Die Geschichte meines Harley Basstelton

Geschrieben von DrNI am Sonntag, 3. Mai 2009 um 16:45 in Bass
Eine kleine Vorgeschichte: Im Spätsommer 2005 ergab es sich, dass die geschätzte Gefährtin und meine Wenigkeit sich in einem Dörflein namens Treppendorf einfanden, seines Zeichens Teilort von Burgebrach. Diese Gemeinde mit nur wenigen Seelen wäre wohl heute gänzlich ausgestorben und sowieso unbekannt, wäre da nicht das nach eigenen Angaben größte Musikhaus Europas beheimatet, auch bekannt als Thomann. Nun war diesem Ausflug – der eigentlich ein Abstecher einer Urlaubsreise war – eine seltsame Liebschaft vorausgegangen, nämlich die zu einem Harley Benton HBB5000 Edelbass (hier gibt es eine Art Datenblatt der Fretless-Version). Es war so etwas wie eine Brieffreundschaft, denn gesehen hatte man sich ja noch nie, außer auf Fotos. Auch eine Review in Gitarre & Bass war studiert worden und so war es keine Überraschung, dass der Urlaub mit dem Erwerb dieses nobel ausschauenden Fünfsaiters quasi endete. Anzumerken ist noch, dass ich bei Thomann nicht das besichtigte Instrument erhielt, sondern ein frisches aus dem Lager.

Profil: Der Harley Benton HBB5000 ist ein Fünfsaiter mit Edelbass-Look, die verwendeten Materialien sind Mahagoni (Korpus) und Bubinga (Decke und Kopfplatte) sowie Mahagoni und Ahorn (für den durchgehenden Hals). Die Hardware ist in Mattchrom gehalten, auch bekannt als silber-metallic. Zwei Asia-Humbucker feuern in eine Asia-Elektronik mit dem üblichen Zeug (Höhen, Tiefen, Überblendregler, Lautstärke). Vom Grundsound her ist der Benton mehr tief und breit und wuchtig als knurrig und luftig.

Unfreiwillige Pimpung Nr. 0: Das Exemplar aus dem Lager hatte einen defekten Balance-Regler. Ich beschwerte mich bei Thomann, schlug vor, sie mögen mir das Teil einfach schicken, da es billiger sei als der Versand des ganzen Instruments. Das taten sie und ich baute das neue Teil ein, funktionierte dann tadellos.

Pimpung Nr. 1: Dummerweise kam der HBB5000 schon Ende 2005 den in den Reviews erzeugten Erwartungen dann doch nicht so nach. Das lag natürlich auch an meinem nicht gerade brillianten Amp, einem Trace Elliot BLX-80 ohne Hochtöner. Als ersten Schritt hatte ich gute Saiten von D'Addario draufgemacht, aber da hörte man keinen Unterschied. Aber ich war jung und blöd und hatte das Geld, also kaufte ich dem Benton erst mal ein paar schnuckelige Pickups von Delano aus der SBC-Serie. Ganz normale Soapbars. Da ich den Equalizer überflüssig fand und die Asia-Elektronik mir nicht vertrauenswürdig schien, baute ich das Ding kurzerhand aus. Das Adrenalin schob kräftig als ich mit verschiedenen Bohrern im Elektronikfach herumfuhrwerkte um Platz zu schaffen für zwei Drehschalter, die beide Pickups in Single Coil, Humbucker, und Parallelbetrieb umschalten sollten. Dann fehlte noch eine Elektronik. Der heutige Mitbewohner T. entwarf aus dem Kopf einen Preamp, den ich auf Lochrasterplatine umsetzte. Passte gerade so rein. Funktionierte aber super. Das Problem war der passive Überblendregler für die Pickups, der in Mittelstellung so leise war, dass wir die Verstärkung bis zu einem deutlichen Rauschen aufdrehen mussten – in den Seitenstellungen aber so laut, dass der Preamp zum Verzerrer wurde. Diese Probleme sollten einige Jahre ungelöst bleiben.


Die unfreiwillige Pimpung Nr. 2: Im Juli 2007 fielen diese kleinen netten Plastik-Dichtungsringe aus den Mechaniken. Sie waren von einer Kante an den Federringen aus Metall direkt darüber buchstäblich durchgefressen worden. Ich reklamierte und erhielt vom kundenfreunlichen Thomann neue Plastikringe kostenlos zugesandt.

