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Oh
Frankenberg vergibt ihnen, denn sie wissen nicht, wer sie sind! Ja was ist sie denn, die Universität Tübingen? Wer ist sie? Was will sie? Wo will sie hin? Wo kommt sie her? Nur letzteres scheint sie so in etwa zu wissen, denn irgendwo her kommt man ja immer, da kann man nichts dagegen tun. Vergessen kann man das eine oder andere Detail natürlich in einer 532 Jahre währende Existenz schon mal. Wie's so im Großen und Ganzen gelaufen ist, das weiß man aber schon.
Doch wo es hingehen soll und wer man heute ist, das scheint man nicht so genau zu wissen. Ist auch irgendwie unwichtig. Das ist der Elfenbeinturmismus, den man der Akademie vorwirft, und in so manchem Punkt gibt sie sich diesem mit Lust hin. Zum Beispiel wenn es um Werbung geht. Wenn man sich vorstellt, muss man wissen, wie man heißt. Das könnte noch klappen. Aber wenn man dann ein Produkt verkauft, muss man auch wissen, was man bieten kann und vor allem, in was man besonders ist. Und da hört es auf. Lieber sitzt man herum und wundert sich, dass die kleinen Studiengänge immer kleiner werden. Kein Wunder, kennt sie von den Abiturienten doch niemand. Klar, Englisch oder Deutsch oder Jura oder Betriebswirtschaft, auch Medizin, ja die sind allen ein Begriff. Auch die Pädagogik ist beliebt. Aber zum Beispiel in der Computerlinguistik werden es weniger und weniger. Und nicht nur dort. Die
Statistik verzeichnet unzählige Studiengänge mit unter zehn Studenten. Wie viele von diesen Auslaufmodelle sind, steht da leider nicht.
Die Identitätskrise fängt schon im Grundsatz an: Man hat kein Gesicht. Die Palme als Logo, die hat man. Aber wenn ich nach Vorlagen (LaTeX Documentclasses) für meine Master-Thesis suche, dann finde ich haufenweise welche von ausländischen Unis. Mit deren Logo und deren Style drin und drauf. Hier in Tübingen gibt es zwar eine Stabsstelle für Hochschulmarketing, aber mit einem äußerlich uniformen und damit stark wirkenden Auftritt tut man sich schwer. Jede Abteilung erfindet ihr Rad neu, überall werden Kompetenzen im Layouten neu erworben, meist aus Zeitmangel mehr schlecht als recht. Hiwis werden auf Fortbildungen geschickt, Profis gibt es kaum. Der Unishop bietet solange T-Shirts feil und bestellt Brieföffner um ein Heidengeld, die dann als Präsente an politische Freunde überreicht werden.
Was aus dieser Uni auf Papier oder im Web herausquillt, das hat kein Gesicht. Denn niemand weiß so recht, wie dieses Gesicht aussehen soll. Und einfach was festlegen will auch niemand. Obwohl es dafür genug mächtige Menschen in der Institution gäbe. Und wohin die Reise gehen soll, das weiß auch niemand. Auf die Fahnen geschrieben hat man sich: Nichts. Man möchte weiterhin in seinem Turm sitzen und hoffen, dass man trotz hochnäsiger Abwesenheit in der Öffentlichkeit weiterhin von dieser Gelder bekommt und dass man weiterhin aus dieser Studenten bekommt.
So kann es nicht weitergehen. Hoffen wir, dass die Tübinger die
Stocherstange noch rechtzeitig herumgerissen bekommen. Vor allem was die Anwerbung von Abiturienten angeht. Denn ohne Studenten können wir den Laden dicht machen.
Auch wenn diese von manchen eher als
lästig empfunden werden.