Blues am Schreibtisch

Geschrieben von DrNI am Montag, 4. Januar 2010 um 16:13 in Musizieren
Musik machen bedeutet auch Schreibtischarbeit. Meistens also das Schreiben von Pressemitteilungen, das Herumtelefonieren mit Veranstaltern, Internet-Gedöns. Und manchmal dann auch wieder Interessanteres. Dafür braucht man dann aber auch geringfügig mehr Büroausstattung, wie das Foto vermuten lässt. Im Studio2 unserer WG verbrachte ich nun ein Wochenende mit Erkenntnisgewinn. Da bleibt mir nur neidlos anzuerkennen, wie viel mehr Know-how der Bewohner von Studio1 hat.

Nun da der Maschinenpark endlich wieder rund läuft, steht auch neuer elektronischer Musik nur noch Zeitmangel im Wege.


Nachtrag: Dieses Foto ist das erste in einer Serie auf Ardour.org, der Website der besten kostenlosen Digital Audio Workstation.

Wissen, glauben, durchpfuschen

Geschrieben von DrNI am Montag, 21. Dezember 2009 um 11:31 in Rock'n'Roll Backsides
Nach Gigs höre ich normalerweise keine Musik. Am liebsten wäre es mir, wenn die ganze Location danach in einer tiefen Stille versinken würde. Wenn man gerade dreißig Songs gespielt hat, dann ist kein Platz mehr für Musik im Kopf. Auch im Auto gibt es keine Musik in dieser Nacht. Später werde ich erfahren, dass es auf der Alb bis minus dreißig hatte. Auch im Krabbengäu – immerhin ein paar hundert vertikale Meter näher am Meer – da reicht die Heizung meiner Karre auch nicht mehr aus, um den Innenraum wirklich warm werden zu lassen. Alles ist eingefroren und neben mir friert die J. auf dem Beifahrersitz.

In der Kneipe war es warm aber verraucht. Ein paar hatten ihren Besuch freundlicherweise schon abgemeldet. Unberechenbares Wetter, so begründeten sie und recht hatten sie. Doch dann wird es doch noch gerade so voll, dass man von voll gerade noch so sprechen kann. Für so wenig Leute läuft es gut an. Wie so oft, wenn sie mitklatschen, muss man sich besonders konzentrieren, auf den Perkussionisten zu hören. Der ist nämlich der einzige im Saal, der den Takt richtig »klatscht«. Das erste Set läuft etwas zu routiniert aber dennoch gut durch. Dann im zweiten schlagen mir am Bass die letzten zwei Wochen voller Stress auf die Finger, ich liefere ein paar üble Abkacker. Und als Bassist kann man keine Pause machen, man muss sich durchpfuschen, von wissen wie der Song geht rutscht es ab in ein Glauben, und dann am Ende kommt ein näherungsweises Bescheißen. Am besten kaschiert man es in einem Walking Bass, bei dem man halt versucht, immer auf die nächste Eins keinen falschen Ton zu setzen.

Deswegen geht man auf Sessions, da lernt man das in der Musik, was unsere Elite in der Politik schon immer konnte: Ohne Ahnung gut klingen und dabei unschuldig aussehen. Es wirkt, das Publikum verlangt nach einer Zugabe und einige verabschieden sich danach persönlich mit positivem Feedback und guten Wünschen.

Doch in Wirklichkeit hasst man es natürlich, wenn es einen im Gig erwischt, wo man die Songs ja kennt. Als Mensch gibt man sich ja gerne dem Gefühl hin, alles unter Kontrolle zu haben. Nichts scheint mehr zum Verzweifeln als wenn man nicht sein Leben lebt sondern von seinem Leben gelebt wird. Der Mensch sitzt im Sattel und reißt dem Gaul seines Daseins an den Zügeln oder gibt ihm die Sporen. So ist das. Und wenn der Gaul durchgeht, dann wird es uns Angst und Bange. So in etwa das Gefühl, wenn man den Basslauf seines eigenen Songs irgendwie gerade verplant hat, obwohl man den sonst morgens um fünf – also zu einer völlig illegalen Uhrzeit – noch im Schlaf könnte.

Erst nach längerem Ausschlafen fällt mir dann auf, dass ich nun schon zum dritten Mal nach nächtlichem Musizieren eine Dame durch die Gegend kutschiert habe. So langsam wird es zur Routine. Noch immer ungewohnt ist danach die Leere auf der Matratze. Ich gehe mit dem Gedanken schwanger, Gitarre spielen zu lernen. Rein aus akquisetechnischen Gründen.

Cockles and Muscles, alive, alive, oh!

