Ich liege auf der Matratze und das Haus ist still, kein Laut dringt durch die Wände. Niemand ist zu Hause, weder der Mitbewohner oder die Nachbarn noch die Kakerlake. Ein Anflug von Einsamkeit wandelt sich in die angenehme Gewissheit des Alleinseins. Doch wie gewiss kann man sein? Ich höre den Treppenhausschalter durch die Wand, und sein Klacken verrät, wenn die Schabe wieder ihr Unwesen treibt. Bei den Türen ist die Schabe immer äußerst vorsichtig, wenn sie spät nachts in unserer Wohngemeinschaft herumtrippelt, aber ganz ohne Licht findet sie sich nicht zurecht. Kla-Klack. Die Schabe ist wieder unterwegs. Wenn man einen Hausgeist hat, dann ist man niemals allein. Was ist die Nummer der Ghostbusters?
Umgekehrt hat die Schabe ihre Sensoren ebenfalls immer in Betrieb. Der Psycho macht mich noch völlig psycho. Ganz kakerlakenartig verschwindet er für gewöhnlich in seiner Ritze, wenn sich was bewegt. Die Schabe kann nicht scheißen gehen wenn ich in der Küche bin. Denn aus der Ritze raus und zum Klo, das würde ja heißen, an der Glastür zur Küche vorbeizukommen und das wiederrum würde das Schlimmste aller Zeiten für die Schabe bedeuten: Den Kontakt zu den Menschen in der WG. Immer schön den Rolladen unten hat das Krabbeltier. Zu viel Licht scheint dem Getier zu schaden. Rauchen tut es auch in seiner Ritze, die immerhin ganze 16 Quadratmeter misst und für die das rauchende, semi-lichtscheue Tier mittlerweile sogar teilweise die Miete bezahlt.
Bis das erreicht werden konnte waren mehrere Mahnungen und ein gerichtlich zugestellter Mahnbescheid notwendig. Die Schabe war nur in den späten Nachtstunden in ihrer Ritze und verschwand auf unerklärliche Weise schon früh morgens wieder. Traf man sie zufällig in der Stadt, so konnte sie sich nicht vorstellen, dass sie mit ihrer Nichtmietzahlung einem Problem zur Existenz und zwei Existenzen zu einem Problem verholfen haben könnte. Grüne Männlein und Weiblein kamen auch öfter und suchten die Schabe. Keine Ahnung, in welchen fremden Küchen sie sich bedient hatte. Durch ihre permanente Lichtflucht entzieht sich die Schabe bis dato jeglichem Zugriff. Stattdessen ließ sie eine angeheuerte Kanzlei ausrichten, jegliche Kommunikation erfolge ab nun nur noch über die Anwälte. Für diesen Brief wollte die Kanzlei auch gleich viele hundert Euro. Seitdem läuft die Nichtkommunikation über teure Anwälte.
Die Schabe hat sich unterdessen während unserer Abwesenheit schon mehrmals in Küche und Bad breit gemacht. Zum Reinigen dieser Gemächer ist sie aber nicht bereit und der Zustellung von Aufforderungen entzieht sie sich weiterhin erfolgreich. Vielleicht sollte unser Anwalt der Schabenkanzlei mal einen Brief mit einem Putzplan zustellen lassen. Mit Kostennote natürlich. Was bleibt ist das Gefühl, nie allein zu sein. Die Schabe ist immer mit mir. Kla-Klack, tippeltippeltippel. Wenn ich ins Bad gehe huscht die Kakerlake zum Kacken und kommt erst wieder raus, wenn die Luft auf dem Flur rein ist. Eine latente Unruhe zerfrisst meine Nerven in diesen Wänden, die mal mein zu Hause waren. Fast gehe ich schon allein deswegen gerne zur Arbeit, nur um nicht hier zu sein.
Und wieder eine WG, die von einem Psychopathen gegen die Wand gefahren wird.
Geschrieben von DrNI
am Montag, 22. März 2010
um 01:10
in d.E.d.T.
Mit nun fast dreißig lerne ich Formen des männlichen und weiblichen Balzverhaltens kennen, die mir bisher nahezu unbekannt waren und deren Ausübung – ja schon deren schlichte Existenz – sich weit abseits meiner bisherigen Daseinspfade befindet. Menschen, seid ihr wirklich so bescheuert einfach kompliziert?
Geschrieben von DrNI
am Donnerstag, 18. März 2010
um 09:46
in Klangkonsum
Unlängst wurde ich dankenswerterweise auf dieses äußerst nette Album aufmerksam gemacht. Okou nennt sich das Berliner Duo. Die afrikanisch-französische Tatiana Heintz verzaubert mit ihrer Stimme, Gitarre spielen kann sie natürlich auch. Dazu spielt der mehr oder minder ägyptische Gilbert Trefzger Banjo und alles andere was Saiten hat. Auf dem Album Serpentine finden sich auch noch Menschen ein, die Bass, Schlagzeug oder Tuba spielen. Vom Duo bis zur vollständigen Kapelle können die das auch live. Auf den tollen Teppichen von Arte hört sich das dann so an:
Ja was isses nun? Jazz-Folk mit Blues-Einflüssen? Eigentlich egal. To the Bone geht in die Knochen, und der Rest vom Album schafft ebenfalls die Balance zwischen rhythmischer Animation und seelischer Zärtlichkeit. In Hardware zahlt man sich an der Scheibe dusselig aber Amazon verkauft zu vertretbaren Preisen auch MP3s.
Geschrieben von DrNI
am Sonntag, 7. März 2010
um 21:26
in d.E.d.T.
Wenn nach einem Wochenende im Büro nur noch schwere Müdigkeit und der Anflug einer Erkältung in deinen Knochen stecken und dir nur zu hoffen bleibt, dass die Matratze dich bis zum nächsten frühen Morgen gerettet haben wird, dann ist das der Moment in dem du merkst, dass du solo bist. Es ist der Moment, in dem diese kleine aber sonnige Dosis »alles ist gut« fehlt, die einst – fern scheint der Tag – über allem gleichermaßen selbstverständlich wie unsichtbar schwebte.
Geschrieben von DrNI
am Freitag, 5. März 2010
um 00:48
in Buschpoet
Lange Tage, kurze Nächte
gut reicht nicht, besser muss man sein.
Die andern und immer die andern
als ob es mir was brächte
ganz am Ende Stille, jeder ist allein.
Letzter Schnaufer, dann mäandern
unstet die Seelen selbst hinterm Horizont.
Auch das Lassen sollte nun gelernt sein
Ach hätt ich's nur dieses eine Mal gekonnt.