Steckerbelegung Fußschalteranschluss SWR WorkingPro 12

Geschrieben von DrNI am Mittwoch, 28. Oktober 2009 um 09:49 in Bass
Der im Januar von mir besprochene Bassverstärker SWR WorkingPro12 hat ein nettes Feature: Über einen Fußschalter kann man die Funktionen Mute und Bass Intensifier fernsteuern. Während ich den Bass Intensifier weniger interessant finde, ist ein sanftes Mute doch sehr nützlich, es ploppt nicht und dem Tonmann kommt auch nicht das Grausen, weil der DI-Output eben auch keinen Plopp feuert. Alles cool also? Leider nicht. Der Anschluss für den Fußschalter ist ein fünfpoliger DIN-Stecker. Das genau passende Teil dafür gibt es bei Thomann nicht, aber der Fußschalter für den WorkingPro 400 kostet fast 70 Euro. Zu viel für mich als Löter und als Keyboarder, der noch zahlreiche Standard-Fußschalter herumliegen hat. Außerdem gibt es einfache Fußschalter von Lead Foot schon für einen Zehner.

Also habe ich mal mit etwas educated Guessing, einem Multimeter und ein paar Prüfspitzen den Anschluss inspiziert und die Steckerbelegung herausgefunden. Wenn man einen Taster (den wir meist meinen, wenn wir Fußschalter sagen) zwischen Pin 3 und Pin 1 anschließt, dann kann man die Mute-Funktion steuern. Ein Taster zwischen Pin 3 und Pin 5 steuert den Bass Intensifier. Das ist auch schon alles. Ich habe mir dann einen Adapter von fünfpoligem DIN-Stecker auf Klinkenbuchse gelötet, wie er oben abgebildet ist. Die Bauteile gibt es im Handel. Wer den Bass Intensifier auch schalten will, der muss eben zwei Kabel aus dem DIN-Stecker herauskommen lassen. An diesen Adapter kann jeder preisgünstige Keyboard-Fußschalter angeschlossen werden.

Ich habe bewusst darauf verzichtet, die teuren und guten Klinkenbuchsen mit Verriegelung von Neutrik zu verwenden. Mir ist es lieber, wenn beim Zug am Kabel die Klinkenkupplung auseinander geht als wenn die naturgemäß wacklige DIN-Buchse belastet wird.

Viel Spaß beim Nachkochen und Sparen!

Svoboda

Geschrieben von DrNI am Dienstag, 25. August 2009 um 19:18 in Bass
Muss ein Akustik-Bass unbedingt Freiheit (Svoboda) heißen? Letztendlich sind so gut Akustik-Bässe immer zu leise, um ohne Verstärker irgendwie zu funktionieren. Frei macht das eigentlich nicht. Doch Adrian Maruszczyk meint eine andere Freiheit, wenn er sein neues Produkt Svoboda nennt: Die Freiheit bei den Spielmöglichkeiten, bis rauf zum 24. Bund zu kommen und überhaupt so spielen zu können, wie man will. Und das eben auf einem Akustik-Bass. Bei Adrian klingt das dann so:


(DirektRöhre)

Bei mir würde es vermutlich etwas weniger frei klingen. Obwohl ich ja sonst Akustik-Bässen eher kritisch gegenüber stehe wirkt der Appeal dieses Teils doch recht zügig auf mich. Was mir aber nichts nützt, denn mit einem Preis von 4.900€ (laut Bassprofessor 3/2009) würde er meinen Geldbeutel mehr befreien, als dieser es zulässt.

So bleibe ich elektrisch glücklich mit meinem Frosch.

Bass-Amp ohne Amp: Hartke Bass Attack VXL

Geschrieben von DrNI am Sonntag, 12. Juli 2009 um 12:13 in Bass
Am liebsten basse ich natürlich über meinen SWR Heizlüfter. Letztens spielten wir zum wiederholten Male in einer Kneipe, in der weder Platz für die Monitoranlage noch für meinen Bassverstärker war. Also die PA hinter die Musiker… Da ist man dann froh über gute EQs auf den Summen der PA, damit man das Pfeifen los wird. Glücklicherweise sind wir nicht laut. Aber mein Bass-Sound direkt ins Pult war für'n Eimer.

