen proprietären Fußschalter geschaltet werden, zum Anschluss dient eine fünfpolige DIN-Buchse. Zu diesem Thema werde ich noch weitere Nachforschungen anstellen, denn Fußschalter gibt es auch deutlich günstiger als das Original (69€ für ein vergleichbares Teil), ein Adapterkabel müsste ausreichen. Ein nicht so brillianter Nebeneffekt dieser Fernsteuerbarkeit ist die Tatsache, dass die Mute-Funktion beim Ausschalten nicht aktiviert bleibt. Das muss man beim immer etwas chaotischen Bühnenaufbau bedenken: Sobald der Strom kurz weg war, trötet der Amp hinterher los.


Der EQ ist dreibandig ausgeführt. Neben dem Gain-Regler finden sich noch eine -10db Absenkung für das Eingangssignal und der Mute-Knopf mit dazugehöriger LED. Außerdem verrät eine weitere LED potentielles Übersteuern am Eingangsverstärker. Das Handbuch meint, dieses sei nicht schädlich. Man kann also die Vorstufe als Verzerrer einsetzen, wenn einem der Sound behagt und der Bass genügend Saft liefert. Interessant ist am Rande bemerkt, dass der kleine Pro 10 und der große Pro 15 jeweils über weniger bzw. mehr Regler und damit Funktionen verfügen. Das ist dann doch etwas inkonsequent, wenn der Kunde für mehr Funktionalität von 12 auf 15" umsteigen soll.

Auf der Rückseite offenbaren sich noch zahlreiche weitere Anschlussmöglichkeiten. Einen Line-Out gibt es als Klinke unsymmetrisch und als XLR symmetrisch, verschiedene Einstellungen regeln, wo das Signal abgegriffen wird. Neben einem Stimmgeräte- und dem Kopfhöreranschluss finden sich auch noch Send- und Return-Buchsen für ein Effektgerät. Hier hat SWR ein nützliches Feature eingebaut: Das Verhältnis von nass zu trocken kann mit einem Regler auf der Frontseite eingestellt werden, so dass man seinen Originalsound nicht beleidigen muss, wenn man nur etwas Hall hinzufügen möchte. An der Seite findet sich noch ein regelbarer Line-Eingang, mit dem man den Amp einfach als Monitorbox benutzen kann.

Vom Einsatzzweck her orientiert sich der WorkingPro 12 eher am Clubgig mit einem der selteneren Drummer, die keinen Dezibel feuernden Peniskompensationskomplex aufweisen. Mit seinen 200 Watt wird er aufgedreht im stillen Kämmerlein schon recht ungemütlich, auf der Bühne dürfte er sich wohl fühlen. Natürlich kann er mit einem Turm-Klassiker nicht mithalten… aber eine ganze Turnhalle mit einem Bass-Amp zu bebassen ist sowieso nicht sehr vernünftig und darüberhinaus sehr schlecht für die Ohren. Das sollte man lieber der PA überlassen und genau da kann man den Pro 12 ja dann einfach nach hinten umwerfen und den DI-Ausgang an den Mixermann weitergeben.

Die Bedienungsanleitung ist kurz und knapp aber ausreichend. Allerdings fehlt die Information, ob der »Line« betitelte Schalter den DI-Ausgang nicht nur vor dem EQ sondern auch vor dem Aural Enhancer abgreift. Der Support von SWR, der über den Eigentümer Fender Musical Instrument Corporation abgewickelt wird, antwortete auf meine E-Mail auch nach mehreren Wochen nicht. Ein Blockschaltbild hätte hier sofort Klarheit verschafft. Also habe ich den Amp mal kurz an ein Mischpult gehängt und festgestellt: In Stellung »Direct« greift der DI-Ausgang das Signal direkt nach dem Input ab, andernfalls (»Line«) sind EQ und Aural Enhancer sowie der Bass Intensifier mit drauf. Der XLR-Ausgang wird dabei nicht vom Master-Volume beeinflusst. Darüber drückt sich die Anleitung missverständlich aus. Dort steht nur eindeutig formuliert, der unsymmetrische Ausgang (Klinke) werde auch vom Master-Volume geregelt – das stimmt aber nicht.

