Der SWR LA12: So etwas wie eine Review

Geschrieben von DrNI am Dienstag, 17. Juni 2008 um 10:21 in Bass
Bisher spielte ich meinen gepimpten Harley Benton-Bass immer über einen Trace Elliot BLX 80, und zwar sowohl im Proberaum und zu Hause als auch auf der Bühne. Der BLX 80 ist ein in die Jahre gekommener kleiner Amp mit 80 Watt und einer unmöglichen Konstruktion, die ihm bei mir den Spitznamen »grüne Elefantenmuschi« eingebracht hat. Die Kiste liefert zwar recht viel Wumms, klingt dabei aber doch irgendwie schwammig und mangels eines Hochtöners ist oben rum auch nicht viel zu haben. Ich wollte also einen Verstärker mit präziserem Klang, nicht zuletzt um mit meiner Technik am Bass weiterzukommen. Denn was man nicht hört, das kann man auch nicht verbessern. Außerdem wollte ich nicht zu jeder Probe den über 30kg schweren alten Trace Elliot schleppen.

Ein neuer Übungsamp sollte her. Doch das ist gar nicht so einfach. Es gibt hier in der Gegend einfach keine Läden mit Auswahl. Da gibt es Läden, die für Bassisten sowieso nur ein Pflichtprogramm führen: Einen fetten Amp von Warwick und einen von Ashdown. Andere haben nur große Stacks, denn das kleine Übungszeug nimmt eh keiner ernst. Zu Thomann sind es etwa 259km, zu Musik Schmidt etwa 242. Von Music Store und Musik Produktiv brauche ich gar nicht erst anzufangen. Irgendwann hatte ich die Schnauze voll und bestellte einfach bei Musik Schmidt den SWR LA12. Skonto mit eingerechnet zahlte ich keine 225€ dafür. Das ist schon ziemlich wenig. Und so sieht das Würfelchen aus:


Der LA12 ist – wie der Name suggeriert – ein Verstärker mit einem 12"-Lautsprecher. Dazu hat er noch einen Piezo-Hochtöner eingebaut. Ein Bassreflex-Rohr konnte ich nicht entdecken, es handelt sich um eine geschlossene Box. Befeuert wird diese von einer Endstufe mit 60Watt. Bei den Reglern beschränkt sich der Hersteller auf das nötigste: Lautstärke, Tiefen, Mitten, Höhen. So sieht es auch bei den Anschlüssen aus: Eingangsbuchse, Kopfhörer, Tuner Out, Mix In. Und dann noch einen Power-Schalter. Das war's. Was auch noch drinsteckt verraten die technischen Daten nicht, es steht aber auf einem Anhängeschild, das vorne am Boxengitter baumelt: Der SWR-eigene Aural Enhancer ist auch noch an Bord und immer aktiv.

Inserts (Send-Return) für Effekte gibt es nicht. Man könne aber den Tuner-Out nehmen, einen Effekt anschließen und den Ausgang desselben wieder zum Mix In reinholen, so das Handbuch. Das halte ich für eine schlechte Idee, denn um den Effekt 100% nass zu bekommen, muss man dazu den Volume-Regler herunterdrehen. Das heißt, dass die Lautstärkeregelung dem Effektgerät überlassen ist. Außerdem ist das Eingangssignal für das Effekgerät nicht auspegelbar. Kurzum: Wer so etwas machen will, der braucht einen anderen Amp. Da die meisten Bassisten entweder keine Effekte benutzen oder diese einfach als Tretminen oder Modeller vor den Amp hängen, ist das aber ein Manko, das die wenigsten betreffen dürfte.


60 Watt sind nicht sehr viel, oder? Richtig. Im Proberaum neben einem Schlagzeuger und dem selbstverliebtem Gitarristen kann man damit nichts anfangen. Ich glaube auch nicht, dass der große Bruder LA15 oder der kleine LA10 hier einen Unterschied machen, auch wenn ersterer 100 Watt Power bringt. In leiseren Besetzungen, z.B. mit Cajon oder mit Westerngitarren, usw., da kann der LA12 sicher eine gute Figur machen. Und zu Hause erst recht. Denn der Sound ist für a) den Preis und b) die Größe wohl einfach nur der Hammer. Ein SWR-Sound ohne übersatte Tiefen, dafür mit Definition und Präzision. Man hört auf einmal Dinge, die man auf anderen Amps nicht hört. Dazu gehört leider auch die verbesserungswürdige Fingertechnik am Instrument. Aber es geht hier ja um einen Übungsamp. Der EQ ist nun wirklich minimalistisch. Allerdings greift er gut. Man kann tatsächlich Klang mit ihm machen. Kurzfassung: Der tiefbassende Grunzmetaller wird hier nicht glücklich, wer eher auf definierten Sound steht, der kommt dem mit diesem Wunderwürfel schon ein gutes Stück näher.