Die Lösung in solchen Fällen reicht von gut und günstig bis geil und teuer: Im einfachsten Fall tut es eine (aktive) DI-Box. Für etwa 35€ bekommt man die LDI 02 von LD Systems, taugt auch für Keyboards und Akustik-Gitarre und bekommt den Saft vom Pult (Phantomspeisung) oder von Batterie. Wer bass-spezifisch den Sound verbiegen will, muss zum Bass-Preamp greifen. Hier kommt der Hartke Bass Attack VXL Tone-Shaper Pre Amp – so der volle Name – ins Spiel. Preislich manchmal sogar für knapp unter 100€ zu haben und damit ein Schnäppchen. Günstiger und wie gewohnt auch ziemlich billig kann nur Behringer, darüber wird es erst mit SansAmp interessant und über doppelt so teuer.

Äußerlich macht das Kästchen einen guten Eindruck: Im Gegensatz zum SansAmp wie auch zum Behringer sind die Knöpfe im Verhältnis zu den zwei Fußschaltern versenkt montiert, so dass man auch bei einer eher ungezähmten Bühnenpräsenz nicht auf die Potis tritt. Diese sind mit der Frontplatte verschraubt wie es sich gehört. Alles ist aus solidem Blech. Einzig die zwei Schalter für Pre/Post EQ und Betrieb über Phantomspeisung an der linken Gehäuseseite wirken so, als würden die Knöpfe eines Tages dahinscheiden. An der Unterseite eine kurze Ernüchterung: Der Deckel vom Batteriefach ist so lausig, dass ich ihn gleich mit Gaffa sichere. Vorsichtshalber klebe ich auch die Kontakte des Batterieanschlusses ab, weil die frei herumflattern und auf die Platine kommen könnten. An der Unterseite wurden bei meinem Exemplar zwei Schrauben vergessen, das ist einfach nur Pfusch.

Über die Studioabhöre mache ich mir ein Bild von der Lage. Zum A/B-Vergleich ziehe ich den DI-Out des SWR-Amps heran, schließlich landet der normalerweise auf der PA. Erste Erkenntis: Auch ohne Aktivierung des Aural Enhancers verbiegt der SWR den Sound deutlich – zu meinem Wohlgefallen. Kann der Bass Attack einen vergleichbaren Sound? Nach wenigen Minuten kurbeln: Er kann! Hartke ist natürlich nicht SWR (und umgekehrt), aber was aus dem Kästchen kommt, das tönt durchaus brauchbar. Auch ein kurzer Test am klanglich unbehandelten Monitor-Input des SWR-Amps bestätigt dies. Für meinen Sound benutze ich dabei die Shape-Funktion und den Zweiband-EQ. Der Bass-Regler greift gut, der Treble-Regler liegt mir etwas zu tief: Hier werden nicht nur die Höhen geregelt sondern auch der Knurr, also eher die Mitten. Der Harmonics-Effekt (Röhrensimulation) wird verwirrenderweise mit dem Schalter ON/OFF aktiviert, hinter dem ich die Mute-Funktion vermutet hätte, die aber nicht existiert. Die Röhrensimulation besticht überhaupt nicht, ich kann ihr nichts abgewinnen, kurzum: Man hätte sie wahrlich weglassen können. Auch als Verzerrer (Harmonics-Regler Richtung Rechtsanschlag) taugt sie nicht, da sie keinen extra Level-Regler hat und im Vergleich zum normalen Signal brachial laut daher kommt, sobald man den ON/OFF-Knopf betätigt.


Die Bedienung des Geräts ist kaum optimaler als die Anleitung. Der Shape-Fußschalter befindet sich links, der zugehörige Shape-Regler rechts oben neben dem Regler für den Ausgangspegel. Der Schalter für die Röhrensimulation ist rechts, die Einstellknöpfe sind links oben und rechts oben. Wer soll denn das noch blicken? Am besten stellt man sich ein Mal seinen Sound ein, schreibt das zusätzlich noch auf, und lässt das ganze dann in Ruhe. Die Anleitung ist gelinde gesagt zum schütten: »Wow Man! You just bought the coolest and most useful tool a bass player can own, the Hartke Bass Attack!« – so geht es los, und viel besser wird es nicht. Zum Thema Stromversorgung weiß die Anleitung: »Hey, life's a trade off, so is powering your audio gear.« Jaja. Dass man mit aktiviertem Ground Lift keinen Saft über Phantomspeisung bekommt, mag ja ein Trade-Off sein, wer sich aber für eine simple aktive DI-Box von Palmer entscheidet, muss diesen Kompromiss nicht eingehen und auch keine coolen Sprüche ertragen (da bei Palmer keine Anleitung dabei ist).

