OB-12 Teil 3: Bedienkonzepte
Es wird Hörbeispiele geben. Später. Zunächst einmal ein Artikel über das Bedienkonzept des OB-12 Synthesizers. Das Gerät ist ein virtuell-analoger Synthesizer nach dem Vorbild alter Schlachtschiffe aus den 70ern und 80ern. Untrennbar mit diesen Schlachtschiffen der Klangsynthese war die Tatsache verbunden, daß für jede Funktion des Geräts ein Dreh- oder Schieberegler existierte. Zunächst war in den Geräten reine Analogtechnik am werkeln, später wurde diese von einfachen Prozessoren gesteuert, was auch ein Abspeichern der eingestellten Klänge erst möglich machte. Displays gab es keine oder sie wären zu teuer gewesen und so wurden auch erst spätere Geräte mit einem 2-Stelligen LED-Display ausgestattet, das die Nummer des aktuellen Speicherplatzes anzeigte.
Mit den Virtuell-Analogen war dann sowieso ein Computer an Bord und Displays waren günstig geworden. Nun waren auf einmal die Regler die teurere Lösung und schon fielen sie unter den Tisch. Der Korg Poly 61m war ein früher Vertreter dieser Generation, in seiner Klangerzeugung noch analog erfolgte die Programmierung der Sounds über Taster und zwei LED-Displays, das eine zeigte den einzustellenden Parameter und das andere den Wert dafür. Der Nachteil liegt auf der Hand: Ein schneller Zugriff auf die Parameter ist nicht mehr möglich. Vor allem im Live-Betrieb sind solche Kisten nur eingeschränkt einsetzbar. Zwar können über MIDI-Controller die meisten Parameter ferngesteuert werden und man erhält seine Regler zurück, aber es ist nicht das selbe.
Oberheim-Viscount baute also beim OB-12 wieder Regler für alle Parameter ein. Oder sagen wir einmal: Für fast alle. Außerdem wurden die Regler mit dem Display verknüpft. Das funktioniert so: Sobald man einen Regler bewegt schaltet das Display zur entsprechenden Menüseite. Dort bekommt man dann zusätzliche Informationen bzw. eine Übersicht über die Einstellungen eines gesamten Bereichs. Auch kann man die Werte hier ganz exakt mit dem Datawheel eingeben, das Display verhält sich wie ein Formular in dem man mit den Cursortasten navigiert. Der Blick auf das Display ist aber meistens nicht nötig, die Regler zu bewegen genügt.
Ein wirklich schönes Feature ist die schematische Oszilloskop-Ansicht. Sobald man einen entsprechenden Parameter eines Oszillators ändert erscheint eine schematische Darstellung der produzierten Wellenform. Ich habe Synthesizer erst begriffen, als ich meinen Roland Juno 106 an ein Oszilloskop anstöpselte - hier ist das nicht nötig, das ist schon eingebaut. Auch die Hüllkurven werden grafisch dargestellt. Diese Funktionalität kenne ich ansonsten nur von meinem Yamaha A4000 Sampler, der natürlich die Samples als Wellenform (ähnlich einem Sound-Editor am Computer) darstellen kann. Abgesehen davon kenne ich persönlich keinen Synthesizer, der eine Wellenform-Ansicht implementiert hat. Ein kleiner Wermutstropfen bleibt: Die Oszi-Ansicht zeigt immer nur eine der drei Wellenformen eines Oszillators an. Um die Summe zu sehen muß man im Program- oder Timbre-Modus (wird in einem späteren Artikel diskutiert) die »Scope«-Seite des Displays aufrufen. Und selbst dort gibt es keinen Mix der Oszillatoren zu sehen.