Und noch diese Woche schicke ich ihn zurück. Wieso? Nun, da gibt es noch eine Sache, bei der SWR wohl gespart hat. Abgesehen davon, dass man die Produktion der LA-Serie laut eigenen Angaben sowieso in Indonesien stattfinden lässt, die WorkingPro Serie aus Mexiko kommt und nur die Professional-Serie wie auf allen Kartons großspurig beworben aus Corona, Kalifornien, hat man sich wohl auch die Endkontrolle gespart. Das übernimmt nun der Mitmachkunde. Vermutlich hat mal jemand ausgerechnet, dass bei der Kontrolle nur jeder soundsovielte Amp defekt ist und dass es billiger ist, wenn der Kunde den zurückschickt, die Fachwerkstatt des Händlers ihn repariert, der Händler die Frachtkosten zahlt und nur einen Teil der tatsächlichen Kosten bei SWR in Rechnung stellen kann. Und was ist mit meinem Exemplar? Der Volume-Regler kracht wie Drecksau! Ein Defekt, den man mit einem geeigneten Test sicher in 20 Sekunden hätte feststellen können. An dieser Stelle möchte ich SWR für die Schlampigkeit mal öffentlich ausbuhen! Denn hier gibt es noch einen schwer berechenbaren Faktor in dieser Spar-Rechnung: Der Wert des Images der Marke. Und der leidet hiermit.

Ja, Marke. SWR ist nämlich eine Marke von FMIC, und die heißen lang geschrieben Fender Musical Instruments Corporation. Wer also meint, Amps von Fender seien zu teuer, weil man da nur den Namen bezahle, der kann ja einfach SWR kaufen. Ich habe jedenfalls meinen nach dem Kauf eines mechanisch miserabel verarbeiteten Tuners von Fender gefassten Plan, keine Produkte aus deren Haus mehr zu kaufen, wieder aufgeben müssen. Sonst kann man ja gar nichts mehr kaufen.

Fazit: Der SWR LA12 ist für den genannten Preis ein guter Übungsamp für zu Hause. Der Sound ist durchaus überzeugend, die Funktionen sind ausreichend. Für die Bühne oder für freakige Effektschaltungen ist er hingegen wenig geeignet. Montagsmodelle sind leider auch nicht ganz ausgeschlossen, wie mein Exemplar zeigt.

Einen Nachteil habe ich bisher gänzlich verschwiegen: Der detaillierte Sound lässt mich nun schon ganz heftig nach einem besseren E-Bass lechzen!


Update und Nachtrag vom 30.06.2008: Defekt oder doch nicht? Die magische Heilung.

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Kommentare
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Das gleiche Problem hatte ich mit einem Park Gitarrenamp. Die Billigmarke von Marshall. Damals mein erster. Da krachte auch das Poti vom Verzerrer. Kurz bevor ich ihn in den Laden zurückbringen wollte, gings dann doch wieder, nur um kurz nach Ende der Garantie wieder anzufangen. Nach zwei Jahren krachten alle Potis und heute kann man nur noch alle austauschen.
#1 Kil (Homepage) am 17.06.2008 12:27 (Antwort)
Bei Krachpotis hilft eigentlich langfristig nur austauschen. Potispray oder ähnliches machen das Poti entweder ganz kaputt oder retten es für eine Weile. Der Dreck bleibt aber irgendwo im Ding drin. Und wenn die Kohlebahn verkratzt ist, dann ist auch damit nichts zu machen. Leider kann man für den genannten Preis auch keine guten Potis erwarten, so dass ich nach Ablauf der Garantie definitiv selbst zum Kolben gegriffen und ein hochwertigeres eingebaut hätte.
#1.1 DrNI am 17.06.2008 13:52 (Antwort)
Ja heute würd ich das machen, aber damals wusst ich noch nicht wie rum der Lötkolben gehalten wird ;-)

Ich hab mir dann nen anderen von Peavey gekauft. Den konnte man immerhin Umschalten statt nur den Verzerrer zum Cleansignal dazumischen. Nu stehen beide am Ollern.
#1.1.1 Kil (Homepage) am 18.06.2008 18:40 (Antwort)

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