Zusätzlich zum obligatorischen XLR-Ausgang verfügt der Bass Attack über einen Line Out (Klinke). Beide kann man zusammen auf Pre EQ schalten, dann hat man eine simple aktive DI-Box. Ein eindeutiger Mehrwert. Dann gibt's wie bei jeder DI-Box noch einen Link-Ausgang, mit dem man einen Amp oder sonstwas füttern kann, das wird komplett vor dem Pre-Amp abgezweigt. Power nimmt das Teil auch von einem Netzteil, das bei Thomann nicht dabei ist, wo anders aber schon.

Schlußfolgerung: Wer ab und zu ohne Amp unterwegs ist oder sein muss, wer eine Backup-Lösung für seinen Amp sucht und wer dabei nicht auf eine Soundverbiegung im Stil von Hartke verzichten möchte, der findet mit dem Bass Attack eine flexible und günstige Lösung. Mehr als den gezahlten Preis von 105€ ist das Ding mir persönlich aber nicht wert, zumal bei meinem Exemplar gepfuscht wurde und der zuschaltbare »Röhrensound« für mich einfach nur nutzlos ist. Außerdem: Menschen mit Stilempfinden sollten die Anleitung ungelesen beiseite legen.

Das Killerfeature für die nächste Version wäre ein zusätzlicher Kopfhörerausgang zum stillen Üben.

Maruszczyk Frog Beta 5 Custom

Geschrieben von DrNI am Sonntag, 5. Juli 2009 um 16:09 in Bass
Angefangen mit einem billigen Johnson, weitergemacht mit einem Ibanez Soundgear, dann mit ein paar Ausrutschern gelandet bei einem Harley Benton HBB5000 Edelbass, der in den letzten Jahren bis zum Anschlag gepimpt wurde. Doch der Weisheit letzter Schluss ist ein Harley Benton auch in Vollpimpung nicht, es fehlte an genügend Knurr und E- und H-Saite zeigten sich etwas schwammig, wenngleich auch viel besser als im Original. Ich machte mich auf die Suche nach einem weiteren Pferd im Stall, doch auch renommierte Läden brachten nur marginalen Erkenntnisgewinn. Leider wird man in vielen Läden auch dann noch irgendwie stiefmütterlich und von oben herab behandelt, wenn man im Begriff ist, bis zu 1500€ auf die Theke zu legen.

Schon vor einem Jahr war ich auf Public Peace Productions gestoßen, die Firma von Adrian Kuban-Maruszczyk, die nicht nur einige polnische Marken in Deutschland vertreibt, sondern unter dem Namen Maruszczyk Instruments auch eigene Bässe im Programm hat. Das nobelste Modell, der Frog Omega Signature, ist auch bei Gadu Gadu zu hören – gespielt vom Meister selbst. Soundland in Fellbach hatte eine sehr kleine Auswahl an diesen Bässen, der lokale Bassguru war aber nicht sehr gesprächig darüber. Also schickte ich Adrian eine Mail mit ein paar Fragen und es entsponn sich eine kleine freundliche Korrespondenz. Dabei ist es wirklich erwähnenswert, dass Adrian sich um alle Sorgen und Wünsche direkt kümmert und dabei genau den Service bietet, den man in großen wie kleinen Musikläden selten findet.

Zeit zog ins Land und irgendwann war ich der vagen Sucherei überdrüssig und mittlerweile hatte Adrian seine Vorführmodelle von der Musikmesse im Online-Shop. Kurzerhand entschied ich mich, mir einen Frog zur Ansicht schicken zu lassen. Das hatte Adrian so vorgeschlagen, er könne ja einfach mal was schicken. Ein Fünfsaiter sollte es werden, der Frosch war schon im Soundland recht angenehm vom Handling her. Vielversprechend war das Custom Modell mit aktiven EMG-Pickups und Noll Dreiband-Elektronik. I did the deed, und da kam das Paket, ein bemerkenswert geiles Gigbag von Canto dabei und ein richtig guter Gurt. Zunächst hatte sich auf unerklärliche Weise was verstellt, aber mit einer vorsichtigen Benutzung der beiden Halsspannstäbe war gleich alles in Butter. Das Ding also an den SWR Heizlüfter geklemmt und aufgedreht und… Boaarr ey Alter ey!