Fazit: Der SWR WorkingPro 12 ist ein Bass-Verstärker mit vielseitigen Features und einem amtlichen, satten Sound. Er kann sowohl im Proberaum als auch zu Hause glänzen. Mit seinen 200 Watt dürfte er auch Gigs ohne Katastrophenlautstärke gut wegstecken. Bei größeren Events mutiert er zur Bass-Monitorbox und beliefert auch die PA mit dem typischen SWR-Sound des Aural Enhancers. Da gibt es nichts zu meckern: Ein amtlicher SWR-Sound gepaart mit 12"-Feeling. Von der Verarbeitung und der Optik her könnte bei diesem Preis allerdings noch etwas mehr drin sein. Die Anleitung könnte stellenweise informativer und korrekter sein.

Irre Töne von Hern Hellborg

Geschrieben von DrNI am Dienstag, 16. Dezember 2008 um 15:20 in Bass
Klar, nichts wird von einem Top-Bassisten mehr erwartet als ein flotter Daumen. Üble Slap-Orgien sind ein Muss. Jonas Hellborg hat die natürlich drauf, aber vorher zeigt er noch, dass man aus einem doppelhalsigen Bässchen noch ganz andere Töne herauskitzeln kann:


(DirektRohr)

Was das Endorsement angeht, so ist Herr Hellborg bei der prominenten deutschen Bass-Schmiede Warwick untergekommen. Ja, mit Hellborg-Federn schmückt es sich eben gut.

Allerlei billige Bässe

Geschrieben von DrNI am Sonntag, 7. Dezember 2008 um 14:35 in Bass
Prokrastination bei Ebay. Eine gefährliche Sache, nicht nur, wenn das studentische Konto mal wieder weniger als Ebbe verzeichnet. Im Billigsegment tummelt sich mittlerweile Zeug, das man eigentlich sofort haben wollen müsste, hätte man nicht so seine Erfahrungen gemacht.

Da wäre zum Beispiel ein fünfsaitiger grätenfreier Bass im Heavy-Metal-Look mit durchgehendem Hals und Ahorn-Body für läppische 429€. Schon allein die Optik lässt mich sabbern. Doch dann: Hey, die Hardware: Silber-Metallic, aka Mattchrom. Die Alarmglöckchen gehen an: Ja, mein Harley Benton HBB5000 kam auch in dem Stil. Und bei dem ist mittlerweile wirklich nur noch das Holz original, der Rest musste durch bessere Teile ausgetauscht werden, da er entweder keinen anständigen Sound lieferte oder zerbröselte. Und im Hals knackt es manchmal auch schon so verdächtig, dass ich nicht mehr ohne Notfall-Ersatzteil auf die Bühne gehe.

Gleich weiter geht es in der Bucht mit einem ebenfalls fünsaitigen Grätenfreien, gleicher Verkäufer, vermutlich gleiche Bassklitsche. Marke und Hersteller sind bei Billigprodukten ja nicht unbedingt als eine Einheit anzusehen. Poplar Bird's Eye Top – boar Alter ey ist das sexy. Hochwertige Bridge, verspricht das Angebot. Da muss ich übrigens sagen, der oben verlinkte Harley Benton hat wirklich eine gute Bridge, die habe ich auch nur aus optischen Gründen ausgetauscht. Dann sehe ich da »Original Kent Armstrong« Pickups. Na, das glaube ich, aber wer ist Kent Armstrong? Der Bruder von Louis, Lance oder Neil? Sich selbst loben kann der Hersteller natürlich ausgezeichnet. Hat jemand Erfahrung mit den Produkten? Sind die Teile qualitativ näher an z.B. Delano als die üblichen Tieftonchinawummerer, und das bei relativ niedrigen (man möchte sagen, vernünftigen) Preisen?

Die beiden Äxte sind von Santander, einer Marke, über die man im Netz nicht wirklich etwas erfährt. Auftreten tut sie nur in Fragen in Foren und bei Ebay, dort verkauft von Hobby Keller Musik Shop. Schaut man sich die Ausstattung an und begibt sich wieder zum Grabbeltisch, so findet man HK (Inhaber Hermann Kempf) Bässe mit sehr ähnlichen Features, spezialisiert auf 6- und 7-Saiter. HK hingegen ist nicht ganz so unauffindbar sondern hat ganz normal eine Web-Site. Auf der klickert man dann durch den Shop und findet – fast hat man es vorausgesehen – Instrumente mit der schon von meinem Harley Benton bekannten Hardware, diesmal in Gold. In Gold? Ja, stimmt, das gab es auch schon bei der Harley-Benton-Edelbass-Reissue von Rocktile!

