Der Dauner und seine Changes

Geschrieben von DrNI am Freitag, 18. Januar 2008 um 11:39 in Musik
Schon vor längerer Zeit faselte ich hierzublog davon, ich wolle mal eine Review über die Platte Changes von Wolfgang Dauner schreiben. Nun ist das gar nicht so einfach und auch nur eingeschränkt sinnvoll – das 1978 erschienene Werk ist nämlich vergriffen. Gebraucht gibt es die Scheibe gelegentlich noch bei Amazon und sie lohnt sich.

Doch wer ist dieser Dauner überhaupt? Nun, kurz gesagt, er ist ein Stuttgarter Jazz-Pianist. 2005 erhielt er das Bundesverdienstkreuz erster Klasse. Seiner Heimatstadt blieb er immer treu, auch wenn er dort anfangs vielleicht kritisch beäugt wurde. Letztes Jahr im Januar wurde im Sudhaus in einer Art Vorpremiere ein Film über ihn anlässlich seines 70. Geburtstages gezeigt, anschließend konzertierte der Meister 45 Minuten. Der Film zeigte auch den jungen Dauner, der Flügel anzündete und Hühner auf der Bühne schlachten wollte. Ein junger Wilder. Ein Rebell und das mit Jazz?

1979 erhielt er den Großen Deutschen Schallplattenpreis. Für Changes. Ein netter Name für eine Platte, bei der meine Ohren keine Akkordwechsel (Engl. changes) zu hören vermögen. Ich traue mich nun mal nicht, das Werk in die Schublade »Modaler Jazz« zu stecken. Es ist ein Soloalbum. Ja, Kinders, auch 1978 gab es schon Mehrspurmaschinen. Und so spielte Pianist Dauner nicht nur einen Steinway sondern auch einen EMS-Synthesizer und einen heutzutage legendären Oberheim 4-Voice Synthesizer. Die Sounds an sich lassen Akribie beim Tüfteln und eine genaue Klangvorstellung im Vorfeld vermuten.

Musikalisch ist dabei ein Album herausgekommen, das man so gut wie gar nicht mal nebenher hören kann. Es versprüht eine gewisse Unruhe und fordert permanent Aufmerksamkeit. Man kann es entweder fasziniert anhören oder einfach nur die Stop-Taste betätigen. Eine Art meditative Wirkung, wie ich sie dem Genuss von Miles Davis' Tutu zuschreiben würde, den kann man dabei getrost vergessen. Dauner fordert und überwältigt, wenn man ihn lässt. Dennoch löst er sich nie ganz von einer Struktur, er weiß immer, was er will. So auch letztes Jahr im Sudhaus bei seinem Auftritt. Vom Synthesizer hat er sich heutzutage wohl schon eine Weile verabschiedet.

Ein schräger Typ ist er geblieben. Und wer etwas länger sucht findet das Album doch noch als käufliche CD.

Trackbacks

Jazz in der Mitte, Reutlingen (inkl. Verlosung)
Mein erstes Mal im Jazz-Club Jazz in der Mitte in Reutlingen. Heute: Wolfgang Dauner solo am Piano. Das kann man sich als Klavierspieler ja fast nicht entgehen lassen. Seit dem Genuss seiner Platte Changes bin ich infiziert. Weder die Lokalpresse noch die
Weblog: Gsallbahdr
Aufgenommen: Apr 04, 00:01

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