Vom Hals her etwas dicker als der Benton. Die Maruszczyk-Saiten garantieren, dass man den Sound auch beim Saitenwechsel behalten kann und spielen sich angenehmer als die bisher von mir benutzten D'Addarios. Leider klingen sie auf meinem Benton überhaupt nicht gut. Die Korpus-Form bezeichnet Adrian schlicht als »optimal«. Mir gefällt sie auch sehr gut. Beim Spielen fällt sie eigentlich gar nicht auf, für mich ein Zeichen, dass sie gut gewählt ist. Optisch muss man sie mögen, was ich tue und was meinen Hang zum Individualismus unterstützt. Durch die Bank ein nobles Gerät, ohne protzig zu sein. Das Handling lässt sich mit der Einzelreiter-Bridge und den zwei Spannstäben allen Wünschen anpassen.

Sound ist eine schwierige Sache. Seit meinem Ausflug zu Station Music weiß ich, dass auch teuerste Bässe einen Sound haben können, den ich gruselig finde. Es ist also Geschmackssache. Der Frog klingt über einen SWR-Amp dezent knurrig aber nicht rotzig-knurrig. Tiefenfundament ist kein Problem. H- und E-Saite haben Definition. Mittig hat der Frog einen nasalen »Knöök«, der auf dem Hals-Pickup einen wundervollen Sound zum Poppen liefert, auf dem Bridge-Pickup lässt sich bei abgedrehten Höhen ein sehr individueller, leicht kontrabassiger Sound erzeugen. Beide Pickups zusammen geben einen eher braven aber noch durchsetzungsstarken Ton, der sich im Bandgefüge zumindest bei uns gut integriert. Mit der Dreiband-Elektronik kann man einiges machen. Diese Elektronik ist zusammen mit den zwei aktiven EMG-Humbuckern übrigens das »Custom« in meinem Frog Beta: Normalerweise gibt's beim Frog Beta die JM-Bestückung mit 2-Band-Elektronik.

Ich habe also den Bass nicht wieder zurückgeschickt. Nicht ganz glücklich war ich zunächst über die paar kleineren Dings und Dongs im Lack, die das Messe-Vorführmodell mitbrachte. Dann rechnete ich den geschätzten Neupreis ohne Messe-Rabatt aus und wurde zufrieden. Der geschätzte Kollege R. kam auch zum Testen vorbei, fing kurzentschlossen das Sabbern an und landete mit einem viersaitigen Elwood L, einer Maruszczyk-Weiterentwicklung J-Konzepts, seinen persönlichen Traumbasstreffer. Ebenfalls um einiges reduziert, da von der Messe.

Mittlerweile habe ich mit meinem Frog schon diverse Gigs gespielt und viele Stunden im Musikzimmer verbracht. Die Faszination hat noch nicht nachgelassen. Wer also einen frischen und frechen Bass mit Star-Qualitäten aber ohne Star-Allüren sucht, der sollte Adrian mal eine Mail schreiben. Doch Vorsicht: Steht so ein Frog einmal im eigenen Wohnzimmer, dann will er auch da bleiben!

DrNI: KlingKlangDingDong

Geschrieben von DrNI am Samstag, 13. Juni 2009 um 23:59 in Bass, Klangkonsum, Musizieren
Nach zwei Jahren Bauzeit mit vielen viel zu langen Pausen ohne Muse und ohne Energie für den letzten Schliff ist es nun so weit. Einzelne meinten ja schon, ich solle das Werk wegwerfen und neu beginnen. Das kommt natürlich nicht in meine Tüte. Auch wenn man nach zwei Jahren eigentlich schon weiter ist als das eigene neue Album. Nun denn, so sieht das Dingen aus:


Im Vergleich zum Vorgänger Constant Change, dem ja hierzublog eine ganze Serie gewidmet ist, gibt es über KlingKlangDingDong weniger zu sagen. Es handelt sich um eine bildhafte Klangkollage in vier Stücken, die gegen Ende bis an die Grenzen des allgemeinen Musikverständnisses geht. Die Musikrichtung ist grob geschätzt Ambient vermischt mit experimentellen Klängen. Spätfolgen einer Berliner Schule sind auch zu finden. Die Grundstrukturen sind zumeist im Sequenzer erstellt, darüber wurde improvisiert. Nach erprobter Manier wurden für ein Stück die syntaktisch annotierten Sätze aus der TiGer-Baumbank als Eingabedaten für einen Melodiegenerator benutzt.

Zum Einsatz kommen dabei zahlreiche ungewöhnliche Klangerzeuger, die aber nicht immer als solche auffallen: Gesampelte Stimmen und Salatschüsseln, verfremdete Regentropfen, und auch ein Vocoder ist in einem Stück dabei. Selbstverständlich sind auch diverse Synthesizer beteiligt gewesen, natürlich der OB-12 aber auch ein Juno 106 und die fabulantastische Software ZynAddSubFX, um nur die wichtigsten zu nennen. Bass ist zumeist Bass, elektrisch.

