Maruszczyk Frog Beta 5 Custom

Geschrieben von DrNI am Sonntag, 5. Juli 2009 um 16:09 in Bass
Angefangen mit einem billigen Johnson, weitergemacht mit einem Ibanez Soundgear, dann mit ein paar Ausrutschern gelandet bei einem Harley Benton HBB5000 Edelbass, der in den letzten Jahren bis zum Anschlag gepimpt wurde. Doch der Weisheit letzter Schluss ist ein Harley Benton auch in Vollpimpung nicht, es fehlte an genügend Knurr und E- und H-Saite zeigten sich etwas schwammig, wenngleich auch viel besser als im Original. Ich machte mich auf die Suche nach einem weiteren Pferd im Stall, doch auch renommierte Läden brachten nur marginalen Erkenntnisgewinn. Leider wird man in vielen Läden auch dann noch irgendwie stiefmütterlich und von oben herab behandelt, wenn man im Begriff ist, bis zu 1500€ auf die Theke zu legen.

Schon vor einem Jahr war ich auf Public Peace Productions gestoßen, die Firma von Adrian Kuban-Maruszczyk, die nicht nur einige polnische Marken in Deutschland vertreibt, sondern unter dem Namen Maruszczyk Instruments auch eigene Bässe im Programm hat. Das nobelste Modell, der Frog Omega Signature, ist auch bei Gadu Gadu zu hören – gespielt vom Meister selbst. Soundland in Fellbach hatte eine sehr kleine Auswahl an diesen Bässen, der lokale Bassguru war aber nicht sehr gesprächig darüber. Also schickte ich Adrian eine Mail mit ein paar Fragen und es entsponn sich eine kleine freundliche Korrespondenz. Dabei ist es wirklich erwähnenswert, dass Adrian sich um alle Sorgen und Wünsche direkt kümmert und dabei genau den Service bietet, den man in großen wie kleinen Musikläden selten findet.

Zeit zog ins Land und irgendwann war ich der vagen Sucherei überdrüssig und mittlerweile hatte Adrian seine Vorführmodelle von der Musikmesse im Online-Shop. Kurzerhand entschied ich mich, mir einen Frog zur Ansicht schicken zu lassen. Das hatte Adrian so vorgeschlagen, er könne ja einfach mal was schicken. Ein Fünfsaiter sollte es werden, der Frosch war schon im Soundland recht angenehm vom Handling her. Vielversprechend war das Custom Modell mit aktiven EMG-Pickups und Noll Dreiband-Elektronik. I did the deed, und da kam das Paket, ein bemerkenswert geiles Gigbag von Canto dabei und ein richtig guter Gurt. Zunächst hatte sich auf unerklärliche Weise was verstellt, aber mit einer vorsichtigen Benutzung der beiden Halsspannstäbe war gleich alles in Butter. Das Ding also an den SWR Heizlüfter geklemmt und aufgedreht und… Boaarr ey Alter ey!

Vom Hals her etwas dicker als der Benton. Die Maruszczyk-Saiten garantieren, dass man den Sound auch beim Saitenwechsel behalten kann und spielen sich angenehmer als die bisher von mir benutzten D'Addarios. Leider klingen sie auf meinem Benton überhaupt nicht gut. Die Korpus-Form bezeichnet Adrian schlicht als »optimal«. Mir gefällt sie auch sehr gut. Beim Spielen fällt sie eigentlich gar nicht auf, für mich ein Zeichen, dass sie gut gewählt ist. Optisch muss man sie mögen, was ich tue und was meinen Hang zum Individualismus unterstützt. Durch die Bank ein nobles Gerät, ohne protzig zu sein. Das Handling lässt sich mit der Einzelreiter-Bridge und den zwei Spannstäben allen Wünschen anpassen.

Sound ist eine schwierige Sache. Seit meinem Ausflug zu Station Music weiß ich, dass auch teuerste Bässe einen Sound haben können, den ich gruselig finde. Es ist also Geschmackssache. Der Frog klingt über einen SWR-Amp dezent knurrig aber nicht rotzig-knurrig. Tiefenfundament ist kein Problem. H- und E-Saite haben Definition. Mittig hat der Frog einen nasalen »Knöök«, der auf dem Hals-Pickup einen wundervollen Sound zum Poppen liefert, auf dem Bridge-Pickup lässt sich bei abgedrehten Höhen ein sehr individueller, leicht kontrabassiger Sound erzeugen. Beide Pickups zusammen geben einen eher braven aber noch durchsetzungsstarken Ton, der sich im Bandgefüge zumindest bei uns gut integriert. Mit der Dreiband-Elektronik kann man einiges machen. Diese Elektronik ist zusammen mit den zwei aktiven EMG-Humbuckern übrigens das »Custom« in meinem Frog Beta: Normalerweise gibt's beim Frog Beta die JM-Bestückung mit 2-Band-Elektronik.

Ich habe also den Bass nicht wieder zurückgeschickt. Nicht ganz glücklich war ich zunächst über die paar kleineren Dings und Dongs im Lack, die das Messe-Vorführmodell mitbrachte. Dann rechnete ich den geschätzten Neupreis ohne Messe-Rabatt aus und wurde zufrieden. Der geschätzte Kollege R. kam auch zum Testen vorbei, fing kurzentschlossen das Sabbern an und landete mit einem viersaitigen Elwood L, einer Maruszczyk-Weiterentwicklung J-Konzepts, seinen persönlichen Traumbasstreffer. Ebenfalls um einiges reduziert, da von der Messe.

Mittlerweile habe ich mit meinem Frog schon diverse Gigs gespielt und viele Stunden im Musikzimmer verbracht. Die Faszination hat noch nicht nachgelassen. Wer also einen frischen und frechen Bass mit Star-Qualitäten aber ohne Star-Allüren sucht, der sollte Adrian mal eine Mail schreiben. Doch Vorsicht: Steht so ein Frog einmal im eigenen Wohnzimmer, dann will er auch da bleiben!


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Aufgenommen: Aug 25, 19:20

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