Geschrieben von DrNI am Samstag, 5. Dezember 2009 um 15:19 in Rock'n'Roll Backsides
»Wir haben 60 Kilo Muscheln gekauft,« so empfängt uns der Präsident der Biker. Es ist Freitag, zwei von vier Mitgliedern der Kapelle stecken noch im Stau, der Aufbau verläuft deswegen etwas chaotisch aber wie immer problemlos. Die Akustik spricht gegen sich, ich rudere an den Summen-EQs herum. Wir sind nicht die einzigen Muschelesser an diesem Abend, aber es ist ja genug für alle da. Im Sud ist irgendwie auch Curry drin. Mit der neuen bunten Lichtanlage sieht man das ja netterweise nicht, wenn der Bassist gelbe Finger hat. Die Show läuft recht schleppend an, obwohl man sich an Muscheln ja nicht gerade vollfressen kann. Irgendwie unterhalten die Leute sich fast lauter als die Anlage, die eh schon laut ist an diesem Abend. Aber naja, es sind halt doch Biker, auch wenn die meisten mit dem Auto da sind: Mit Smoke on the Water und Locomotive Breath kriegt man sie dann doch noch rum. Sie wollen zwei Zugaben und wir liefern nochmal geil ab. Vor dem Abbau gibt es erst mal und noch mal für jeden zwei riesige Schüsseln Muscheln.

Als wir gegen drei Uhr alles verstaut haben und uns auf den Weg machen sind immer noch Muscheln da. Und es geht eben doch – sich an Muscheln vollfressen.

Die Erkenntnis des Tages

Geschrieben von DrNI am Dienstag, 1. Dezember 2009 um 23:20 in d.E.d.T., Musizieren
Musik machen ist wie Informatik studieren: Der Frauenanteil ist eine Katastrophe und die Langhaarigen reden immer nur über technische Geräte.

Surreal wie so oft

Geschrieben von DrNI am Samstag, 28. November 2009 um 16:27 in Rock'n'Roll Backsides
Noch etwa anderthalb Stunden bis zum Aufbau. Es fühlt sich wie so oft noch nicht real an. Ich schütte mir Kaffee rein und höre lautstark die …auf Dr Stroß von Schwoißfuaß. Real wird es in der Regel irgendwo innerhalb der ersten zwei Songs.

Heute Abend, 21 Uhr im Tübinger Hades: Delta B.

Proberaumsofa

Geschrieben von DrNI am Dienstag, 24. November 2009 um 22:05 in Rock'n'Roll Backsides
Das unsägliche Geräusche einer Kreissäge mit der jemand Brennholz sägt. So geht das schon seit drei Stunden, doch seit den letzten fünf Minuten davon liege ich auf dem Proberaumsofa und versuche zu schlafen. Es ist mollig warm, ich habe ein Kissen und ich muss schlafen, dringend. Ich huste wie ein Kettenraucher und schlapp bin ich auch und in einer Stunde müssen wir los zum Gig. Ich muss schlafen. Die Säge hört nicht auf. Ich versuche es trotzdem und schließe die Augen. Das akustische Bild wird detaillierter: Ab und zu bollert der Ofen, leise seine Holzbriketts verdauend. Mit einem tiefen Summen läuft die externe Festplatte, auf die der Klapprechner zehnkanaliges Grundrauschen der Vorverstärker speichert. Testlauf für den Live-Mitschnitt. In kurzen, regelmäßigen Abständen das Tickern des Kopfes der Platte, wenn wieder ein Schwung neuen digitalisierten Rauschens seinen Weg auf den Datenträger findet. Ganz leise brummt und rauscht dazu die Anlage im Proberaum. Nebenan dreht sich der hals­beschmerzte Sänger kreissägen­nervengesägt auf seiner Matratze um.

Ich vergrabe mich in dem plötzlich zu kleinen Kissen und denke an Geborgenheit, doch zu spät bemerke ich, dass in dem Gedankengang eine Person vorherrscht, bei der es keine Geborgenheit mehr zu holen gibt. Beziehungsende­nervengesägt drehe ich mich auf dem Sofa um. Dann ist es auf einmal dunkel und der Gitarrist steht in der Tür. Wohl doch geschlafen, irgendwie. Niemand fühlt sich fitter. Später werden drei Viertel der Band auf der Bühne nur Kräutertee trinken. Und das ist Rock'n'Roll? Jedenfalls ist das besser als kurzfristig absagen, das ist nämlich definitiv nicht Rock'n'Roll.

Am nächsten Tag ist große Bettlägrigkeit angesagt. Eine Woche auskurieren bis zum nächsten Gig.

Die Erkenntnis des Tages

Geschrieben von DrNI am Montag, 16. November 2009 um 09:04 in d.E.d.T., Musizieren
Aus einem Kommentar meinerseits bei Karan entstandene Erkenntnis: Wissenschaft ist wie das Spielen von Musik aus einem wenig bekannten Genre. Kaum einer versteht, was man damit bezwecken will und wozu es am Ende gut sein könnte. Reich wird man auch nicht damit. Man hat Gigs Vorträge vor einem sehr kleinen Publikum. Die Definition von Erfolg ist von der Höhe des Einkommens unabhängig.

Erfolg ist, wenn man es gut gemacht hat und es (deswegen) funktioniert hat.