Also auf zum kostenlosen Download von KlingKlangDingDong!


Der Jamendo-Player zum Vorhören:

  

Bis jetzt keine Bass-Erleuchtung

Geschrieben von DrNI am Samstag, 23. Mai 2009 um 15:33 in Bass
Die Qual der Wahl… nach insgesamt über 300km Reise hin und zurück zu Station Music wieder zu Hause im Musikzimmer. Also Lakland war's nicht, die Brücke gefällt nicht, der Sound ist super aber irgendwie nicht so das. G&L, naja, nee irgendwie gar nicht so das, was mich vom Hocker reisst. Musicman? Sowieso zu teuer. Düsenberg halbakustisch gefällt mir nicht. Die nobelste Variante der Prestige-Serie von Ibanez ist nur als Sechssaiter zum Test verfügbar. Die weniger noble Variante gefällt im Ansatz, vor allem mit dem geschraubten Hals, kann dann aber nicht vollends überzeugen: Sehr angenehmes Handling, aber vom Sound her nicht klar genug. Also doch wieder zu wenig Auswahl, das was ich testen will, ist nicht da. Sandberg gefällt nach wie vor, sicher immer ein Teil der näheren Auswahl.

Wenn's nach dem Boss geht, sollte man am besten gar nichts anfassen. Nunja, die Alembic-Abteilung mit den 14k€-Bässen ist extra abgesperrt, aber ich habe ja ein reales Kaufinteresse und nicht etwa im Lotto gewonnen, also will ich da gar nicht erst hin. Maruszczyk gibt es gar nicht. Der Boss tritt sein Misstrauen gegenüber der polnischstämmigen Marke breit. Er bezeichnet Maruszczyk-Bässe als schlechte Geldanlage. Mann wisse ja nie, ob es die Firma nächstes Jahr noch gäbe, und wer kaufe dann schon einen gebrauchten Maruszczyk. Weil seinem Bass-Guru, der heute natürlich abwesend ist, die Delano-Pickups nicht passen, haben die vor Ort befindlichen Sandberg-Bässe alle möglichen Edel-Pickups, Häussel oder sogar Alembic. Das ist zwar eine nette Idee, hilft mir aber nicht weiter, da ich den Geschmack des abwesenden Gurus in dem Punkt nicht teile. Was mir auch nicht so recht weiter hilft, sind Bässe mit reinen Stahlsaiten drauf. Ich würde sowieso als erstes Drähte aus einer Nickel-Legierung aufziehen, wie sie ja die meisten Basser verwenden. Also würde ich das Teil im Laden auch gerne gleich so testen.

Fender, das sei immer eine gute Wahl. Der R. und ich befingern einen klassischen Fender Jazz. Ja, klingt gut, sieht gut aus, ist gut verarbeitet. Hat aber nur einen Sound, und andere Griffbretter sind sympathischer. Man könne doch auch gleich das Original nehmen, meint der Boss. Schon wahr, aber einige Kopien sind eben einfach besser. Zu Hause angekommen fasziniert der Harley Basstelton wieder mit dieser Klarheit und Präzision, die er seit der neuen Elektronik inne hat.

Es ist mehr faszinierend als erschreckend, dass ein Shop mit um die 600 Bässen im Ausstellungsraum immer noch keine Erleuchtung bringt. Es war einfach kein einziger dabei, der spontan die Ohren zum glühen und die Augen zum Leuchten gebracht hätte. Amüsanterweise gab es so einen Bass im Soundland. Es war ein Maruszczyk Elwood L 24.

Die Geschichte meines Harley Basstelton

Geschrieben von DrNI am Sonntag, 3. Mai 2009 um 16:45 in Bass
Eine kleine Vorgeschichte: Im Spätsommer 2005 ergab es sich, dass die geschätzte Gefährtin und meine Wenigkeit sich in einem Dörflein namens Treppendorf einfanden, seines Zeichens Teilort von Burgebrach. Diese Gemeinde mit nur wenigen Seelen wäre wohl heute gänzlich ausgestorben und sowieso unbekannt, wäre da nicht das nach eigenen Angaben größte Musikhaus Europas beheimatet, auch bekannt als Thomann. Nun war diesem Ausflug – der eigentlich ein Abstecher einer Urlaubsreise war – eine seltsame Liebschaft vorausgegangen, nämlich die zu einem Harley Benton HBB5000 Edelbass (hier gibt es eine Art Datenblatt der Fretless-Version). Es war so etwas wie eine Brieffreundschaft, denn gesehen hatte man sich ja noch nie, außer auf Fotos. Auch eine Review in Gitarre & Bass war studiert worden und so war es keine Überraschung, dass der Urlaub mit dem Erwerb dieses nobel ausschauenden Fünfsaiters quasi endete. Anzumerken ist noch, dass ich bei Thomann nicht das besichtigte Instrument erhielt, sondern ein frisches aus dem Lager.

