Kristen Barry

Geschrieben von DrNI am Mittwoch, 23. Dezember 2009 um 11:48 in Klangkonsum
Als im Jahr 1999 der Film Eiskalte Engel (engl.: Cruel Intentions) herauskam war ich gerade in einem Lebensabschnitt, in dem ich mit einem Freund relativ wahllos in Kinofilme seiner Wahl ging. Vielleicht ging deswegen dieser Song aus dem Soundtrack an mir vorbei, der heute eine meiner Lebensabschnittshymnen ist. Ordinary Life von Kristen Barry:


(DirektRohr)

Glaubt man der Indiepedia, so hat Kristen Barry später Matthew Ellard geheiratet, der laut den Liner Notes ihrer einzigen Platte The Middle. The Beginning. The End. bei der Produktion eben dieser der Second Engineer war. Matthew ist immer noch aktiv in seinem Studio in Boston, von Kristen hat man leider lange nichts mehr gehört. Aber wenigstens richtete vor einiger Zeit ein offenbar mit den beiden persönlich Bekannter auf seiner MySpace-Seite Grüße an sie aus, sie ist also noch da. Ihr »eigenes« Myspace-Profil scheint ein Fake zu sein.

Musikalisch gesehen ist ihre einzige Platte, auf der obiges Stück nicht mal enthalten ist, eine kleine Offenbarung, die ich in die späte Grunge-Zeit einordnen würde. Einflüsse der Neunziger wie Hole und natürlich Nirvana lassen sich vermuten, dennoch bleibt alles etwas eigen, etwas sanfter, etwas mehr Kristen. Schade, dass ich das 1996 bei Virgin erschienene Album nicht damals schon entdeckt habe.

Aber es war eben auch ein anderer Lebensabschnitt. So entdecke ich hinterher, was die Musik meiner Jugend hätte gewesen sein können. Wer weiß, ob und was Kristen Ellard (geborene Barry) musikalisch so macht kann sich gerne kommentierend melden.

Die Erkenntnis einer Nacht

Geschrieben von DrNI am Montag, 21. Dezember 2009 um 11:35 in d.E.d.T.
Immer wenn ich bei einer Zusammenkunft Klavier spiele fickt hinterher jemand. Nur ich nicht.

Wissen, glauben, durchpfuschen

Geschrieben von DrNI am Montag, 21. Dezember 2009 um 11:31 in Rock'n'Roll Backsides
Nach Gigs höre ich normalerweise keine Musik. Am liebsten wäre es mir, wenn die ganze Location danach in einer tiefen Stille versinken würde. Wenn man gerade dreißig Songs gespielt hat, dann ist kein Platz mehr für Musik im Kopf. Auch im Auto gibt es keine Musik in dieser Nacht. Später werde ich erfahren, dass es auf der Alb bis minus dreißig hatte. Auch im Krabbengäu – immerhin ein paar hundert vertikale Meter näher am Meer – da reicht die Heizung meiner Karre auch nicht mehr aus, um den Innenraum wirklich warm werden zu lassen. Alles ist eingefroren und neben mir friert die J. auf dem Beifahrersitz.

In der Kneipe war es warm aber verraucht. Ein paar hatten ihren Besuch freundlicherweise schon abgemeldet. Unberechenbares Wetter, so begründeten sie und recht hatten sie. Doch dann wird es doch noch gerade so voll, dass man von voll gerade noch so sprechen kann. Für so wenig Leute läuft es gut an. Wie so oft, wenn sie mitklatschen, muss man sich besonders konzentrieren, auf den Perkussionisten zu hören. Der ist nämlich der einzige im Saal, der den Takt richtig »klatscht«. Das erste Set läuft etwas zu routiniert aber dennoch gut durch. Dann im zweiten schlagen mir am Bass die letzten zwei Wochen voller Stress auf die Finger, ich liefere ein paar üble Abkacker. Und als Bassist kann man keine Pause machen, man muss sich durchpfuschen, von wissen wie der Song geht rutscht es ab in ein Glauben, und dann am Ende kommt ein näherungsweises Bescheißen. Am besten kaschiert man es in einem Walking Bass, bei dem man halt versucht, immer auf die nächste Eins keinen falschen Ton zu setzen.