Einzelhandel vs. Versandhandel

Geschrieben von DrNI am Mittwoch, 11. November 2009 um 12:26 in Musizieren
Ein Satz Gitarrensaiten D'Addario EXL110:
Musikhaus Thomann in Burgebrach, Online-Shop: 4,60€
Jimmy's Musikladen in Tübingen, Offline-Shop: 8,20€

Ich habe allerlei Verständnis für die Schwierigkeiten, in diesen Zeiten ein Ladengeschäft zu halten. Aber für diesen Preisunterschied habe ich kein Verständnis mehr. Das ist fast das 1,8-Fache. Wer im Laden Saiten kauft, der braucht in der Regel dringend welche, sonst würde er sie bei dem Preis sowieso online mal mitbestellen (Mindestbestellwert etc.). Jimmy's nutzt solche Situationen gekonnt aus. Saiten mit Praxisgebühr sozusagen.

Nachtrag: Wer die Saiten nicht sofort braucht, der bekommt sie ohne Mindestbestellwert beim Saitenkatalog online für 8,10€ inklusive Versand. Normalerweise sind sie nach zwei Tagen im Briefkasten.

Was manchen Leuten deine Musik wert ist

Geschrieben von DrNI am Sonntag, 1. November 2009 um 03:12 in Rock'n'Roll Backsides
Unser Sänger geht herum und kassiert bei den Leuten, die schon aufgetaucht sind, bevor die Dame mit der Kasse am Eingang postiert war. Ich sitze mit dem Harper daneben. Eine zahlt widerwillig. Als der Sänger weg ist quengelt sie ihre Begleitung an:»Kassieren, wo gibt's denn sowas. Normalerweise ist es immer umsonst, wenn irgendwo Musik ist.« Ich komme nicht umhin, mich zu entrüsten und kläffe rüber: »Dann spiel halt selber wenn es dir nicht passt!« Keine Antwort. Später tanzt sie direkt vor der Bühne gleich beim ersten Stück und versucht, mir ihre Titten ins Gesicht zu schleudern. Dazu setzt sie etwas auf, was sie vermutlich für ein anmachendes Lächeln hält. Ich bin schon tolerant, aber Wasserstoffperoxidblondinen über 50 sind dann doch nicht ganz meine Zielgruppe. Außerdem kucke ich bestimmt fies zurück, weil ich wie viele Musiker komische Gesichtsausdrücke beim Musizieren habe.

Als ich nach dem Abbau einen Tullamore Dew in mich gieße sitzt sie an der Theke. Ganz schön viel Spaß für so wenig Eintritt.

Steckerbelegung Fußschalteranschluss SWR WorkingPro 12

Geschrieben von DrNI am Mittwoch, 28. Oktober 2009 um 09:49 in Bass
Der im Januar von mir besprochene Bassverstärker SWR WorkingPro12 hat ein nettes Feature: Über einen Fußschalter kann man die Funktionen Mute und Bass Intensifier fernsteuern. Während ich den Bass Intensifier weniger interessant finde, ist ein sanftes Mute doch sehr nützlich, es ploppt nicht und dem Tonmann kommt auch nicht das Grausen, weil der DI-Output eben auch keinen Plopp feuert. Alles cool also? Leider nicht. Der Anschluss für den Fußschalter ist ein fünfpoliger DIN-Stecker. Das genau passende Teil dafür gibt es bei Thomann nicht, aber der Fußschalter für den WorkingPro 400 kostet fast 70 Euro. Zu viel für mich als Löter und als Keyboarder, der noch zahlreiche Standard-Fußschalter herumliegen hat. Außerdem gibt es einfache Fußschalter von Lead Foot schon für einen Zehner.

Also habe ich mal mit etwas educated Guessing, einem Multimeter und ein paar Prüfspitzen den Anschluss inspiziert und die Steckerbelegung herausgefunden. Wenn man einen Taster (den wir meist meinen, wenn wir Fußschalter sagen) zwischen Pin 3 und Pin 1 anschließt, dann kann man die Mute-Funktion steuern. Ein Taster zwischen Pin 3 und Pin 5 steuert den Bass Intensifier. Das ist auch schon alles. Ich habe mir dann einen Adapter von fünfpoligem DIN-Stecker auf Klinkenbuchse gelötet, wie er oben abgebildet ist. Die Bauteile gibt es im Handel. Wer den Bass Intensifier auch schalten will, der muss eben zwei Kabel aus dem DIN-Stecker herauskommen lassen. An diesen Adapter kann jeder preisgünstige Keyboard-Fußschalter angeschlossen werden.

Ich habe bewusst darauf verzichtet, die teuren und guten Klinkenbuchsen mit Verriegelung von Neutrik zu verwenden. Mir ist es lieber, wenn beim Zug am Kabel die Klinkenkupplung auseinander geht als wenn die naturgemäß wacklige DIN-Buchse belastet wird.

Viel Spaß beim Nachkochen und Sparen!