Doch damit nicht genug von halbzweifelhaften Marken. Der H&S Guitarshop verweist mittlerweile auf Google, sehr seltsam. Noch vor einem Jahr kaufte ich über Ebay bei dem Laden eine bundlose Steinberger-Kopie zum Sensationspreis. Angeblich produzierte H&S immer erst nach Bestellung, was auch überall bekannt gemacht wurde. Eigentlich eine nette Idee. Wegen angeblicher Lieferschwierigkeiten beim Zulieferer bekam ich den Bass aber nie, dafür wenigstens irgendwann mein Geld zurück. Der »Hersteller« ist nun anscheinend verschwunden. Das Haifischbecken der Billigproduzenten ist eben dicht bevölkert.

Weiter im Land der fretless Bässe navigierend kommt man natürlich um die neue Billigmarke Dimavery nicht herum. Was man davon halten könnte oder sollte, das berichtete schon vor einiger Zeit das BassFireBlog. Als Notfallbass ersteigerte ich dieses Jahr zu einem unverschämt niedrigen Preis eine Stingray-Kopie von Atrics. Äxte dieser Marke finden sich in ein paar französischen Shops, ansonsten weiß man nichts darüber. Das Holz klingt pur OK, die Bridge ist eine Katastrophe, und der Pickup ebenfalls. Dieser saß übrigens schief drin, weil der Ausschnitt aus dem Schlagbrett an der falschen Stelle war, den musste ich also erst mal größer feilen.

Dann wären da noch die kleinen schwarzen Viersaiter, die immer gleich aussehen, aber mal Stagg oder Johnson oder sonst wie heißen. Meiner hieß Stagg, war mein allererster Bass, die Mechaniken klapperten und bei der Einstellung konnte man mit einem LKW zwischen Saiten und Griffbrett locker durchfahren, ohne anzustoßen. Der hängt nun bei einem Freund an der Wand und langweilt sich, letztens machte es Zoing und der Sattel zerbröselte.

Was kann man also über Billigbässe sagen? Nur eines ist sicher: Man weiß nie, in welchem Werk in China oder wo auch immer diese Dinger eigentlich produziert werden. Die Ähnlichkeit in Austattung und Hardware über Marken und »Hersteller« hinweg deutet darauf hin, dass es irgendwo eine riesengroße Bassfabrik geben muss, in der all dieser Murks produziert wird und von wo aus diese bassgewordenen Problemfälle ihre Reise in alle Welt antreten. Besonders beliebt ist dabei ein toller Edelbass-Look, der über die zweifelhaften inneren Werte hinwegtäuschen soll. Auch durchgehende Hälse oder einteilige geschraubte Hälse gehören zu den Argumenten der Billighersteller, schließlich fand man derlei Features früher nur in der gehobenen Klasse. Den Nullbund (wie z.B. bei LeFay) haben sie allerdings noch nicht für sich entdeckt.

Was sollte nun also der wenig vermögende Bass-Einsteiger tun? Nun, Ibanez verkauft sehr günstige Bässe. Die günstigen von diesem Hersteller klingen zwar nicht besonders toll, sie sind aber meinen Erfahrungen nach sauber verarbeitet und lassen sich gut spielen. Man braucht keine Feile und kein Werkzeug und auch keine Ausbildung zum Gitarrenbauer, es kann gleich losgehen. Die billigen von Yamaha gefallen mir nicht so gut, dürften aber auch noch OK sein.

Der Bass für's Leben trägt aber keinen dieser Namen. Ein paar Anregungen liefert meine unvollständige Liste europäischer Basshersteller.

