Die unglaublichen Abenteuer des Herrn Rasdavon (2)
Geschrieben von DrNI
am Montag, 24. September 2007
um 12:36
in Unreine Fiktion
[ Teil 1 ]Es war kein Montag wie jeder andere im Finanzamt. Herr Rasdavon und Frau Locke hatten sich krank gemeldet. Herr Stantepede war hingegen pflichtbewußt zum Dienst erschienen. Seine Miene war jedoch unvergleichlich sauer, was wohl damit zu tun hatte, daß er seine weibliche Hoffnung am Samstag morgen mit einem anderen im Bett erwischt hatte. Keiner der anderen Mitarbeiter traute sich, Fragen zu stellen. Obwohl Herr Stantepede auch bei Problemen oder Fehlleistungen ruhig und sachlich blieb, spürten sie, daß dieses Mal etwas ganz und gar schief gelaufen war und man ihn besser in Ruhe ließ.
Für Herrn Rasdavon war es der ungewöhnlichste Samstag Morgen seit Beginn seiner Ausbildung gewesen. Das erste mal seit er sich erinnern konnte, war er eines morgens nicht als Finanzbeamter, sondern als Hobby-Outlaw aufgewacht. Die Rückverwandlung mußte gescheitert sein. Doch der Filmriß blieb, und so fand er sich in einer gänzlich überraschenden und ungewohnten Situation. Frau Locke schnarchte immer noch auf seinem eingeschlafenen Arm, und Herr Stantepede war stehenden Fußes abgezogen, nach dem er die beiden durchs Fenster gesehen hatte. Er befreite seinen Arm und Frau Locke wachte auf.
Sie gähnte, blickte sich um, erblickte ihn, und fluchte.
»Scheiße, Rasdavon, was machen sie denn hier?«
»Erm. Nennen sie mich Ringo.«
»Ich dachte, du heißt Florian.«
»Ja, aber alle nennen mich Ringo. Naja fast alle.«
Sie verstand. Natürlich nannte ihn im Finanzamt niemand so. Aber nach Feierabend, wenn er sich offenbar als Freizeit-Rebell betätigte, war er bekannt als Ringo Rasdavon.
»OK, Ringo.«, sagte sie und erblickte nicht weniger als vier benutzte Kondome auf dem Teppich neben dem Bett. »Nun, da wir ja anscheinend gevögelt haben, können wir uns auch duzen.«, schlug sie vor.
Er nickte. »OK, Petra«, murmelte er.
»Wie ist das denn... also wie kommt das denn...?«, wollte er wissen.
»Ich weiß auch nicht so genau«, gestand sie mehr sich als ihm, »aber wir hatten wohl unseren Spaß.«
»Was nun?«, fragte er.
»Erst mal Kaffee«, meinte sie lapidar und stand auf.
Herr Rasdavon und die Frauen. Er hatte es eigentlich aufgegeben. Im Finanzamt gab es zwar die eine oder andere, die er interessant gefunden hätte, aber er mußte ja sein Gesicht als braver Beamter wahren. In kürzester Zeit hätte es sich herumgesprochen, daß er Hobby-Outlaw war und das wollte er um jeden Preis vermeiden. In seinem anderen Leben sah es anderweitig problematisch aus: Die meisten Rockerbräute hatten ein anderes Verständnis von Schönheit als er und außerdem litten ihre Körper meist schon deutlich unter dem Einfluß der Schwerkraft. Es war ihm äußerst rätselhaft, ja eigentlich gänzlich unerklärlich, wie das mit Frau Locke hatte passieren können. Das war nun wirklich wider jeglicher Vernunft. Gedanken an die Kollegen beim Finanzamt schossen ihm durch den Kopf, aber er wischte sie schnell weg. »Nicht jetzt«, dachte er. Noch war Wochenende.
Er stieg in seine Lederhose und folgte dem Geräusch der Kaffeemaschine. Frau Locke schien es nicht für nötig zu halten, sich anzukleiden. Sie lehnte mit dem Rücken an der Küchenzeile und konnte sich nicht zwischen Grinsen, Lachen, Seufzen und Gähnen entscheiden. Er setzte sich auf einen Stuhl und blickte sie an. Sie war attraktiv, zweifelsohne. Viel mehr noch, er fand sie sexy. Es war mehr etwas verspielt-erotisches das ihn anzog als ihr Körper an sich. Er konnte sich nicht genau erinnern, wann er das letzte mal überhaupt eine Frau begehrt hatte. Sicher war er sich jetzt nur in einem: Es konnte kein Zufall gewesen sein, daß das passiert war, was passiert war. Sie war der Hammer. Er wollte sich gar nicht fragen, warum er das in all den Jahren im Finanzamt nicht bemerkt hatte. Sie hingegen schien zu wissen, warum sie ihn in all den Jahren nicht wirklich bemerkt hatte.
»Ich hatte schon gedacht, du wärst einer von diesen Spießern mit Bausparvertrag und Häuschen mit Bierfaß im Schrebergarten«, meinte sie.
»Das mit dem Bausparvertrag stimmt ja auch,« fing er an. Dann verstummte er. Ihm wurde klar, daß es vielleicht nicht ganz sachdienlich war, über Bausparverträge zu reden.
»Nur das mit dem Schrebergarten, das ist bei mir etwas anders«, lenkte er ein, »ich führe lieber das Stahlpony aus.«
Sie grinste. Es entstand eine Pause, sie blickten sich an.
»Irgendwie mag ich dich«, sagte sie.
Er spürte sein Herz kräftig schlagen. Das hatte er schon lange nicht mehr gekannt. Und dann kam da noch ein neues Gefühl hinzu: Eifersucht.
»Was ist mit Stantepede?«, quetschte er heraus.
»Ach der... der läßt nicht locker. Hoffentlich hat er es jetzt kapiert.«
Der weitere Verlauf des Samstags wurde von den beiden als äußerst angenehm empfunden. Obwohl er sich gerade in die größte Krise seines Beamtendaseins gestürzt hatte, fiel Herr Rasdavon am Abend so zufrieden wie schon lange nicht mehr in sein Bett und war dabei nicht einmal stoned oder betrunken.
Das Echo kam massiv am Sonntag Abend, als ihm klar wurde, daß er nicht weitermachen konnte wie bisher. Viel schlimmer noch, ihm wurde klar, daß er das nicht wollte. Verstand und Gemüt kämpften bis spät in die Nacht, und am Montag war an Arbeit nicht zu denken. Das Telefon klingelte zur frühen Morgenstunde.
»Gehst du hin?«, fragte sie
»Nein.«
»Ich auch nicht.«





[ Teil 1 | Teil 2 ]Nach dem viel zu frühen Anruf von Frau Locke machten sich Schlafmangel und Erschöpfung bei Herr Rasdavon noch einmal breit und ließen ihn, wenn auch nur kurz, in tiefen Schlaf fallen. Als er erwachte galt sein erster Gedanke der Uhr und
Aufgenommen: Nov 05, 23:18