18.000 Studenten weniger?

Geschrieben von DrNI am Montag, 20. Oktober 2008 um 20:30 in Gebührend studieren

Lichter im Fenster. Cafete im Brechtbau. Uni Tübingen.
Mantraartiges Repetieren falscher Prognosen sollte diese Wirklichkeit werden lassen: Die Studiengebühren machen die universitäre Lehre zum Paradies, und das zum Spottpreis von 1000€ im Jahr pro Student.

Die Realität: Bis auf Detailverbesserungen ist nichts passiert. Außer, dass wir 1000€ mehr im Jahr bezahlen. Noch mehr Realität: Die Tagesschau berichtet von einer Studie, nach der » bis zu 18.000 junge Menschen wegen der neuen Gebühren kein Studium aufgenommen [haben].« Und das allein vom Abijahrgang 2006. Und weil das noch nicht ernüchternd genug ist, hat das Ministerium auch noch versucht, die Ergebnisse der Studie zu vertuschen.

Als kleiner braver Student bleibt einem nur Sarkasmus. Man sieht eben dabei zu, wie die »da oben« den Karren in den Dreck navigieren. Wie kann ich nur so idiotisch sein, eine akademische Karriere anzustreben?

Die klügeren Ratten verlassen das Schiff gleich nach dem Abschluss.


via.
Nachtrag 21.10.: Eine Sprecherin von Bildungsministerin Annette Schavan murmelt mal wieder das Mantra, wie die taz berichtet: »Es stimmt auch nicht, dass Gebühren vom Studium abhalten.« Achja und das »auch« bezieht sich darauf, dass die Studie angeblich nicht unter den Teppich gekehrt werden sollte. Ja, wer ins Klo greift, will sich eben lieber stillschweigend die Hände waschen.


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Aufgenommen: Feb 08, 09:37

Kommentare
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Vor ein paar Tagen hat noch der Innovationsminister von NRW Pinkwart mit den neuen Rekordzahlen bei den Studienanfängern in seinem Land geprahlt. Natürlich verschieg er, dass es insgesamt mehr Menschen mit Abi gab. Also konnte trotz geringerer Anfängerquote in der Grundgesamtheit die absoluten Anfängerzahlen steigen.
#1 Kil (Homepage) am 21.10.2008 10:39 (Antwort)
Ich stelle mir das schwierig vor, von den Abiturientenzahlen auf die Hochschulanfänger zu schließen: So manche(r) macht ja erst mal FSJ oder Zivi. Wie man das statistisch sauber berücksichtigen kann, weiß ich nicht. Da hab ich nicht die Kompetenzkompetenz, nee nich.
#1.1 DrNI am 21.10.2008 10:45 (Antwort)
"Die klügeren Ratten verlassen das Schiff gleich nach dem Abschluss."

Danke :-)

Es ist eine Diskussion die man von 2 Seiten fuehren kann. Einerseits hast du in Deutschland paradiesische Zustaende, in Australien zahlst du bis zu 5.000 Euro pro Jahr, und in den USA ist es total normal dass ein Mediziner die Uni mit 100.000 Dollar Schulden aus Bildungskrediten verlaesst, die er dann mit seinem ueberdurchschnittlichen Gehalt wieder abzahlen kann. So stellen sich das ja auch die deutschen Politiker vor.

Andererseits muss man aber sehen, dass die meisten Probleme der Welt letztendlich auf mangelnde Bildung zurueckzufuehren sind, von daher sollte der Zugang zur Bildung kein Privileg sein dass von Geld abhaengig ist.
#2 Matthias (Homepage) am 23.10.2008 04:59 (Antwort)
Natürlich blicken wir immer alle gerne nach Westen, wie schon beim Skateboard, den Inline-Skates und Microsoft Windows. Die Amis... seit sie uns in der Sache mit dem WW2 den Arsch gerettet haben, fühlen wir uns kulturell, politisch und wirtschaftlich verpflichtet, ihnen in denselben zu kriechen.