Drastische Preissenkung der Effektserie von Ashdown

Geschrieben von DrNI am Mittwoch, 5. November 2008 um 12:24 in Bass
Vorgestern bemerkte ich durch Zufall, dass Thomann die Preise aller Bass-Effekte von Ashdown um 50€ gesenkt hatte, das entspricht immerhin einer Preissenkung von fast 50%. Ich befürchtete, dass es mir so ergehen könnte wie schon öfter: Ich spare auf ein Gerät und kurz bevor ich das Geld zusammen habe, verschwindet es vom Markt. Will Thomann nun wieder alte Bestände loswerden? Also kaufte ich schnell einen Ashdown Drive Plus. Ein richtig netter Verzerrer, der Basserherzen höher grooven lässt. Den Sound muss man freilich mögen, da kann man nicht über Qualität, sondern nur über Geschmack streiten. Die stabile Blechdose macht einen robusten Eindruck, ein echter Bypass (Eingangsbuchse wird direkt mit Ausgangsbuchse verbunden) ist vorhanden. Nur ein gutes Netzteil sollte man haben, denn mit Billignetzteilen tritt ein unangenehmes Störgeräusch auf. Da das Ashdown-typische VU-Meter beleuchtet ist, sobald man in die Input-Buchse was einsteckt, ist der Batteriebetrieb vermutlich keine gute Idee.

Eine Anfrage bei Ashdown ergab: Nein, die Effekte sind keine Auslaufmodelle. Die sind jetzt einfach immer so günstig! Man habe die Preise der Effektgeräte dauerhaft gesenkt, um den Markt in Schwung zu bringen. Thomann hat also einfach nur zügig auf die Preissenkung reagiert. Es ist keine Panik von Nöten, man kann noch warten bis das Weihnachtsgeld ausgezahlt wurde und sich dann mal in der Effekt-Welt von Ashdown umsehen.

Eine Frage bleibt dann doch: Wenn es sich immer noch lohnt, die Teile zu dem Preis zu verkaufen, war dann der vorherige Preis nicht etwas unverschämt?

SWR LA12: Richtig geheilt

Geschrieben von DrNI am Samstag, 4. Oktober 2008 um 17:34 in Bass
Nun mal der Vollständigkeit halber: Im Juni berichtet ich über den Bassverstärker LA12 aus dem Hause SWR. Ich schrieb, das Volume-Poti krache wie Drecksau. Kurz darauf schickte ich den Amp zum Händler zurück, wo er makellos funktionierte. Ich bekam ihn wieder und natürlich ließ das erneute Auftreten des Defektes zu Hause nicht lange auf sich warten. Also wühlte ich mich durch das Netz, fragte Leute, usw. … Vorläufiges Ergebnis: Monacor vertreibt die passenden Teile im Großhandel, im Einzelhandel ist nichts zu bekommen. (Gerne lasse ich mich in den Kommentaren auf Bezugsquellen hinweisen.)

Doch es kam anders. Kurze Zeit später trat auch bei der Eingangsbuchse ein Wackler auf. Zwei defekte Teile? Unwahrscheinlich! Also lötete ich die komplette linke Seite der Vorverstärker-Platine noch einmal nach. Seitdem: Keine Probleme mehr. Dafür Garantie futsch. Hoffentlich merkt es keiner, wenn das Ding wirklich mal ernstlich kaputt geht.

Also alles gut. Schade nur, dass der Kunde das selbst machen muss. Vom Sound her ist der Amp nach wie vor ein Traum.

SWR LA12: Die magische Heilung?

Geschrieben von DrNI am Montag, 30. Juni 2008 um 10:10 in Bass
Vor kurzem berichtete ich über meine Neuanschaffung, einen SWR LA12 Bassverstärker. Das Gerät erwies sich als defekt. Also reklamiert beim (Verdand)Händler, in dem Fall Musik Schmidt in Frankfurt. Die Abwicklung war vorbildlich: Meine E-Mail wurde zügig beantwortet und wie versprochen wurde mir ein Freeway-Ticket für UPS per Post geschickt. Ich packte den Brüllwürfel ein und rief wie mir geheißen bei UPS an. Dort lernte ich am Telefon die Schattenseiten der Computerlinguistik kennen: Mit meinem schwäbischen Akzent kam der Automat nicht klar, schaltete daher nach einigem Hin und Her auf eine Frau um, die mir dann 100 Fragen stellte. Zum vereinbarten Termin kam der braune Mann und nahm die große Kiste mit.

