Monstermegavorlesung im Kupferbau

Geschrieben von DrNI am Mittwoch, 25. November 2009 um 13:18 in Gebührend studieren
Die Organisatoren im wieder besetzten Kupferbau der Uni Tübingen haben Großes vor: Eine 72-stündige Marathonvorlesung mit 72 Dozenten. Gut zwei der drei vollen Tage sind schon gefüllt und sehen recht interessant aus. Das Programm ist online. Die Veranstaltung beginnt heute um 18 Uhr im Hörsaal 21 des Kupferbaus.

Hörsaalbesetzung in Tübingen: Kupferbau geräumt

Geschrieben von DrNI am Donnerstag, 12. November 2009 um 09:22 in Gebührend studieren, Tübingen
Wie das Lokalmagazin der Wüsten Welle berichtet, wurde heute morgen der von Studierenden als Protest gegen die Studienbedingungen besetzte Kupferbau geräumt. Der Kupferbau ist der größte Höörsaalkomplex der Uni im Tal, dort hatten die Protestler seit dem 5. November einen Hörsaal unter Beschlag genommen. Die in den Kommentaren zum Post des Lokalmagazins verlinkten Fotos zeigen eine große Anzahl von »Bullenbussle«. Es ist wohl alles friedlich verlaufen. Zu Räumungen kam es auch schon an anderen der rund 20 Unis in Deutschland, an denen sich derzeit ähnliches abspielt. In einer Debatte gestern Abend, bei der auch Uni-Rektor Bernd Engler anwesend war, stellte sich heraus, dass die Uni 50.000€ Vertragsstrafe zahlen müsste, könnte sie nicht wie geplant den Kupferbau am Samstag an die SWR3-Partynacht vermieten. Bevor man sich diesen finanziellen Schmerzen aussetzt lässt man doch lieber die Bude räumen. (Zu dieser Partynacht kann man nur sagen: Ich bin froh, dass ich an dem Abend nicht in der Stadt bin. Tausende besoffene Kinder, die in akustisch dafür nicht ausgelegten Unigebäuden Gruselmusik aus der Dose über sich ergehen lassen, sowie zahllose Kneipen, in denen oft recht belanglose Coverbands ihr Programm runterreissen. Eintritt kostet es auch.)

Von einer Strafanzeige gegen die Besetzer möchte die Uni-Leitung absehen, allerdings hat Rektor Engler gestern ein Hausverbot für die Besetzer ausgesprochen. Sollte das Hausverbot für länger gelten, so wäre das natürlich ziemlich schlecht. Wie sollten die Besetzer denn dann weiterstudieren?

Live gibt es das ganze bei Twitter unter @tuebingenbrennt.

Nachtrag 14.11.: Der Sender SWR3 schreibt in einer Pressemitteilung: »SWR3 legt größten Wert auf die Feststellung, dass die Räumung des Hörsaales in Tübingen die alleinige Entscheidung der Universität war. […] Gerüchte über eine angebliche Vertragsstrafe für die Universität, falls der Saal am Samstag für die Party nicht genutzt werden könne, entbehren jeglicher Grundlage.« Stillschweigend sind auch die Infos über die 50.000 Euro an diversen Ecken aus dem Netz verschwunden. Im Lokalmagazin hieß es ursprünglich: »Die Universität hat für das kommende Wochenende den Kupferbau für die “SWR3-Partynacht” an den öffentlich-rechtlichen Sender vermietet und muss bei Nichteinhaltung des Vertrags nach Informationen aus den Kreisen der BesetzerInnen eine Vertragsstrafe in Höhe von 50.000€ befürchten.« Jetzt steht dort: »Die Universität hat für das kommende Wochenende den Kupferbau für die “SWR3-Partynacht” an den öffentlich-rechtlichen Sender vermietet und muss bei Nichteinhaltung des Vertrags nach Informationen aus den Kreisen der BesetzerInnen eine Vertragsstrafe befürchten. Der SWR allerdings eine Verantwortung in einer Stellungnahme konsequent ab.«