Das Problem ist vielschichtig und komplex. Die akademischen Großverdiener sind seltener geworden. Zum Beispiel die Pädagogen: Obwohl für die Notfallrettung verirrter Jugendlicher (unsere Kinder, die Zukunft?) verantwortlich, verdienen sie kaum nennenswerte Kohle. Wer das Schiff nicht verlässt, muss womöglich gar mit Halbtagsjob ganztags arbeiten. Dennoch werden unsere Politiker in ein paar Jahren einfach beide Augen zu- und den Verstand ausdrücken und die Studiengebühren sukzessive auf internationales Niveau anheben. Letztendlich muss man dann einige Unis halt zumachen, aber man überlege mal, wie viel da der Steuerzahler spart! Und solange das EU-Ausland nicht gleich mitzieht, kann die Wirtschaft ja die Profis von dort beziehen.

Bildung ist von unschätzbarem Wert. Nicht nur Ausbildung. Und vermutlich liegt es genau an dieser Unschätzbarkeit, dass unser kapitalistisches System die Bildung geringschätzt: Man kann sie nicht in Euro ausdrücken.
#2.1 DrNI am 23.10.2008 09:16 (Antwort)
Dass mehr Bildung Not tut sieht man aber auch schon daran, dass die meisten Menschen zu bloed sind zu verstehen, dass sie einen Haufen Geld mehr haetten wenn sie nur mal auf unsinniges Zeug wie Alkohol und Zigaretten verzichten wuerden. Aber immer kraeftig jammern dass das Geld nicht reicht. Bei den meisten Leuten kommen da schnell 500 Euro pro Semester zusammen. Fuehlst du dich hier angesprochen?

Nur ums klarzustellen: das deutsche Bildungssystem ist imo miserabel und ungerecht. Aber ich versuch einfach so zu tun, als wuerde es mich nicht mehr betreffen.
#2.1.1 Matthias (Homepage) am 23.10.2008 10:39 (Antwort)
Lustige Annahme, ich könne 500€/Monat für drogenartige Genussmittel ausgeben. Nene, das Rauchen habe ich aufgegeben und Alkohol gibt's eigentlich auch nur noch, wenn Gäste da sind. Was leider nicht zu oft ist. Aber ich wünsche mir schon, wieder so regelmäßig wie früher durch die Kneipen zu ziehen. Da mangelt es aber schon allein an der Freizeit.

Genuss ist nicht unsinnig. Das Problem ist nur, dass viele Genussmittel eben Drogen sind. Das macht das Maßhalten schwierig.

Na wenn Du bei Deinen Plänen bleibst, dann interessiert Dich das deutsche System vielleicht nie mehr. Solltest Du mal Kinder haben, dann lese ich die Rants über das australische Bildungssystem ja in Deinem Blog. ;-)
#2.1.1.1 DrNI am 23.10.2008 11:16 (Antwort)
Ich hab geschrieben 500 Euro pro Semester, nicht pro Monat. Die Bildungssituation scheint ja noch schlimmer zu sein als ich dachte!! ;-)

Man kann neben Drogen aber auch einen Haufen anderes verzichtbares Zeug auflisten: eigenes Auto, stundenlang mit dem Handy telefonieren... einfach eine Frage von Prioritaeten.

Weiss nicht ob das australische Bildungssystem so schlecht ist. Mit 16 sind die Kids hier mit der High School fertig, einige fangen dann an zu arbeiten. Die besseren gehen lieber noch 2 Jahre aufs College und fangen dann mit 18 an zu studieren. Mit 21 haben sie ihren Bachelor. Hab neulich mal eine getroffen die mit 22 oder so gerade ihren Ph.d. angefangen hat.

Unsereins hat nach je einem Jahr nachsitzen und Zivi erst mit 21 angefangen zu studieren. Die Aussies fangen also locker 4 Jahre frueher an zu arbeiten und haben daher auch die Moeglichkeit, ihre Studienkredite fix zurueckzuzahlen.
#3 Matthias (Homepage) am 23.10.2008 13:33 (Antwort)
upsi der kommentar ist irgendwie verrutscht. komisches system hier
#3.1 Matthias (Homepage) am 23.10.2008 13:34 (Antwort)

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