Die halbfreiwillige Pimpung Nr. 3: Ein weiteres Jahr zog ins Land, ich spielte das Instrument oft, in guten Zeiten täglich und natürlich bei den mehr oder minder regelmäßigen Gigs meiner Kapelle. Mittlerweile hatte ich mir einen SWR-Amp angeschafft und hörte genauer hin, und die Pickup-Wahlschalter zahlten sich dann doch aus. Den Bass hatte ich immer wieder neu eingestellt, bis er einen grandiosen Spielkomfort an den Tag legte. Das relativ putzige Hälschen kommt dem trotz der fünf Saiten auch sehr entgegen. Dann eines Tages, am Tag nach einem Gig, zog ich frische D'Addarios auf. Am Tag danach beim Stimmen ein Knall und die Mechaniken zerbröselten. Naja zumindest eine. Obwohl Thomann ein kostenloses Ersatzteil auf Kulanz schickte, beschloss ich, den Bass auf Mechaniken von Kluson umzubauen. Sicher ist sicher. Die neuen waren in Chrom. Wie die Knöpfe schon seit Pimpung 1, die alten Knöpfe hatten nicht mehr gepasst. Ich hatte Glück und konnte die gleiche Bridge bei Ebay in günstig und in Chrom erwerben. Übrigens: Die Bridge ist wirklich gut, sehr massiv, nichts klappert, und sehr gut einzustellen. Boston Straplocks in Chrom hatte ich schon länger montiert. Nun war der Bass also komplett von Mattchrom auf Chrom umgestiegen, bis auf die Saitenhülsen an der Rückseite, die keiner sieht.

Die fast letzte Stufe, Pimpung Nr. 4: Quasi zum Abschluss beglückte ich mich mit einer neuen Bass-Elektronik für die hier vorgestellte Gurke. Diesmal aber richtig. Die Pickups mussten entkoppelt werden, um die großen Lautstärkeunterschiede in den Griff zu bekommen. Dafür erkor ich mir die Noll Mixpot1. Ich fragte bei Noll Electronics an, ob ich danach noch einen passiven Lautstärkeregler (Spannungsteiler) schalten könne. Klaus Noll war persönlich am Postfach. Einige Verzögerungen (meine Abschlussarbeit, »seine« Musikmesse) bremsten das Ganze dann noch etwas… dann aber hatte ich sie vor mir: Meine Noll Mixpot1 Custom, vom Chef persönlich gelötet. Die aktuelle Elektronik hat also zwei Pickup-Wahlschalter wie gehabt, danach kommt ein aktiver Balance-Regler (im Prinzip ein Zweikanal-Mischpult), ein passiver Volume-Regler und dann – dann ist da noch etwas, was ich Klaus Noll nicht verraten hatte, obwohl er mir den Balance-Regler bereitwillig als Push-Pull-Poti ausgeführt hatte: Eine passive, fest eingestellte Höhenblende, die durch Herausziehen des Balance-Reglers eingeschaltet wird. Soweit die Theorie, denn ich bin mir noch nicht ganz klar, wie ich das Tiefpassfilter erfolgreich so umsetzen kann, dass es vom Volume-Regler unabhängig ist.

Und jetzt? In den nächsten Tagen werde ich noch verschiedene Arten von Saiten testen. Es ist aber nicht unwahrscheinlich, dass es bei den D'Addario EXL-170-5 bleibt. Pimpen werde ich an dem Bass nichts mehr. Da ist nun alles ausgetauscht bis auf das Holz selbst. Besser kann der nicht werden. Unlängst war ich im Soundland und habe Bässe von Sandberg und Maruszczyk angespielt. Das ist halt doch nochmal ein ganz anderes Kaliber als ein Asia-Bass. Und es ist auch viel schwieriger: Diese Bässe sind alle gut. Man kann keinen besseren kaufen. Man muss sich wirklich darauf konzentrieren, welche klanglichen und spieltechnischen Eigenschaften einem wichtig sind. Klar, teurer geht immer, aber das ist dann kaum besser, nur luxuriöser. Seltsam aber wahr: Vom Spielkomfort her ist der Benton immer noch ungeschlagen.

Den Harley Basstelton HBB5000 werde ich auf jeden Fall behalten. Nach so viel Chirurgie und so viel Bühnenerfahrung trennt man sich nicht mehr. Nochmal pimpen würde ich ihn nicht mehr. Lieber gleich ein richtig gutes Teil kaufen.


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