Zwei Tage später, kurz vor dem Aufbruch zu einem Gig, klingelt der Telecommander und ich habe einen Mitarbeiter von Musik Schmidt an der drahtlosen Strippe: Kein Defekt feststellbar! Er spielt mir den Amp durchs Telefon vor, was sich in etwa so anhört, als würde man eine unglücklich eingestelltes Billigverzerrerpedal an einen Hochtöner anklemmen und übel quälen. Zunächst Ratlosigkeit. Ja, ich habe verschiedene Bässe und Kabel ausprobiert an dem Amp. Dann macht mir der Herr ein Angebot: Er schicke das Teil wieder zu mir, und wenn der Defekt wieder auftrete, könne ich ihn anrufen. Ich willige ein. Unkulante Firmen hätten die ganze Aktion nämlich einfach in Rechnung gestellt.

Gerade kam die Kiste an. Und sie funktioniert tadellos. Jetzt heißt es warten, bis es wieder scheppert. Oder war es wirklich eine magische Heilung während der Reise?

Der SWR LA12: So etwas wie eine Review

Geschrieben von DrNI am Dienstag, 17. Juni 2008 um 10:21 in Bass
Bisher spielte ich meinen gepimpten Harley Benton-Bass immer über einen Trace Elliot BLX 80, und zwar sowohl im Proberaum und zu Hause als auch auf der Bühne. Der BLX 80 ist ein in die Jahre gekommener kleiner Amp mit 80 Watt und einer unmöglichen Konstruktion, die ihm bei mir den Spitznamen »grüne Elefantenmuschi« eingebracht hat. Die Kiste liefert zwar recht viel Wumms, klingt dabei aber doch irgendwie schwammig und mangels eines Hochtöners ist oben rum auch nicht viel zu haben. Ich wollte also einen Verstärker mit präziserem Klang, nicht zuletzt um mit meiner Technik am Bass weiterzukommen. Denn was man nicht hört, das kann man auch nicht verbessern. Außerdem wollte ich nicht zu jeder Probe den über 30kg schweren alten Trace Elliot schleppen.

Ein neuer Übungsamp sollte her. Doch das ist gar nicht so einfach. Es gibt hier in der Gegend einfach keine Läden mit Auswahl. Da gibt es Läden, die für Bassisten sowieso nur ein Pflichtprogramm führen: Einen fetten Amp von Warwick und einen von Ashdown. Andere haben nur große Stacks, denn das kleine Übungszeug nimmt eh keiner ernst. Zu Thomann sind es etwa 259km, zu Musik Schmidt etwa 242. Von Music Store und Musik Produktiv brauche ich gar nicht erst anzufangen. Irgendwann hatte ich die Schnauze voll und bestellte einfach bei Musik Schmidt den SWR LA12. Skonto mit eingerechnet zahlte ich keine 225€ dafür. Das ist schon ziemlich wenig. Und so sieht das Würfelchen aus:


Der LA12 ist – wie der Name suggeriert – ein Verstärker mit einem 12"-Lautsprecher. Dazu hat er noch einen Piezo-Hochtöner eingebaut. Ein Bassreflex-Rohr konnte ich nicht entdecken, es handelt sich um eine geschlossene Box. Befeuert wird diese von einer Endstufe mit 60Watt. Bei den Reglern beschränkt sich der Hersteller auf das nötigste: Lautstärke, Tiefen, Mitten, Höhen. So sieht es auch bei den Anschlüssen aus: Eingangsbuchse, Kopfhörer, Tuner Out, Mix In. Und dann noch einen Power-Schalter. Das war's. Was auch noch drinsteckt verraten die technischen Daten nicht, es steht aber auf einem Anhängeschild, das vorne am Boxengitter baumelt: Der SWR-eigene Aural Enhancer ist auch noch an Bord und immer aktiv.

Inserts (Send-Return) für Effekte gibt es nicht. Man könne aber den Tuner-Out nehmen, einen Effekt anschließen und den Ausgang desselben wieder zum Mix In reinholen, so das Handbuch. Das halte ich für eine schlechte Idee, denn um den Effekt 100% nass zu bekommen, muss man dazu den Volume-Regler herunterdrehen. Das heißt, dass die Lautstärkeregelung dem Effektgerät überlassen ist. Außerdem ist das Eingangssignal für das Effekgerät nicht auspegelbar. Kurzum: Wer so etwas machen will, der braucht einen anderen Amp. Da die meisten Bassisten entweder keine Effekte benutzen oder diese einfach als Tretminen oder Modeller vor den Amp hängen, ist das aber ein Manko, das die wenigsten betreffen dürfte.