Und dann braucht man das Display doch für Menüs: Da gibt es ein paar Fälle. Abgesehen natürlich von den System-Einstellungen hat der OB-12 Funktionen, die nicht per Regler zugänglich sind. Dazu gehören die vollständigen Pitch-Hüllkurven. Diese sind per Regler nur als Attack und Decay ausgeführt. Ebenso gehört dazu das Tiefpassfilter der LFOs (welches die meistens Synths aber sowieso nicht haben). Auch die Effekt-Parameter lassen sich nur eingeschränkt über die Regler betätigen: Man kann von Level auf Parameter umschalten und somit entweder die Effektlautstärke oder einen (konfigurierbaren) Parameter regerln. Der Rest erfolgt im Menü. Das gilt auch für die Pattern-Auswahl des Arpeggiators.
Noch eine nützliche Funktion lässt mich öfter auf das Display schielen: Bei den meisten Synthesizern führt eine Reglerbewegung dazu, daß der Parameter sofort auf den neu eingestellten Wert springt. Beim OB-12 kann dieses Verhalten so eingestellt werden, daß man erst den eingestellten Wert »erfahren« muß bevor er sich ändern lässt. Da hilft ein Blick auf das Display, um zu sehen wie der Wert überhaupt steht. Vielleicht ist es aber auch nur eine Frage der Gewöhnung. Diese Funktion ist für alle Regler verfügbar bis auf Main Volume und Pitch- und Modulationsrad.
Eine schöne Lösung ist Viscount auch beim Benennen der Sounds eingefallen: Hier können die Namen über die Nummerntastatur ähnlich einer SMS eingetippt werden. Das nervige durchzappen durch das gesamte Alphabet entfällt, bleibt aber den Gewohnheitstieren als Möglichkeit erhalten. Im System-Menü sind allen Menüpunkten Zahlen vorangestellt, so daß man ebenfalls mit der Nummerntastatur schnell vorankommt, in der ja auch die Enter-Taste untergebracht ist.
Alles in allem ist Oberheim-Viscount eine vorbildliche Benutzerführung gelungen. Diese an sich macht einen Blick ins Handbuch unnötig. Das braucht man dann, wenn man die klanglichen Möglichkeiten nicht sofort durchsteigt. Der Rest ist intuitiv, es ist alles so angelegt, daß ich es ohne viel Nachdenken benutzen kann.
Im nächsten Artikel dieser Serie werde ich mit einer Besprechung der Oszillator-Gruppen in das Thema Soundgestaltung einsteigen.
Mit den Virtuell-Analogen war dann sowieso ein Computer an Bord und Displays waren günstig geworden. Nun waren auf einmal die Regler die teurere Lösung und schon fielen sie unter den Tisch. Der Korg Poly 61m war ein früher Vertreter dieser Generation, in seiner Klangerzeugung noch analog erfolgte die Programmierung der Sounds über Taster und zwei LED-Displays, das eine zeigte den einzustellenden Parameter und das andere den Wert dafür. Der Nachteil liegt auf der Hand: Ein schneller Zugriff auf die Parameter ist nicht mehr möglich. Vor allem im Live-Betrieb sind solche Kisten nur eingeschränkt einsetzbar. Zwar können über MIDI-Controller die meisten Parameter ferngesteuert werden und man erhält seine Regler zurück, aber es ist nicht das selbe.
Oberheim-Viscount baute also beim OB-12 wieder Regler für alle Parameter ein. Oder sagen wir einmal: Für fast alle. Außerdem wurden die Regler mit dem Display verknüpft. Das funktioniert so: Sobald man einen Regler bewegt schaltet das Display zur entsprechenden Menüseite. Dort bekommt man dann zusätzliche Informationen bzw. eine Übersicht über die Einstellungen eines gesamten Bereichs. Auch kann man die Werte hier ganz exakt mit dem Datawheel eingeben, das Display verhält sich wie ein Formular in dem man mit den Cursortasten navigiert. Der Blick auf das Display ist aber meistens nicht nötig, die Regler zu bewegen genügt.
