Ficken

Geschrieben von DrNI am Mittwoch, 25. Februar 2009 um 20:59 in Direktsaft, Gebührend studieren
…weil man keine Stelle zu seiner Promotion hat. Oder einfach nur für den Regenwald.

Exmatrikuliert

Geschrieben von DrNI am Mittwoch, 25. Februar 2009 um 10:48 in Gebührend studieren
»Das war's«, sagte sie, sich der Schwere ihrer Worte gänzlich unbewusst. Reichte mir die Bescheinigung und ich wart kein Student mehr.

»Prüfung noch nicht abgeschlossen«,so steht es geschrieben. Jaja, ich mach ja schon.

Das Mathematikverständnis der Werbefuzzis

Geschrieben von DrNI am Dienstag, 17. Februar 2009 um 15:51 in Direktsaft, Gebührend studieren
Schon seit einiger Zeit steht es auf einem Aufsteller in der Mensa und grinst die Schlange der Wartenden an der Essensausgabe an. Das Werbeschild von Aldi Süd. Albrecht Discount sucht Mitarbeiter. Vermutlich sind damit nicht die Opfer gemeint, die an der Kasse meine Eierpackung drängelnd in den Einkaufswagen donnern, weil ich nicht schnell genug nachkomme, sondern Typen mit Krawatten. Dazu haben sich die Webefuzzis von Aldi einen hübschen Spruch ausgedacht:

»Karriere ist eine Gerade«

Leider bin ich auch kein Stern am Himmel der Mathematik. Eher ein Glühwürmchen im Unterholz. Dennoch konnte ich es mir nicht verkneifen, mir ein Bild von der Karriere als Gerade zu machen. Zum Vergleich habe ich mal meine angestrebte Karriere mit aufgemalt:


Der Slogan »Karriere ist eine Gerade« richtet sich laut zugehöriger Site vor allem an zukünftige Manager. Da hoffe ich mal, dass diese beim Managen nicht nur ausschließlich an die Steigung ihrer eigenen Kurve denken. Sonst sieht's für Aldi schlecht aus.

Faktor 14 der Zeit hinterher

Geschrieben von DrNI am Montag, 16. Februar 2009 um 15:23 in Gebührend studieren
Faktor 14 nennt sich ein neues studentisches Projekt an der Uni Tübingen, das noch Autoren sucht. Und noch keine Leser hat. Das Webdesign der Seite entspricht schon mal in etwa dem meiner ersten Gehversuche damals zur Zeit von Netscape Navigator 3.04 Gold. Ob dieses Projekt Potential hat? Wir werden sehen. Den Namen führen die Macher auf die 14 Fakultäten der Universität zurück. Keine sehr zukunftsträchtige Idee, werden diese doch bald – womöglich diesen Sommer – in wenige große Fakultäten zusammengelegt. Eine Frage beantwortet mir deren Webpräsenz jedenfalls nicht: Wenn ich Spaß am schreiben habe, Erfahrung damit sammeln möchte, kein Honorar und keine Credits bekomme und sich auch sonst irgendwie niemand für mein Gsallbahdr interessiert …

… warum mache ich dann nicht einfach ein Blog auf? Oder gleich zwei?

Keine Zeit. Kein Geld.

Geschrieben von DrNI am Montag, 16. Februar 2009 um 14:31 in Gebührend studieren
Die Uhr läuft immer schneller. Ich lese und lese und lese und ab und zu schreibe ich auch. Text oder Code. Die Gedanken sind die meiste Zeit entweder beim Thema oder bei der Panik, nicht rechtzeitig fertig zu werden. Und dann kommt die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und verlangt von mir Geld, obwohl sie sich gerade durchgerungen hat, mir Geld zu geben. Der Antrag hat wieder Monate gebraucht, die Typen beim Bafög-Amt aka Studentenwerk sind nicht die schnellsten. Und Student kann ja beim Schreiben seiner Abschlussarbeit auch mal ein paar Monate ohne Cash auskommen. Der kann ja in der Bib schlafen, muss er keine Miete zahlen… und ist morgens gleich an Ort und Stelle! Oder einfach nachts arbeiten anstatt zu schlafen, schon ist das Geld wieder verdient! Solange möchte die KfW wissen, warum sie mir den anderen Kredit stunden sollen, und überhaupt soll ich doch mal erklären, wovon ich die letzten Monate gelebt habe.