Profil: Der Harley Benton HBB5000 ist ein Fünfsaiter mit Edelbass-Look, die verwendeten Materialien sind Mahagoni (Korpus) und Bubinga (Decke und Kopfplatte) sowie Mahagoni und Ahorn (für den durchgehenden Hals). Die Hardware ist in Mattchrom gehalten, auch bekannt als silber-metallic. Zwei Asia-Humbucker feuern in eine Asia-Elektronik mit dem üblichen Zeug (Höhen, Tiefen, Überblendregler, Lautstärke). Vom Grundsound her ist der Benton mehr tief und breit und wuchtig als knurrig und luftig.

Unfreiwillige Pimpung Nr. 0: Das Exemplar aus dem Lager hatte einen defekten Balance-Regler. Ich beschwerte mich bei Thomann, schlug vor, sie mögen mir das Teil einfach schicken, da es billiger sei als der Versand des ganzen Instruments. Das taten sie und ich baute das neue Teil ein, funktionierte dann tadellos.

Pimpung Nr. 1: Dummerweise kam der HBB5000 schon Ende 2005 den in den Reviews erzeugten Erwartungen dann doch nicht so nach. Das lag natürlich auch an meinem nicht gerade brillianten Amp, einem Trace Elliot BLX-80 ohne Hochtöner. Als ersten Schritt hatte ich gute Saiten von D'Addario draufgemacht, aber da hörte man keinen Unterschied. Aber ich war jung und blöd und hatte das Geld, also kaufte ich dem Benton erst mal ein paar schnuckelige Pickups von Delano aus der SBC-Serie. Ganz normale Soapbars. Da ich den Equalizer überflüssig fand und die Asia-Elektronik mir nicht vertrauenswürdig schien, baute ich das Ding kurzerhand aus. Das Adrenalin schob kräftig als ich mit verschiedenen Bohrern im Elektronikfach herumfuhrwerkte um Platz zu schaffen für zwei Drehschalter, die beide Pickups in Single Coil, Humbucker, und Parallelbetrieb umschalten sollten. Dann fehlte noch eine Elektronik. Der heutige Mitbewohner T. entwarf aus dem Kopf einen Preamp, den ich auf Lochrasterplatine umsetzte. Passte gerade so rein. Funktionierte aber super. Das Problem war der passive Überblendregler für die Pickups, der in Mittelstellung so leise war, dass wir die Verstärkung bis zu einem deutlichen Rauschen aufdrehen mussten – in den Seitenstellungen aber so laut, dass der Preamp zum Verzerrer wurde. Diese Probleme sollten einige Jahre ungelöst bleiben.


Die unfreiwillige Pimpung Nr. 2: Im Juli 2007 fielen diese kleinen netten Plastik-Dichtungsringe aus den Mechaniken. Sie waren von einer Kante an den Federringen aus Metall direkt darüber buchstäblich durchgefressen worden. Ich reklamierte und erhielt vom kundenfreunlichen Thomann neue Plastikringe kostenlos zugesandt.

Die halbfreiwillige Pimpung Nr. 3: Ein weiteres Jahr zog ins Land, ich spielte das Instrument oft, in guten Zeiten täglich und natürlich bei den mehr oder minder regelmäßigen Gigs meiner Kapelle. Mittlerweile hatte ich mir einen SWR-Amp angeschafft und hörte genauer hin, und die Pickup-Wahlschalter zahlten sich dann doch aus. Den Bass hatte ich immer wieder neu eingestellt, bis er einen grandiosen Spielkomfort an den Tag legte. Das relativ putzige Hälschen kommt dem trotz der fünf Saiten auch sehr entgegen. Dann eines Tages, am Tag nach einem Gig, zog ich frische D'Addarios auf. Am Tag danach beim Stimmen ein Knall und die Mechaniken zerbröselten. Naja zumindest eine. Obwohl Thomann ein kostenloses Ersatzteil auf Kulanz schickte, beschloss ich, den Bass auf Mechaniken von Kluson umzubauen. Sicher ist sicher. Die neuen waren in Chrom. Wie die Knöpfe schon seit Pimpung 1, die alten Knöpfe hatten nicht mehr gepasst. Ich hatte Glück und konnte die gleiche Bridge bei Ebay in günstig und in Chrom erwerben. Übrigens: Die Bridge ist wirklich gut, sehr massiv, nichts klappert, und sehr gut einzustellen. Boston Straplocks in Chrom hatte ich schon länger montiert. Nun war der Bass also komplett von Mattchrom auf Chrom umgestiegen, bis auf die Saitenhülsen an der Rückseite, die keiner sieht.