Deswegen geht man auf Sessions, da lernt man das in der Musik, was unsere Elite in der Politik schon immer konnte: Ohne Ahnung gut klingen und dabei unschuldig aussehen. Es wirkt, das Publikum verlangt nach einer Zugabe und einige verabschieden sich danach persönlich mit positivem Feedback und guten Wünschen.

Doch in Wirklichkeit hasst man es natürlich, wenn es einen im Gig erwischt, wo man die Songs ja kennt. Als Mensch gibt man sich ja gerne dem Gefühl hin, alles unter Kontrolle zu haben. Nichts scheint mehr zum Verzweifeln als wenn man nicht sein Leben lebt sondern von seinem Leben gelebt wird. Der Mensch sitzt im Sattel und reißt dem Gaul seines Daseins an den Zügeln oder gibt ihm die Sporen. So ist das. Und wenn der Gaul durchgeht, dann wird es uns Angst und Bange. So in etwa das Gefühl, wenn man den Basslauf seines eigenen Songs irgendwie gerade verplant hat, obwohl man den sonst morgens um fünf – also zu einer völlig illegalen Uhrzeit – noch im Schlaf könnte.

Erst nach längerem Ausschlafen fällt mir dann auf, dass ich nun schon zum dritten Mal nach nächtlichem Musizieren eine Dame durch die Gegend kutschiert habe. So langsam wird es zur Routine. Noch immer ungewohnt ist danach die Leere auf der Matratze. Ich gehe mit dem Gedanken schwanger, Gitarre spielen zu lernen. Rein aus akquisetechnischen Gründen.

Der erste Schnee

Geschrieben von DrNI am Samstag, 12. Dezember 2009 um 19:04 in Gedanken gehen ihren Gang
Morgens kurz vor Sechs: Betrunken Frau nach Hause gebracht (walked her home). Zu ihrem Freund. Auto steht irgendwo, PA wo anders wo sie auch nicht hingehört. Aus zunächst gefühlter Selbstlosigkeit wird auf den letzten solitären Metern im ersten Schnee ein kleiner Anflug von Selbstmitleid.

Die Erkenntnis der Nacht

Geschrieben von DrNI am Sonntag, 6. Dezember 2009 um 01:17 in d.E.d.T.
Wenn man sich in die Mitte eines ganz dunklen Zimmers stellt und sich auf einem geschlossenen Kopfhörer Musik reindröhnt, dann besteht die Welt nur noch aus Hausschuhen und Musik. Eine sehr angenehme Vereinfachung der Zustände, die das Leben so annehmen kann.

Cockles and Muscles, alive, alive, oh!

Geschrieben von DrNI am Samstag, 5. Dezember 2009 um 15:19 in Rock'n'Roll Backsides
»Wir haben 60 Kilo Muscheln gekauft,« so empfängt uns der Präsident der Biker. Es ist Freitag, zwei von vier Mitgliedern der Kapelle stecken noch im Stau, der Aufbau verläuft deswegen etwas chaotisch aber wie immer problemlos. Die Akustik spricht gegen sich, ich rudere an den Summen-EQs herum. Wir sind nicht die einzigen Muschelesser an diesem Abend, aber es ist ja genug für alle da. Im Sud ist irgendwie auch Curry drin. Mit der neuen bunten Lichtanlage sieht man das ja netterweise nicht, wenn der Bassist gelbe Finger hat. Die Show läuft recht schleppend an, obwohl man sich an Muscheln ja nicht gerade vollfressen kann. Irgendwie unterhalten die Leute sich fast lauter als die Anlage, die eh schon laut ist an diesem Abend. Aber naja, es sind halt doch Biker, auch wenn die meisten mit dem Auto da sind: Mit Smoke on the Water und Locomotive Breath kriegt man sie dann doch noch rum. Sie wollen zwei Zugaben und wir liefern nochmal geil ab. Vor dem Abbau gibt es erst mal und noch mal für jeden zwei riesige Schüsseln Muscheln.

Als wir gegen drei Uhr alles verstaut haben und uns auf den Weg machen sind immer noch Muscheln da. Und es geht eben doch – sich an Muscheln vollfressen.

Die Erkenntnis des Tages

Geschrieben von DrNI am Dienstag, 1. Dezember 2009 um 23:20 in d.E.d.T., Musizieren
Musik machen ist wie Informatik studieren: Der Frauenanteil ist eine Katastrophe und die Langhaarigen reden immer nur über technische Geräte.