»Das wüsste ich auch gerne!« schreibe ich wörtlich in meinen Brief. Und schicke eine Kopie des Briefs meiner Bank vom Januar mit, in dem mir die Sperrung meines Kontos mitgeteilt und mit Rausschmiss gedroht wird. Ich pumpe mir Kohle von Eltern und Freundin und bettle bei der Bank und man ist so nett und gewährt mir wieder Zugriff auf das, was eh nicht mir gehört. Das Studentenwerk erklärt mir solange, wenn ich die 16€ Bearbeitungsgebühr für die Rücklastschrift begliche, erhielte ich meine 8€ Guthaben von meinem alten defekten Studentenausweis zurück. Kein Geld zu haben ist oft recht teuer.

Nun ist es Februar, die Panik wächst, das Geld schrumpft, meine Sorgen sollten ganz wo anders sein. Gestern auf dem Heimweg von den Eltern sagt die Kasse der Tankstelle: »Zahlung nicht möglich« – diesmal ohne Ankündigung gesperrt.

Und wenn ich noch ein Mal höre »Abschlussarbeit? Ha, die schreibt man halt irgendwo ab«, dann garantiere ich der diesen Unfug absondernden Fresse keine Integrität ihrer Struktur mehr.

Universität ohne Identität

Geschrieben von DrNI am Montag, 9. Februar 2009 um 10:49 in Gebührend studieren, Tübingen
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Oh Frankenberg vergibt ihnen, denn sie wissen nicht, wer sie sind! Ja was ist sie denn, die Universität Tübingen? Wer ist sie? Was will sie? Wo will sie hin? Wo kommt sie her? Nur letzteres scheint sie so in etwa zu wissen, denn irgendwo her kommt man ja immer, da kann man nichts dagegen tun. Vergessen kann man das eine oder andere Detail natürlich in einer 532 Jahre währende Existenz schon mal. Wie's so im Großen und Ganzen gelaufen ist, das weiß man aber schon.

Doch wo es hingehen soll und wer man heute ist, das scheint man nicht so genau zu wissen. Ist auch irgendwie unwichtig. Das ist der Elfenbeinturmismus, den man der Akademie vorwirft, und in so manchem Punkt gibt sie sich diesem mit Lust hin. Zum Beispiel wenn es um Werbung geht. Wenn man sich vorstellt, muss man wissen, wie man heißt. Das könnte noch klappen. Aber wenn man dann ein Produkt verkauft, muss man auch wissen, was man bieten kann und vor allem, in was man besonders ist. Und da hört es auf. Lieber sitzt man herum und wundert sich, dass die kleinen Studiengänge immer kleiner werden. Kein Wunder, kennt sie von den Abiturienten doch niemand. Klar, Englisch oder Deutsch oder Jura oder Betriebswirtschaft, auch Medizin, ja die sind allen ein Begriff. Auch die Pädagogik ist beliebt. Aber zum Beispiel in der Computerlinguistik werden es weniger und weniger. Und nicht nur dort. Die Statistik verzeichnet unzählige Studiengänge mit unter zehn Studenten. Wie viele von diesen Auslaufmodelle sind, steht da leider nicht.

Die Identitätskrise fängt schon im Grundsatz an: Man hat kein Gesicht. Die Palme als Logo, die hat man. Aber wenn ich nach Vorlagen (LaTeX Documentclasses) für meine Master-Thesis suche, dann finde ich haufenweise welche von ausländischen Unis. Mit deren Logo und deren Style drin und drauf. Hier in Tübingen gibt es zwar eine Stabsstelle für Hochschulmarketing, aber mit einem äußerlich uniformen und damit stark wirkenden Auftritt tut man sich schwer. Jede Abteilung erfindet ihr Rad neu, überall werden Kompetenzen im Layouten neu erworben, meist aus Zeitmangel mehr schlecht als recht. Hiwis werden auf Fortbildungen geschickt, Profis gibt es kaum. Der Unishop bietet solange T-Shirts feil und bestellt Brieföffner um ein Heidengeld, die dann als Präsente an politische Freunde überreicht werden.

Was aus dieser Uni auf Papier oder im Web herausquillt, das hat kein Gesicht. Denn niemand weiß so recht, wie dieses Gesicht aussehen soll. Und einfach was festlegen will auch niemand. Obwohl es dafür genug mächtige Menschen in der Institution gäbe. Und wohin die Reise gehen soll, das weiß auch niemand. Auf die Fahnen geschrieben hat man sich: Nichts. Man möchte weiterhin in seinem Turm sitzen und hoffen, dass man trotz hochnäsiger Abwesenheit in der Öffentlichkeit weiterhin von dieser Gelder bekommt und dass man weiterhin aus dieser Studenten bekommt.

