Uni Tübingen: Hörsaal besetzt

Geschrieben von DrNI am Samstag, 7. November 2009 um 10:37 in Gebührend studieren, Tübingen

Morgenstellen-Campus der Uni Tübingen, Mai 2007
Lange ist es her, dass ich hierzublog über Studienbedingungen und -gebühren lamentiert habe. Mittlerweile hat sich die Situation ja nochmals verschlechtert, da durch die Geschwisterregelung ein großer Teil der Einnahmen aus den Studiengebühren ersatzlos ausgefallen ist. (Wer zwei Geschwister hat, muss nicht oder nicht für alle Semester bezahlen.) Die Studierenden scheinen alles mitzumachen. Was will man auch tun, man will ja einen Abschluss und möglichst schnell wieder raus aus dieser Hochschule, in der nicht mal die zentrale Notenverwaltung (das sog. Campus-System) überhaupt funktioniert.

Doch nicht alle machen alles mit. Gegen Studiengebühren, für einen Asta, der auch was zu sagen hat. Gegen Zugangsbeschränkungen. »Bildung für alle!« So eine Auswahl aus den Stichworten der Truppe, die einen Hörsaal im Kupferbau, dem größten Hörsaalkomplex der Tübinger Uni, besetzt hält. Im Detail erklären das Rafaela und Fabian in einem Interview im Lokalmagazin. Wer also nicht so recht weiß, warum man einen Hörsaal besetzt hält und was das alles soll, der sollte da dringend mal reinhören. Einen relativ informativen Artikel gibt es auch im Reutlinger Generalanzeiger. Das in Tübingen ansässige schwäbische Tagblatt arbeitet weiter an seinem Abstieg in der regionalen Zeitungsliga und hat nichts zum Thema online.

Ich habe ja nun die Seiten gewechselt und bin Mitarbeiter eben dieser Universität. Nicht in allen Punkten kann ich mit den Bildungsaktivisten übereinstimmen, aber dennoch ist der Tenor unter den Dozenten oft mehr im Einklang mit den Forderungen als viele Außenstehende vermuten würden. In der Schule ist der Lehrer der Feind. An der Uni sollte das Ideal sein, dass Studenten und Dozenten gemeinsam einen guten Unterricht gestalten. Doch in Seminaren mit fast 100 Teilnehmern in den Massenfächern ist das natürlich schon lange nicht mehr drin. Das stört eben nicht nur die Lernenden sondern auch die Lehrenden.

Massenveranstaltungen sind nur einer von vielen Punkten. Ich sollte wohl hier mal wieder eine saftige Polemik zur Gesamtproblematik loswerden. Aber vorerst bin ich gespannt, was aus der Hörsaalbesetzung in den nächsten Tagen noch wird.

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Aufgenommen: Nov 12, 09:24

Kommentare
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Der totale Abbau aller Zugangsbeschränkungen lässt sich mit dem Wunsch nach heimeligen kleinen Lehrveranstaltungen halt leider nur schwer vereinbaren...
#1 mawa (Homepage) am 07.11.2009 17:43 (Antwort)
Wohl wahr. Es ist auch die Frage, ob man das wirklich will. Zugangsbeschränkungen können auch den Kandidaten helfen, nicht was anzufangen, was sie von vornherein nicht schaffen. Zumindest wenn die Kriterien/Tests gut gemacht sind, was eine sehr schwierige Aufgabe ist.

Durch das Studium Bolognese ist leider ein »Herumstudieren« u.U. mit größeren Schwierigkeiten verbunden. Leute während des Studiums auszubremsen (wie es im Diplom Tradition hat) geht damit fast gar nicht. Wir müssten also erst wieder ein Stück Bolognese abschaffen.

Was ja wohl auch passieren soll, wenn auch noch keiner weiß, wann. Stichwort vierjähriger Bachelor.
#1.1 DrNI am 07.11.2009 18:07 (Antwort)

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