Uni Tübingen: Hörsaal besetzt

Geschrieben von DrNI am Samstag, 7. November 2009 um 10:37 in Gebührend studieren, Tübingen

Morgenstellen-Campus der Uni Tübingen, Mai 2007
Lange ist es her, dass ich hierzublog über Studienbedingungen und -gebühren lamentiert habe. Mittlerweile hat sich die Situation ja nochmals verschlechtert, da durch die Geschwisterregelung ein großer Teil der Einnahmen aus den Studiengebühren ersatzlos ausgefallen ist. (Wer zwei Geschwister hat, muss nicht oder nicht für alle Semester bezahlen.) Die Studierenden scheinen alles mitzumachen. Was will man auch tun, man will ja einen Abschluss und möglichst schnell wieder raus aus dieser Hochschule, in der nicht mal die zentrale Notenverwaltung (das sog. Campus-System) überhaupt funktioniert.

Doch nicht alle machen alles mit. Gegen Studiengebühren, für einen Asta, der auch was zu sagen hat. Gegen Zugangsbeschränkungen. »Bildung für alle!« So eine Auswahl aus den Stichworten der Truppe, die einen Hörsaal im Kupferbau, dem größten Hörsaalkomplex der Tübinger Uni, besetzt hält. Im Detail erklären das Rafaela und Fabian in einem Interview im Lokalmagazin. Wer also nicht so recht weiß, warum man einen Hörsaal besetzt hält und was das alles soll, der sollte da dringend mal reinhören. Einen relativ informativen Artikel gibt es auch im Reutlinger Generalanzeiger. Das in Tübingen ansässige schwäbische Tagblatt arbeitet weiter an seinem Abstieg in der regionalen Zeitungsliga und hat nichts zum Thema online.

Ich habe ja nun die Seiten gewechselt und bin Mitarbeiter eben dieser Universität. Nicht in allen Punkten kann ich mit den Bildungsaktivisten übereinstimmen, aber dennoch ist der Tenor unter den Dozenten oft mehr im Einklang mit den Forderungen als viele Außenstehende vermuten würden. In der Schule ist der Lehrer der Feind. An der Uni sollte das Ideal sein, dass Studenten und Dozenten gemeinsam einen guten Unterricht gestalten. Doch in Seminaren mit fast 100 Teilnehmern in den Massenfächern ist das natürlich schon lange nicht mehr drin. Das stört eben nicht nur die Lernenden sondern auch die Lehrenden.

Massenveranstaltungen sind nur einer von vielen Punkten. Ich sollte wohl hier mal wieder eine saftige Polemik zur Gesamtproblematik loswerden. Aber vorerst bin ich gespannt, was aus der Hörsaalbesetzung in den nächsten Tagen noch wird.

Bezahlt weiterstudieren

Geschrieben von DrNI am Mittwoch, 9. September 2009 um 11:13 in Gebührend studieren
Wie ist das denn so, wenn man fertig studiert hat? Beim Abitur waren alle gleichzeitig fertig und besoffen. Beim Bachelor so in etwa gleichzeitig, man konnte noch eine Art letztes Besäufnis organisieren. Beim Master wird halt jeder irgendwann fertig, wie beim Diplom auch. Sie tröpfeln so weg. Es gibt zwei Zeitpunkte: Den Tag der Abgabe der Abschlussarbeit und den Tag der letzten Prüfung. Liegen beide Tage hinter einem, dann läuft es so langsam aus, und dann anders. Auch fünf Monate nach der Abgabe habe ich noch keine Note und kein Zeugnis, wohl aber einen Job. Ich bin einfach sitzen geblieben an meinem Schreibtisch im Hiwi-Büro, auf dessen Türschild nun Mitarbeiterzimmer steht. Nach der Ausbildung von der Firma übernommen.