So kann es nicht weitergehen. Hoffen wir, dass die Tübinger die Stocherstange noch rechtzeitig herumgerissen bekommen. Vor allem was die Anwerbung von Abiturienten angeht. Denn ohne Studenten können wir den Laden dicht machen.

Auch wenn diese von manchen eher als lästig empfunden werden.

Den Bonner Uniklos geht's beschissen

Geschrieben von DrNI am Samstag, 31. Januar 2009 um 13:30 in Gebührend studieren

Blick aus einem Wohnheim-Fenster (auf Kodak bw400cn)
Eine Bockwurst mit Senf und Brötchen kostet an der Raststätte drei Euro. Was die Wurst in den Cafeten der Uni Bonn kostet, das weiß ich nicht. Eines haben sie dort aber mit den Raststätten gemein: Die Benutzung der Klos kostet Maut. Zumindest soll sie das in Zukunft nach dem Willen des dortigen Senats, nachdem dieser am Widerstand der Studenten gescheitert ist, die Studiengebühren zur Sanierung der Klos zu benutzen. Nun sollen die Klos von einem externen Dienstleister betrieben werden.

Wie wär's mit Sanifair? Da bekommt man für jedes mal Kacken einen 50¢-Verzehrgutschein. Was raus geht muss ja auch irgendwo reinkommen. Geht die Uni Tübingen bald auch nach dem Bonner Vorbild vor? Dann müsste das altgediente Uni-Motto »Attempto!« womöglich bald durch das Sanifair-Motto ersetzt werden:

»Sechs Mal Kacken gibt eine Wurst.«


via Lälles, siehe auch davidp, Ariakan's World, In Limbo.

Alter Sack auf Pump

Geschrieben von DrNI am Donnerstag, 29. Januar 2009 um 12:12 in Gebührend studieren, Gedanken gehen ihren Gang
Ich suche sein Büro. Mehrere Damen und Herren beginnen mit Schuh und enden in macher oder mann. Die letzten Monate meines Studiums, das Geld ist mal wieder knapp, Bafög gibt es nur noch als voll verzinste und voll rückzuzahlende Studienabschlusshilfe. Ich muss persönlich hin, den Kreditvertrag unterschreiben. Da sitze ich und warte im fensterlosen Flur, lese irgendwas, über das ich demnächst schreiben muss oder will. Kurz vor dem Ende noch mal betteln gehen. Den Schuldenhügel doch langsam zum Berg machen. Studium, ein Leben auf Pump, alles was du hast gehört dir irgendwie doch nicht wirklich. Außer dem Zeug in deinem Kopf.

Aus einem der Büros kommt eine Studentin heraus. »Wollen sie auch da rein?« fragt sie mich. »Sie« – nur ein kleiner Stich. Ich fühle mich plötzlich müde und vor allem sehr sehr alt.

Der erste Kapitän verlässt sein Schiff

Geschrieben von DrNI am Mittwoch, 21. Januar 2009 um 18:04 in Gebührend studieren

Golm Campus der Uni Potsdam im Spätsommer 2007
Der Blogona-Prozess und damit die Einführung von Bachelor- und Master-Studiengängen in Europa hat zu großen Umbrüchen in der deutschen Hochschullandschaft geführt. Gerne wird viel gemeckert und nicht alles ist so schlecht, wie manch einer glaubt. Früher bekam man die Prüfungsordnung ausgehändigt und dann hieß es: »Studier!« – und da saß man und wusste gar nichts. Über 20.000 Studenten wuselten um einen herum und hunderte Vorlesungen wurden angeboten und man selbst saß mittendrin, irgendwie doch einsam und vor allem sehr ratlos. Das ist heute besser.

