Windpark Himmelberg im Sturm

Geschrieben von DrNI am Sonntag, 28. Februar 2010 um 16:25 in Direktsaft
Gegen den Wind lehnend vorwärts Schritt für Schritt, die tränenden Augen mehr geschlossen als geöffnet, die Mütze gut festhalten, das dem Wind zugewandte Ohr zuhalten. Um mich das Brausen und Tosen vom wenig barmherzigen Griff des Sturms in jede Falte meiner Kleidung, weiter weg überwältigt das Rauschen der Rotorblätter, noch stärker wird der Wind und drückt die Luft in Böen die Lungen. Dazu blendender Sonnenschein und Schneereste auf 820 Meter über dem Meer.

Die Technik hat sich im Griff, die drei Kraftwerke laufen ruhig als wenn nichts wäre.


Nachtrag 2010-05-01: Das Foto ist nun unter Creative Commons-Lizenz bei KDE-Look erhältlich.

Anders

Geschrieben von DrNI am Mittwoch, 24. Februar 2010 um 11:19 in Gedanken gehen ihren Gang
Deine Freunde schauen weg, wenn sie mir in der Stadt begegnen. Es ist als hätte ich etwas Furchtbares getan. Es ist als hätte ich dich geliebt.

Schnüffler und Drücker

Geschrieben von DrNI am Montag, 22. Februar 2010 um 09:01 in Direktsaft
Auf der flinken Flasche von Uhu steht nun werbewirksam:
»Drücken jetzt kinderleicht«
Vom Klebstoffschnüffler zum Junkie? Drücken, kinderleicht!

Die Erkenntnis des Tages

Geschrieben von DrNI am Montag, 22. Februar 2010 um 00:26 in d.E.d.T.
Lösbare Probleme sind Aufgabe der Ingenieure. Unlösbare Probleme die der Philosophie.

Zitat

Geschrieben von DrNI am Freitag, 19. Februar 2010 um 00:17 in Zitate
»Man spricht von Liebe, wenn die Sorge um sich selbst auf die Spitze getrieben und ebenso, wenn die Sorge um den Anderen in den Himmel gehoben wird.«
Alain Finkelkraut (1998): Die Weisheit der Liebe. Reinbek, Rowohlt.

Die Erkenntnis des Tages

Geschrieben von DrNI am Donnerstag, 18. Februar 2010 um 19:19 in d.E.d.T.
Beziehungen zwischen Menschen sind wie Pflanzen: Es gibt robustere und empfindlichere Sorten. Sie können wachsen oder eingehen. Alle sind wir Gärtner in dieser Seelenlandschaft, aber nicht jeder von uns hat einen grünen Daumen.

Das Letz machte Hatschi.

Geschrieben von DrNI am Donnerstag, 18. Februar 2010 um 09:22 in Direktsaft
»Ja wie war's denn am Samstag bei der Lesung?« Das fragen mich meine Freunde – also die Halunken, die nicht anwesend waren – und detailliert lege ich dann dar, wie sich so eine Gefühlslage auf einer Lesebühne von der einer Rock'n'Roll-Bühne unterscheidet. Kurz gefasst: Eigentlich nicht so sehr. Das Lampenfieber kommt im zweiten Song oder Text richtig. Vorher fragt man sich, ob Leute kommen und hinterher fragt man sich, ob man gut oder schlecht oder irgendwo in der Mitte war. Der maßgebliche Unterschied ist, dass man dauernd auf sein Blatt kuckt und deswegen die Reaktionen des Publikums schlechter bewerten kann. Aber vielleicht kann man das ja üben, so eine Art Read-Ahead-Strategie.

Die werbewirksame Zusammenfassung des Abends: Ganz schön viel Spaß für die fünf Euro Eintritt. Für das Publikum dürfte sich die Veranstaltung sicherlich gelohnt haben. Es war rappelvoll. Und Inhalt und so und was ging da? Keine Ahnung, ich hab ja nur was vorgelesen, was kümmert mich da Inhalt. Klickt mal rein bei Eldersign und Dia-Blog. Einige mehr Links gibt es unter Rückblicke auf der Seite von das Letz niest.