Die Veränderungen sind eher leise schleichend. Man ertappt sich dabei, die Gruppe seiner Kommilitonen auf einmal als die Studis zu bezeichnen. Man versucht, nicht mehr als die vier Stunden am Tag zu arbeiten, die man auch bezahlt bekommt, zumindest solange man noch nicht an der Dissertation arbeitet. Meistens klappt das nicht. Man hat mehr Geld als vorher, aber sobald man Bafög zurückzahlen muss relativiert sich das etwas. Die Mensa kostet mehr, der ÖPNV kostet auf einmal mangels Semesterticket tatsächlich, man braucht Versicherungen die vorher über die Familie liefen.

Das Leben ändert sich dann doch: Das Studentenleben kehrt zurück – unter der Woche Saufen und erst Mittags in der Uni auftauchen, das kann schon mal vorkommen. Man macht Urlaub, das erste Mal seit Jahren, wenn auch nur für ein paar Tage. Urlaub heißt auf einmal nicht mehr, etwas zu verpassen, nichts zu lernen und nicht voranzukommen. Urlaub ist einfach nur freie Zeit, die auch noch bezahlt wird. Mit dem kleinen Haken, dass der Urlaub viel weniger lang ist als die Semesterferien. Die umfassen zwar fast die Hälfte eines Jahres, aber man kommt ja zu nichts, denn immer müsste man dringend was tun müssen. So bleibt dann auch als Überbleibsel dem einen oder anderen irgend ein psychosomatisches Wehwehchen. So ein Studium zieht dann eben doch nicht spurenlos am Geist vorüber.

Als Student war man bei einigen Leuten nicht viel wert. Fauler Sack, schafft nix, hat keine Ahnung, kann nicht zupacken. Kurzum ein Taugenichts in den wir Steuergelder pumpen. Sollen diese es so sehen, es wird mir immer gleichgültiger. Nun bin ich also auf dem Weg Doktorand zu sein. Meine früheren Kommilitonen aus der Informatik fangen nun an in Firmen zu sitzen. Bei denen hat sich das mit dem Geld dann doch merklich verändert. Promovieren? Das machen nur die denen nichts anderes übrig bleibt. Wer will schon mit so wenig Kohle dasitzen? Der Erwerb eines Doktortitels ist halt schon eher eine Überzeugungstat.

Für neu beantragte Maßnahmen erlaubt die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) neuerdings die Einrichtung von ganzen Stellen für Doktoranden. Mehr Geld gibt es aber deswegen nicht unbedingt. Nur weniger Stellen.

Die Romantik des Studierens (5)

Geschrieben von DrNI am Mittwoch, 22. April 2009 um 12:27 in Gebührend studieren
(Auch wenn es vorbei ist…)


So sah der Ausblick meines letzten Winters aus. Fast täglich – oder nächtlich.


Mehr Romantik: i--;

Vorbei

Geschrieben von DrNI am Dienstag, 14. April 2009 um 13:43 in Gebührend studieren
Das war's nun wirklich. Master's Thesis in dreifacher Ausfertigung abgegeben, vom Herrn Professor bestätigen lassen, dass es reicht, vorläufiges Zeugnis ausstellen lassen, finale Version vom Arbeitsvertrag unterschrieben, Eisbecher reingeschoben. So vieles gäbe es zu berichten, ein Abschnitt manifestiert sich, Rückblick auf die Monate des Brütens, auf 2,5 Jahre Master, 3 Jahre Bachelor, 1 Jahr des Versuchs in der Informatik. Doch vorerst einfach nur ein leerer Kopf in den die Müdigkeit der letzten Wochen fällt.

Erster Arbeitstag: Morgen. Naja. Halbe Stelle, halbes Geld, und vor allem: halber Tag frei.

Die nächste Arbeit wird noch etwas länger.

