Galoschenroman

Geschrieben von DrNI am Sonntag, 30. August 2009 um 15:36 in Direktsaft, Gedanken gehen ihren Gang
Schuhe. Vor vielen Jahren saß der C. mal in einem Kajak und die damalige Gefährtin und ich schwommen im damals in meinem Besitz befindlichen Zweier-Faltboot daneben. Erstgenannter hatte sich schon etwas am Tetrahydrocannabinol gütlich getan, die Mittagssonne strahlte nahezu schon atomar und auch die nüchternen Gehirne dampften unter den Sonnenhüten mit großer Freude. In der Hand hielt der C. einen Schuh, der ihm soeben ins Wasser gefallen war. Anlässlich des Nichtuntergangs von ebendieser Gehhülse geriet der Gute ins Schwärmen. Es erfolgte ein Vortrag, wo er mit diesem Schuh schon überall gewesen sei, was dieser Schuh schon alles erlebt habe, ja wie seine Stahlkappe ihn immer beschützt habe. Damals waren Stahlkappenschuhe bei punkverwandtem Style gerade sowieso in, aber dem Guten taten die auch im Job gut. Und nicht mal untergehen würden die, eine Pracht, so schwadronierte er weiter. Zur Demonstration warf er den Schuh erneut ins Wasser, wo dieser mit einem leisen Gurgeln in der Tiefe verschwand.

Ich weiß nicht mehr, welches Schuhwerk ich damals dabei hatte, aber die Vermutung liegt nahe, dass es die Lowa Trekker waren. Gestern habe ich mir ein neues Paar gekauft, wieder Lowa Trekker, nun zum dritten Mal. Nicht gerade die Eleganz in Schuh, aber so fünf Jahre hält mir so ein Paar dann schon durch, auch wenn ich sie im Winter jeden Tag trage. Als ursprünglich auf dem Lande aufgewachsener Mensch liegt mir untaugliche Ausrüstung im Alltag einfach nicht. Wenn eine Pfütze kommt oder ein Regenschauer, das Material muss das mitmachen und für mich da sein. Da muss die Eleganz dann hinten anstehen. Nächste Woche geht es ein bisschen ins Mittelgebirge mit den neuen Trekkern. Die alten bleiben wie ehedem meine Bühnenschlappen. Bequem ausgelatscht wie sie sind erlauben sie stundenlanges Stehen mit dem schweren Fünfsaiter auf der Schulter, geben aber immer noch genug stabilen Halt, um beim Auf- und Abbau ranzuklotzen.

An Schuhen erkenne man das wahre Ich der Leute, so sagt man. Auch ich kucke den Leuten auf die Schuhe. Natürlich und männlich gegeben fällt nicht der erste Blick dort hin, aber man erkennt doch viel einer Einstellung. Zum Beispiel, ob Frauen bereit sind, sich für das Gefühl der Eleganz mit Blasen zu quälen. Die Art der Schuhe sagt etwas aus über Prioritätensetzung. Unbequem, gefährlich und manchmal sexy wie ein Stöckelschuh, durchgelatscht und ungepflegt wie ein Zehenkäse züchtender Turnschuh, oder doch lieber fest und sicher und irgendwie leicht unästhetisch wie ein Trekkingschuh? Die Möglichkeiten sind grenzenlos. Was möchte uns diese Outdoor-Sandale sagen, mit der man outdoor sofort über die Kieselchen in den Schlappen fluchen würde? Was ist die Botschaft hinter den befransten Cowboystiefeln, die noch nie in den harten hölzernen Steigbügeln eines Western-Sattels auf dem Quarter Horse in den Sonnenuntergang geritten sind? Und selbst der Nichtschuh ist ein Statement. Der Weg zurück zur Natur führt über den viel zu heißen Asphalt und sowohl Haar als auch Nägel sollten ab und zu gekürzt werden.

Aber eigentlich ist es mir egal was die Leute denken, wenn sie mir auf die Schuhe glotzen. Und im Sommer und in der City hab nicht mal ich die Trekker an.

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