60 Watt sind nicht sehr viel, oder? Richtig. Im Proberaum neben einem Schlagzeuger und dem selbstverliebtem Gitarristen kann man damit nichts anfangen. Ich glaube auch nicht, dass der große Bruder LA15 oder der kleine LA10 hier einen Unterschied machen, auch wenn ersterer 100 Watt Power bringt. In leiseren Besetzungen, z.B. mit Cajon oder mit Westerngitarren, usw., da kann der LA12 sicher eine gute Figur machen. Und zu Hause erst recht. Denn der Sound ist für a) den Preis und b) die Größe wohl einfach nur der Hammer. Ein SWR-Sound ohne übersatte Tiefen, dafür mit Definition und Präzision. Man hört auf einmal Dinge, die man auf anderen Amps nicht hört. Dazu gehört leider auch die verbesserungswürdige Fingertechnik am Instrument. Aber es geht hier ja um einen Übungsamp. Der EQ ist nun wirklich minimalistisch. Allerdings greift er gut. Man kann tatsächlich Klang mit ihm machen. Kurzfassung: Der tiefbassende Grunzmetaller wird hier nicht glücklich, wer eher auf definierten Sound steht, der kommt dem mit diesem Wunderwürfel schon ein gutes Stück näher.

Und noch diese Woche schicke ich ihn zurück. Wieso? Nun, da gibt es noch eine Sache, bei der SWR wohl gespart hat. Abgesehen davon, dass man die Produktion der LA-Serie laut eigenen Angaben sowieso in Indonesien stattfinden lässt, die WorkingPro Serie aus Mexiko kommt und nur die Professional-Serie wie auf allen Kartons großspurig beworben aus Corona, Kalifornien, hat man sich wohl auch die Endkontrolle gespart. Das übernimmt nun der Mitmachkunde. Vermutlich hat mal jemand ausgerechnet, dass bei der Kontrolle nur jeder soundsovielte Amp defekt ist und dass es billiger ist, wenn der Kunde den zurückschickt, die Fachwerkstatt des Händlers ihn repariert, der Händler die Frachtkosten zahlt und nur einen Teil der tatsächlichen Kosten bei SWR in Rechnung stellen kann. Und was ist mit meinem Exemplar? Der Volume-Regler kracht wie Drecksau! Ein Defekt, den man mit einem geeigneten Test sicher in 20 Sekunden hätte feststellen können. An dieser Stelle möchte ich SWR für die Schlampigkeit mal öffentlich ausbuhen! Denn hier gibt es noch einen schwer berechenbaren Faktor in dieser Spar-Rechnung: Der Wert des Images der Marke. Und der leidet hiermit.

Ja, Marke. SWR ist nämlich eine Marke von FMIC, und die heißen lang geschrieben Fender Musical Instruments Corporation. Wer also meint, Amps von Fender seien zu teuer, weil man da nur den Namen bezahle, der kann ja einfach SWR kaufen. Ich habe jedenfalls meinen nach dem Kauf eines mechanisch miserabel verarbeiteten Tuners von Fender gefassten Plan, keine Produkte aus deren Haus mehr zu kaufen, wieder aufgeben müssen. Sonst kann man ja gar nichts mehr kaufen.

Fazit: Der SWR LA12 ist für den genannten Preis ein guter Übungsamp für zu Hause. Der Sound ist durchaus überzeugend, die Funktionen sind ausreichend. Für die Bühne oder für freakige Effektschaltungen ist er hingegen wenig geeignet. Montagsmodelle sind leider auch nicht ganz ausgeschlossen, wie mein Exemplar zeigt.

Einen Nachteil habe ich bisher gänzlich verschwiegen: Der detaillierte Sound lässt mich nun schon ganz heftig nach einem besseren E-Bass lechzen!


Update und Nachtrag vom 30.06.2008: Defekt oder doch nicht? Die magische Heilung.