Tag X-1

Geschrieben von DrNI am Montag, 13. April 2009 um 17:47 in Direktsaft, Gebührend studieren
Der Farbdrucker vom Boss spuckt vor sich hin. Ostern: Ausgefallen. Gefühl im Gehirn wie Messner in den Beinen auf dem Everest. Nun noch die CD mit den über 10.000 Zeilen Code ein bisschen aufpolieren. Und morgen dann ein Eisbecher.

Bafög-Hotline (2)

Geschrieben von DrNI am Freitag, 6. März 2009 um 16:42 in Gebührend studieren
Heute wieder angerufen, diesmal nach geduldigem Konsum hirnloser Pausenmusik dann doch noch einen sogenannten Berater an die schnurlose Strippe bekommen. Der Hotliner ist cool. So cool, dass er meine Aussage »ich habe kein Geld bekommen« zunächst nicht versteht. »Und was wollen sie jetzt von mir?« fragt er zunächst. Doch dann wird er noch cooler. Ja, das könne drei bis vier Wochen dauern, bis so ein Vertrag bearbeitet sei. Zusammen mit den Schlafmützen vom Studentenwerk macht das also eine Maximaldauer von fünf Monaten zwischen einem Antrag auf Studienabschlusshilfe und dem Eingang einer Zahlung. Der Bearbeitungszeitraum für die Abschlussarbeit, in dem auch die mündliche Prüfung liegen muss, ist nach unserer Prüfungsordnung vier Monate lang.

Ich sollte am Montag wieder anrufen. Da seien auch die Sachbearbeiter im Haus. Schön, ich hänge hier als fauler Student mit meinem Chef und Betreuer lange freitagnachmittägliche Stunden in Meetings herum und wir tüfteln an Zeugs für Forschungsanträge und unsere Hirne rauchen, und die machen einfach den Mittag frei und scheren sich einen feuchten Furz darum, dass ich finanziell auf dem Trockenen sitze.

Bafög-Hotline (1)

Geschrieben von DrNI am Donnerstag, 5. März 2009 um 19:53 in Gebührend studieren
Seit drei Monaten weiß ich nicht mehr so genau, wovon ich lebe. Bafög als Studienabschlusshilfe beantragt, den Kreditvertrag mittlerweile unterschrieben, lang lebe die Neuverschuldung. Doch Geld kam nun zum März auch wieder keines. Hotline angerufen. Teure Pausenmusik bei der KfW… falls ich nicht einverstanden sei, dass mein Gespräch zum Zwecke der Verbesserung ihrer Dienstleistungen aufgezeichnet werde, so solle ich das gleich zu Beginn sagen. Doch ein Beginn eines Gesprächs findet nicht statt. Nach einer Weile rät mir die freundliche Automatenstimme, ich solle später anrufen. Ich rufe später an. Die Automatenstimme liest mir die Dienstzeiten der Hotline vor. Das tut sie natürlich nur, solange die Hotline keine Dienstzeiten hat.

Da sitze ich nun, und frage mich, ob denen eigentlich klar ist, in welche Scheiße sie ihre Kunden (ja, ich zahle ja schließlich deftig Zinsen) reiten, die von der KfW mit ihrem Schlendrian und ihrer Schludrigkeit. Die mit ihren Komplizen vom Bafög-Amt aka Studentenwerk, die schon zwei bis vier Monate brauchen, um einen Antrag überhaupt zu bearbeiten. Monate, in denen die Banken die Konten sperren, die Vermieter sauer werden, Eltern und Freunde angepumpt werden, oder das Studium weit hinter einen Nebenjob zurücktreten muss.

Aber wozu die Aufregung, das sind ja alles nur faule Studenten. Die haben nichts besseres verdient.

Ficken

Geschrieben von DrNI am Mittwoch, 25. Februar 2009 um 20:59 in Direktsaft, Gebührend studieren
…weil man keine Stelle zu seiner Promotion hat. Oder einfach nur für den Regenwald.