Fast alles andere ist schlechter. Nun hat Professur Marius Reiser schon letzten Oktober angekündigt, seine seit 1991 existierende Professur niederzulegen, weil er so nicht mehr weitermachen will. Sicherlich eine Trotzreaktion, aber auch ein Signal, das durch die Medien doch etliches Gehör bekommt. In der FAZ schrieb er gestern einen langen Artikel, in dem er seine Ankündigung erläutert.
»Irgendwie erinnern die Vorgänge an unseren Universitäten an das, was im 23. Kapitel des Matthäusevangeliums den Pharisäern zum Vorwurf gemacht wird: Sie sieben Mücken aus und verschlucken Kamele; sie reden nur, tun aber selbst nicht, was sie sagen; sie schnüren schwere Lasten zusammen und erlegen sie den Studierenden auf, um dann zu versichern, dass sie aus Liebe zu ebendiesen Studierenden das schwere Joch des neuen Systems tragen wollen. Nur diese Haltung macht es möglich, dass die Universität sang- und klanglos ihrer Selbstauflösung entgegenarbeitet.«
Über die marode Hochschullandschaft in unserem Land habe ich mich ja schon mehrmals ausgelassen, polemisierend gab ich ihr noch 20 Jahre bis zum Untergang oder philosophierte über Humboldts Schleudergang in seinem Grab. Nun bin ich kein Professor und das ist auch gut so, denn sonst wüsste ich das alles viel besser und ich wüsste auch, wie beschissen es wirklich ist. Wer es genauer wissen will: Einfach mal den Artikel des Herrn Reiser lesen.

Und wie recht er hat. Leider. Denn um Bildung geht es nicht mehr. Um Wissenschaft auch nicht mehr. Es geht um Ökonomie. Wie kriegen wir in möglichst kurzer Zeit genau das Wissen in die Köpfe, das die Industrie später mal aus den Köpfen wieder rauszutzeln will? Das ist der einzige legitime Zweck der modernen deutschen Universität. Kreativ ist schon lange keiner mehr. Als Computerlinguist spürt man aber fast täglich, dass es eben genau darauf ankommt. Kreativ können die Computer eben nicht sein. Und wer nichts Neues schaffen kann, der kann auch kein neues Wissen schaffen.

Forschung wird bald nur noch von Firmen gemacht werden, und da auch nur von denen, die es sich noch leisten können. Und natürlich wie immer im Ausland.


via Wissenswerkstatt und BildungsServerBlog.

Bildungsmagazin vs. Uniwelle

Geschrieben von DrNI am Mittwoch, 14. Januar 2009 um 14:07 in Gebührend studieren, Tübingen
Die Universität Tübingen verfügt mit der Uniwelle über ein eigenes Radio. Mittwoch abends und Sonntag morgens sendet die Uniwelle auf der 96,6 im Äther und auf der 97,45 im Tübinger Kabel. Die Ausstattung des Sendestudios kann durchaus als amtlich betrachtet werden. Nun weiß kaum ein Student vom Vorhandensein dieser Institution. Kein Wunder, ist die Zielgruppe des Uniradios doch nicht der Student sondern die größere Öffentlichkeit, die vom universitären Leben mehr erfahren soll. Die Sendungen sind technisch meist auf einem hohen Niveau, inhaltlich dann aber oft so speziell-intellektuell, dass es niemand mehr hören mag. Kurzum, man fragt sich, wer (außer mir) überhaupt regelmäßig zuhört. Hinzu kommt noch die Leiterin des Unternehmens, die mit ihrer Art zu führen und zu leiten leider die durchweg studentischen Mitarbeiter permanent verschleißt.

In einer Stadt, in der es zu allem Normalen jeweils noch etwas geben muss, das sich als alternativ bezeichnet, ist nun das geschehen, auf was ich schon seit Jahren warte: Die Wüste Welle, die auch außerhalb der Uniradio-Sendezeiten die Hoheit über die genannten Frequenzen hat, hat zum Jahresbeginn ihr eigenes Bildungsmagazin ins Leben gerufen. Und das kommt heute wie jeden Mittwoch um 16 Uhr, also genau eine Stunde vor der Uniwelle Kompakt. Dazu gibt es auch eine blogartige Webpräsenz und es wäre zu hoffen, dass es auch ein vernünftiges Archiv gibt, denn das der Uniwelle ist leider unter Betriebssystemen ohne Original-Quicktime nicht zugänglich. Es bleibt spannend, wie sich das Bildungsmagazin entwickeln wird und wie es im Gegensatz zu seiner verstaubten Schwester, der Uniwelle, 2.0-Technologien mit einzubeziehen vermag.

Wie alternativ und »politisch« es dann zugehen wird, darauf bin ich auch gespannt. Wegen mit müsste ja nicht immer alles Alternative auch gleich politisch sein, vor allem weil politisch ja immer weit links bedeutet (rechts-außen ist also nicht politisch?!). Aber besser sollte es sein. Und interessanter.