Die fast letzte Stufe, Pimpung Nr. 4: Quasi zum Abschluss beglückte ich mich mit einer neuen Bass-Elektronik für die hier vorgestellte Gurke. Diesmal aber richtig. Die Pickups mussten entkoppelt werden, um die großen Lautstärkeunterschiede in den Griff zu bekommen. Dafür erkor ich mir die Noll Mixpot1. Ich fragte bei Noll Electronics an, ob ich danach noch einen passiven Lautstärkeregler (Spannungsteiler) schalten könne. Klaus Noll war persönlich am Postfach. Einige Verzögerungen (meine Abschlussarbeit, »seine« Musikmesse) bremsten das Ganze dann noch etwas… dann aber hatte ich sie vor mir: Meine Noll Mixpot1 Custom, vom Chef persönlich gelötet. Die aktuelle Elektronik hat also zwei Pickup-Wahlschalter wie gehabt, danach kommt ein aktiver Balance-Regler (im Prinzip ein Zweikanal-Mischpult), ein passiver Volume-Regler und dann – dann ist da noch etwas, was ich Klaus Noll nicht verraten hatte, obwohl er mir den Balance-Regler bereitwillig als Push-Pull-Poti ausgeführt hatte: Eine passive, fest eingestellte Höhenblende, die durch Herausziehen des Balance-Reglers eingeschaltet wird. Soweit die Theorie, denn ich bin mir noch nicht ganz klar, wie ich das Tiefpassfilter erfolgreich so umsetzen kann, dass es vom Volume-Regler unabhängig ist.

Und jetzt? In den nächsten Tagen werde ich noch verschiedene Arten von Saiten testen. Es ist aber nicht unwahrscheinlich, dass es bei den D'Addario EXL-170-5 bleibt. Pimpen werde ich an dem Bass nichts mehr. Da ist nun alles ausgetauscht bis auf das Holz selbst. Besser kann der nicht werden. Unlängst war ich im Soundland und habe Bässe von Sandberg und Maruszczyk angespielt. Das ist halt doch nochmal ein ganz anderes Kaliber als ein Asia-Bass. Und es ist auch viel schwieriger: Diese Bässe sind alle gut. Man kann keinen besseren kaufen. Man muss sich wirklich darauf konzentrieren, welche klanglichen und spieltechnischen Eigenschaften einem wichtig sind. Klar, teurer geht immer, aber das ist dann kaum besser, nur luxuriöser. Seltsam aber wahr: Vom Spielkomfort her ist der Benton immer noch ungeschlagen.

Den Harley Basstelton HBB5000 werde ich auf jeden Fall behalten. Nach so viel Chirurgie und so viel Bühnenerfahrung trennt man sich nicht mehr. Nochmal pimpen würde ich ihn nicht mehr. Lieber gleich ein richtig gutes Teil kaufen.

Bassvergleich online

Geschrieben von DrNI am Donnerstag, 23. April 2009 um 12:49 in Bass
Markus Hartmann bietet sich als Fernbassist an. Man schickt einen Track ohne Bassline hin und der Track kommt mit Bassline zurück. Eine nette Geschäftsidee, von der Delamar überschwänglich berichtet. Was mich jedoch überschwänglich werden lässt, das sind die Werbevideos von Markus Hartmann auf seiner Homepage. Nicht, weil er so ein abgefahrener Bassist ist (gut ist er sicherlich). Sondern weil man da so schön den Vergleich von verschiedenen Bass-Typen und Stilrichtungen hat. Und das – wie bei Bässen auf YouTube leider nie der Fall – in einer mehr als erträglich guten Audio-Qualität.

Also frohes Vergleichen!