Interessant auch die vom geschätzten Pädagogen S. gedächtnis­protokollierten und feingranular beobachteten Publikums­reaktionen, die sich zum Teil mit der Kritik bestimmter Personen in bestimmten Blogs und Tweets decken. Hier meine überspitzte Zusammen­fassung: Lustig ist gut. Wenn es um traurige oder womöglich gar nachdenkliche Themen geht, wird es für viele öde. Und wenn man böse Wörter benutzt sinkt automatisch das Niveau.

Fazit des Abends: Ich sag Fickscheisse auch auf der Bühne, ich darf das.

Neue Platte: ChillLive – Best of 2009

Geschrieben von DrNI am Mittwoch, 17. Februar 2010 um 23:37 in Klangkonsum
Im Jahr 2009 war ich der Organisator der Elektronikmusik-Jamsession ChillLive, die jeden zweiten DonnerstHaag im Monat im Café Haag in Tübingen ausgetragen wird. Fast jede Session wurde live mitgeschnitten. Daraus haben wir nun ein BestOf-Album zusammengenagelt. Und das ist heute rausgekommen und hört sich so an:

  

Hier wurde mit wenig Netzen und kaum doppeltem Boden gearbeitet, der Recorder hatte halt nur vier Spuren. Es ist also alles echt und alles spontan so auf der Bühne entstanden.

Die Scheibe gibt's unter einer Creative Commons-Lizenz kostenlos aber nicht pflichtenlos zum Download bei Jamendo. Das Sowas-wie-ein-Netlabel DrNI:EM vertreibt die Scheibe in verschiedenen Dateiformaten zu gleichen Konditionen.

Erwachsen werden – oder auch nicht

Geschrieben von DrNI am Dienstag, 2. Februar 2010 um 21:50 in Direktsaft
»Erwachsen werden heißt, sich über seine Erziehung hinwegzusetzen.« Dass das ausgerechnet mein Vater sagen musste, ist eine andere Geschichte. Die Richtigkeit bleibt davon unberührt. Erwachsen werden heißt aber auch, seine Träume über Bord zu werfen. Vielleicht weigern sich deswegen so viele dagegen. Auch Leute mit fünfzig sagen mir noch, sie möchten nie erwachsen werden. Dafür muss man sich in Kolumnen vorwerfen lassen, nicht erwachsen werden zu wollen. Berufsjugendliche, so heißt ein Schimpfwort.

Gleichzeitig zum Vorwurf der ewigen geistigen Jugend erklingt der spätestens seit Aristoteles schriftlich beklagte Tatbestand des Schlechtseins. Die Jugend ist auch nicht mehr das, was sie einmal war. Früher! Rebellen seien sie gewesen, schreiben vermutlich kinderlose Kolumnisten, denen die Jugend zu brav ist. Angepasst sei sie, arbeitssam, aus niederen Bücklingen bestehend. Und es stimmt zum Teil ja auch. Punk ist eben doch irgendwie tot.

Vielleicht ist die Verweigerung des Erwachsenwerdens eben genau das: Die letzte Bastion einer Rebellion. Und zwar nicht die vermeintliche Rebellion gegen das ganze Erwachsenendasein. Niemand hat etwas gegen einen Führerschein oder gar eine Führungsposition, auch gegen das Kinderkriegen haben die meisten nichts. Doch was bleibt ist eine verlängerte Jugendphase, an deren Ende eine fertig gebildete Persönlichkeit in eine Arbeitswelt gesteckt wird und sich fragen muss: Was soll denn diese Scheiße jetzt?!

In Wirklichkeit weigert sich niemand gegen das Erwachsenwerden. Die wirkliche Verweigerung gilt dem Verlust der Träume und dem ewigen Warten auf ein besseres Leben, das doch nicht kommen wird, außer man führt es im Jetzt. Vor einigen Jahren besuchte ein Karriereberater unseren Studiengang. Sein prototypischer Lebenslauf verzeichnete bei 31,5 das erste Kind, bei 32,9 das zweite. Bei der Lebensjahreszahl 65 fand sich das Wort Hobbies. Das war der Punkt, an dem die Stimmung unter den eh schon genervten Kommilitonen vollends einfror.

Mit Fünfzehn sagte ich: Ich lebe jetzt. Mit Dreißig werde ich sagen: Ich will jetzt leben. Die Furcht, genau das zu oft nicht tun zu können ist die Art von Erwachsenwerden, die ich lebenslänglich zu vermeiden gedenke.