Wie ist das denn so, wenn man fertig studiert hat? Beim Abitur waren alle gleichzeitig fertig und besoffen. Beim Bachelor so in etwa gleichzeitig, man konnte noch eine Art letztes Besäufnis organisieren. Beim Master wird halt jeder irgendwann fertig, wie beim Diplom auch. Sie tröpfeln so weg. Es gibt zwei Zeitpunkte: Den Tag der Abgabe der Abschlussarbeit und den Tag der letzten Prüfung. Liegen beide Tage hinter einem, dann läuft es so langsam aus, und dann anders. Auch fünf Monate nach der Abgabe habe ich noch keine Note und kein Zeugnis, wohl aber einen Job. Ich bin einfach sitzen geblieben an meinem Schreibtisch im Hiwi-Büro, auf dessen Türschild nun
Mitarbeiterzimmer steht. Nach der Ausbildung von der Firma übernommen.
Die Veränderungen sind eher leise schleichend. Man ertappt sich dabei, die Gruppe seiner Kommilitonen auf einmal als
die Studis zu bezeichnen. Man versucht, nicht mehr als die vier Stunden am Tag zu arbeiten, die man auch bezahlt bekommt, zumindest solange man noch nicht an der Dissertation arbeitet. Meistens klappt das nicht. Man hat mehr Geld als vorher, aber sobald man Bafög zurückzahlen muss relativiert sich das etwas. Die Mensa kostet mehr, der ÖPNV kostet auf einmal mangels Semesterticket tatsächlich, man braucht Versicherungen die vorher über die Familie liefen.
Das Leben ändert sich dann doch: Das Studentenleben kehrt zurück – unter der Woche Saufen und erst Mittags in der Uni auftauchen, das kann schon mal vorkommen. Man macht Urlaub, das erste Mal seit Jahren, wenn auch nur für ein paar Tage. Urlaub heißt auf einmal nicht mehr, etwas zu verpassen, nichts zu lernen und nicht voranzukommen. Urlaub ist einfach nur freie Zeit, die auch noch bezahlt wird. Mit dem kleinen Haken, dass der Urlaub viel weniger lang ist als die Semesterferien. Die umfassen zwar fast die Hälfte eines Jahres, aber man kommt ja zu nichts, denn immer müsste man dringend was tun müssen. So bleibt dann auch als Überbleibsel dem einen oder anderen irgend ein psychosomatisches Wehwehchen. So ein Studium zieht dann eben doch nicht spurenlos am Geist vorüber.
Als Student war man bei einigen Leuten nicht viel wert. Fauler Sack, schafft nix, hat keine Ahnung, kann nicht zupacken. Kurzum ein Taugenichts in den wir Steuergelder pumpen. Sollen diese es so sehen, es wird mir immer gleichgültiger. Nun bin ich also auf dem Weg Doktorand zu sein. Meine früheren Kommilitonen aus der Informatik fangen nun an in Firmen zu sitzen. Bei denen hat sich das mit dem Geld dann doch merklich verändert. Promovieren? Das machen nur die denen nichts anderes übrig bleibt. Wer will schon mit so wenig Kohle dasitzen? Der Erwerb eines Doktortitels ist halt schon eher eine Überzeugungstat.
Für neu beantragte Maßnahmen erlaubt die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) neuerdings die Einrichtung von ganzen Stellen für Doktoranden. Mehr Geld gibt es aber deswegen nicht unbedingt. Nur weniger Stellen.