Ein wirklich schönes Feature ist die schematische Oszilloskop-Ansicht. Sobald man einen entsprechenden Parameter eines Oszillators ändert erscheint eine schematische Darstellung der produzierten Wellenform. Ich habe Synthesizer erst begriffen, als ich meinen Roland Juno 106 an ein Oszilloskop anstöpselte - hier ist das nicht nötig, das ist schon eingebaut. Auch die Hüllkurven werden grafisch dargestellt. Diese Funktionalität kenne ich ansonsten nur von meinem Yamaha A4000 Sampler, der natürlich die Samples als Wellenform (ähnlich einem Sound-Editor am Computer) darstellen kann. Abgesehen davon kenne ich persönlich keinen Synthesizer, der eine Wellenform-Ansicht implementiert hat. Ein kleiner Wermutstropfen bleibt: Die Oszi-Ansicht zeigt immer nur eine der drei Wellenformen eines Oszillators an. Um die Summe zu sehen muß man im Program- oder Timbre-Modus (wird in einem späteren Artikel diskutiert) die »Scope«-Seite des Displays aufrufen. Und selbst dort gibt es keinen Mix der Oszillatoren zu sehen.
Und dann braucht man das Display doch für Menüs: Da gibt es ein paar Fälle. Abgesehen natürlich von den System-Einstellungen hat der OB-12 Funktionen, die nicht per Regler zugänglich sind. Dazu gehören die vollständigen Pitch-Hüllkurven. Diese sind per Regler nur als Attack und Decay ausgeführt. Ebenso gehört dazu das Tiefpassfilter der LFOs (welches die meistens Synths aber sowieso nicht haben). Auch die Effekt-Parameter lassen sich nur eingeschränkt über die Regler betätigen: Man kann von Level auf Parameter umschalten und somit entweder die Effektlautstärke oder einen (konfigurierbaren) Parameter regerln. Der Rest erfolgt im Menü. Das gilt auch für die Pattern-Auswahl des Arpeggiators.
Noch eine nützliche Funktion lässt mich öfter auf das Display schielen: Bei den meisten Synthesizern führt eine Reglerbewegung dazu, daß der Parameter sofort auf den neu eingestellten Wert springt. Beim OB-12 kann dieses Verhalten so eingestellt werden, daß man erst den eingestellten Wert »erfahren« muß bevor er sich ändern lässt. Da hilft ein Blick auf das Display, um zu sehen wie der Wert überhaupt steht. Vielleicht ist es aber auch nur eine Frage der Gewöhnung. Diese Funktion ist für alle Regler verfügbar bis auf Main Volume und Pitch- und Modulationsrad.
Eine schöne Lösung ist Viscount auch beim Benennen der Sounds eingefallen: Hier können die Namen über die Nummerntastatur ähnlich einer SMS eingetippt werden. Das nervige durchzappen durch das gesamte Alphabet entfällt, bleibt aber den Gewohnheitstieren als Möglichkeit erhalten. Im System-Menü sind allen Menüpunkten Zahlen vorangestellt, so daß man ebenfalls mit der Nummerntastatur schnell vorankommt, in der ja auch die Enter-Taste untergebracht ist.
Alles in allem ist Oberheim-Viscount eine vorbildliche Benutzerführung gelungen. Diese an sich macht einen Blick ins Handbuch unnötig. Das braucht man dann, wenn man die klanglichen Möglichkeiten nicht sofort durchsteigt. Der Rest ist intuitiv, es ist alles so angelegt, daß ich es ohne viel Nachdenken benutzen kann.
Im nächsten Artikel dieser Serie werde ich mit einer Besprechung der Oszillator-Gruppen in das Thema Soundgestaltung einsteigen.







Wie versprochen gibt es was auf die Ohren. In diesem Artikel beschäftige ich mich zunächst einmal mit den Oszillatoren des OB-12 und deren Möglichkeiten. Da dabei die Filter-Section abgeschaltet war klingen die Beispiele sehr rauh und kratzig, zum Teil
Aufgenommen: Mär 28, 21:14