Ashdown Envelope Filter: Alt und neu, Licht oder nicht

Geschrieben von DrNI am Samstag, 7. März 2009 um 15:31 in Bass
Im November berichtete ich von einer drastischen Preissenkung der Ashdown Bass-Effekte. Damals bestellte ich mir einen Bass Drive Plus. Ein netter Verzerrer im robusten Gehäuse. Sound muss man mögen, funktioniert aber alles, wie es soll. Mit einer LED wird das Ashdown-typische VU-Meter beleuchtet. Heute kam nun der Ashdown Envelope Filter. Ein etwas großkotziger Name für ein Autowah. Aber sei's drum.

Eingesteckt und rumgekurbelt und hey, das tut ja richtig cool. Ein paar Jahre Synthesizer-Klangschrauberei zu meinen Erfahrungswerten zählend komme ich mit dieser Minimalversion eines Filters schnell klar. Doch dann: Hey, das zerrt. Wieso zerrt das? Ich drehe den Input auf 9 Uhr. Den Output auf Rechtsanschlag. Nun zerrt es nur noch gelegentlich, aber das Ausgangssignal ist nicht so laut wie wenn ich den (true) Bypass betätige. Außerdem fällt sofort auf, dass das VU-Meter nicht leuchtet.

Klärung der Sachlage: Die VU-Meter-Beleuchtung ist einfach nicht eingebaut. Im Drive Plus sieht man die LED noch deutlich, im Envelope Filter ist einfach keine eingebaut. Dann ein Blick auf die Verpackung: »For Low Output/Passive Basses only« steht dort, nachträglich aufgeklebt. Dann fällt auf: Auf der Verpackung hat das Gerät noch schwarze Knöpfe, keine verchromten. Auch ist dort das VU-Meter deutlich beleuchtet.

Die drastische Preissenkung bei Ashdown – nicht nur eine Preissenkung? War der Drive Plus Verzerrer noch aus einer alten Serie? Fragen über Fragen. Der Service von Ashdown beantwortet diese per E-Mail schon eine halbe Stunde später. Es müsse sich um ein Gerät der alten Serie handeln. Die alte Serie der Bass-Effekte habe grundsätzlich kein beleuchtetes VU-Meter, so erfahre ich. Außerdem habe man die Knöpfe nun in Chrom in der neuen Serie. Warum mein Modell zwar Chrom-Knöpfe, nicht aber die Beleuchtung hat, ist dem freundlichen Mitarbeiter aber auch nicht ganz klar. Das VU-Meter sei mit einem zusätzlichen Metallbügel innen befestigt. Und in der Tat: Bei meinem Drive Plus sitzt es bombenfest, beim alten Envelope Filter wackelt es herum. Ansonsten sei das Innenleben gleich, so lässt der Herr von Ashdown verlauten. Zum Thema passive Bässe und Übersteuern kein Kommentar.

Unzufrieden beschließe ich, den asozialen Affen zu machen: Ich schicke das Effektgerät zum Händler zurück und bestelle bei einem anderen Händler das gleiche noch mal. Dieses Mal achte ich bewusst darauf, dass dort keines mehr auf Lager ist, damit ich auch wirklich ein frisches aus der neuen Serie bekomme. Der Haken: Irgend einer kauft nun mein Gerät als günstigen Versandrückläufer und ist womöglich ähnlich wenig erheitert.

Die Sache mit dem Übersteuern bleibt Risiko. Da heißt es dann: Pimpen oder erneut zurückschicken. Doch Autowah-Effekte mit echtem Bypass sind kaum zu bekommen. Zu diesem Preis schon gleich gar nicht.

Amateurchirurgie

Geschrieben von DrNI am Donnerstag, 19. Februar 2009 um 17:27 in Bass
Der ursprünglich halb defekte SWR LA12 gab sich zunächst plötzlich geheilt, dann wiederum wurde er vermeintlich unplötzlich richtig geheilt, aber auch das war nicht von Dauer. So half am Ende nur eines: Ein neuer Lautstärkeregler musste implantiert werden. Klein und unscheinbar sieht der Übeltäter auf dem Foto aus, brutal und grobschlächtig sind die Narben auf der Platine. Ja, hätten die Roboter bei SWR doch mal den dickeren Bohrer nehmen sollen für die Beine der Potis, dann wäre das alles ohne fieses Hebeln, Herumzangeln und ohne die Bohrmaschine gelaufen. Aber vermutlich war es halt so billiger.

Immerhin, nach allem Gebohre, Gesäge und Gelöte: Äußerlich alles hübsch und funktionieren tut es auch wieder.