Frau Dipl. Pros. Emma X.

Geschrieben von DrNI am Freitag, 3. November 2006 um 09:15 in Direktsaft, Gebührend studieren
Die Wildwest-Presse berichtet heute in einem online nur gegen Cash zugänglichen Artikel: In Frankreich arbeiten ca. 40 000 Studenten als Prostituierte. (Das Blatt verwendet dabei die männliche Form, schreibt aber, die meisten von ihnen seien Frauen.) Die Kunden würden überwiegend über das Internet gewonnen, heißt es weiter. Dann verliert sich der Artikel in Kuriositäten.

So weit ist es schon gekommen? Wo ist deren Moral? Ich spare mir das konservative Gedöns, Moral ist schon lange out. Wenn man sich mal die großen Firmen anschaut, die betrügen jeden mit links weil sie die größere Rechtsabteilung haben. Es gibt wahrhaft moralisch Verwerflicheres als die Nutzung seiner Geschlechtsorgane zu vermarkten. Es ist jedoch stark zu bezweifeln, daß die Anbieterinnen zu 100% glücklich sind mit diesem Geschäft. Und irgendwie ist es auch schade und gänzlich unromantisch, wenn Sex nicht mehr die körperliche Seite der Liebe zwischen Partnern ist sondern ausschließlich den Zweck hat, das Studium zu finanzieren.


Ein kleiner Besuch bei Tante Google zeigt, daß die Wildwest-Presse nur etwas aufgeschnappt hat, das in Frankreich gerade Thema ist. Losgetreten hat das vermutlich ein Artikel im Le Figaro. Dort ist auch zu lesen, daß die hohen Mieten mit eine Ursache von dieser speziellen Wahl des Nebenjobs seien. Weiterhin ist zu lesen, daß mehr als 45 000 Studierende in Frankreich in Armut leben. 225 000 haben Probleme mit der Finanzierung ihres Studiums. Und zu guter letzt werden die Studierenden selbst hier verarscht: Die meisten angebotenen »Studentinnen« seien gar keine echten, so vermutet die Brigade de Régression du Proxénétisme. Hier machen wohl die professionellen Anbieter den Damen von der Uni das Geschäft streitig.

Zurück nach Deutschland: Amüsant anzuschauen wären die Gesichter unserer mit moralischen Werten überfüllten schwarzen Bildungspolitiker, wenn ihnen klar würde, daß sie mit ihrer Studiengebühr die Prostitution fördern. Noch amüsanter würden die Gesichter, wenn die Vierbuchstabenzeitung herausbrächte, Herr Frankenberg habe sich überwiegend mit Studentinnen »zum Essen« (Ménage à trois?) verabredet.

Denn die Doppelmoral ist immer noch die beste Moral.


Uplink: Durch die internationale Blogosphere zieht der Artikal des Le Figaro schon seine Kreise. Die meisten scheinen das witzig zu finden. Morgen wird dann wohl SpON berichten.

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Kommentare
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Ja bald wird einem nichts anderes übrig bleiben. Irgendwann drehen dann die Filmstudis nebenbei Pornos und verkaufen die dann an der Uni. Ich seh schon die Spammails: "Willst du deine Kommolitonin nackt und tabulos erleben?". ;-)

Das haben wir jetzt von unserem "Rational Choise".
#1 Jens (Homepage) am 03.11.2006 18:45 (Antwort)

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