Surreal wie so oft

Geschrieben von DrNI am Samstag, 28. November 2009 um 16:27 in Rock'n'Roll Backsides
Noch etwa anderthalb Stunden bis zum Aufbau. Es fühlt sich wie so oft noch nicht real an. Ich schütte mir Kaffee rein und höre lautstark die …auf Dr Stroß von Schwoißfuaß. Real wird es in der Regel irgendwo innerhalb der ersten zwei Songs.

Heute Abend, 21 Uhr im Tübinger Hades: Delta B.

Zitat

Geschrieben von DrNI am Freitag, 27. November 2009 um 00:18 in Zitate
Unter hunderten bis tausenden von vollbesoffenen und oft recht wenig intelligenten aber deswegen nicht minder brüllwitzigen SMS-Dialogen dann überraschend eine durchaus lyrische Statusmeldung:
»03:56: Ich habe mir Mozzarellafrikadellenröllchen von Lidl in der Mikrowelle warm gemacht. Und dabei habe ich wahrscheinlich ein bisschen geweint.«
Eintrag 122, SMSvonGesternNacht

Monstermegavorlesung im Kupferbau

Geschrieben von DrNI am Mittwoch, 25. November 2009 um 13:18 in Gebührend studieren
Die Organisatoren im wieder besetzten Kupferbau der Uni Tübingen haben Großes vor: Eine 72-stündige Marathonvorlesung mit 72 Dozenten. Gut zwei der drei vollen Tage sind schon gefüllt und sehen recht interessant aus. Das Programm ist online. Die Veranstaltung beginnt heute um 18 Uhr im Hörsaal 21 des Kupferbaus.

Proberaumsofa

Geschrieben von DrNI am Dienstag, 24. November 2009 um 22:05 in Rock'n'Roll Backsides
Das unsägliche Geräusche einer Kreissäge mit der jemand Brennholz sägt. So geht das schon seit drei Stunden, doch seit den letzten fünf Minuten davon liege ich auf dem Proberaumsofa und versuche zu schlafen. Es ist mollig warm, ich habe ein Kissen und ich muss schlafen, dringend. Ich huste wie ein Kettenraucher und schlapp bin ich auch und in einer Stunde müssen wir los zum Gig. Ich muss schlafen. Die Säge hört nicht auf. Ich versuche es trotzdem und schließe die Augen. Das akustische Bild wird detaillierter: Ab und zu bollert der Ofen, leise seine Holzbriketts verdauend. Mit einem tiefen Summen läuft die externe Festplatte, auf die der Klapprechner zehnkanaliges Grundrauschen der Vorverstärker speichert. Testlauf für den Live-Mitschnitt. In kurzen, regelmäßigen Abständen das Tickern des Kopfes der Platte, wenn wieder ein Schwung neuen digitalisierten Rauschens seinen Weg auf den Datenträger findet. Ganz leise brummt und rauscht dazu die Anlage im Proberaum. Nebenan dreht sich der hals­beschmerzte Sänger kreissägen­nervengesägt auf seiner Matratze um.

Ich vergrabe mich in dem plötzlich zu kleinen Kissen und denke an Geborgenheit, doch zu spät bemerke ich, dass in dem Gedankengang eine Person vorherrscht, bei der es keine Geborgenheit mehr zu holen gibt. Beziehungsende­nervengesägt drehe ich mich auf dem Sofa um. Dann ist es auf einmal dunkel und der Gitarrist steht in der Tür. Wohl doch geschlafen, irgendwie. Niemand fühlt sich fitter. Später werden drei Viertel der Band auf der Bühne nur Kräutertee trinken. Und das ist Rock'n'Roll? Jedenfalls ist das besser als kurzfristig absagen, das ist nämlich definitiv nicht Rock'n'Roll.

Am nächsten Tag ist große Bettlägrigkeit angesagt. Eine Woche auskurieren bis zum nächsten Gig.

Lebensabschnittshymnen

Geschrieben von DrNI am Dienstag, 24. November 2009 um 15:27 in Gedanken gehen ihren Gang
Man starrt vor sich hin und hört in der Endlossschleife einen Song. Menschen, Autos, Wolken ziehen unbeteiligt vorbei, Stunde um Stunde. Das ist die Lebensabschnittshymne, die einen am Anfang oder am Ende eines solchen Abschnitts hinterrücks überfällt, dann fesselt, und ein Leben lang nicht mehr loslässt. Das Lied ist verseucht und verdorben für den Rest aller Tage, mag es auch noch so schön sein. Man hört es danach nie wieder. Oder zumindest nie wieder mit den gleichen Ohren.

Mit einer Tautologie zu Christus – oder sonst wo hin?

Geschrieben von DrNI am Montag, 23. November 2009 um 19:00 in Computational Linguistics, Direktsaft
Ich habe endlich die Fotos von meinem Handy heruntergeladen. Da ich das Handy immer dabei habe sind auch einige sprachlich interessante Botschaften fotografisch dokumentiert worden. Zunächst ein Plakat, das den Betrachter auf den richtigen Weg bringen möchte:


»Christ? Weil… es zum Umsteigen nie zu spät ist!«

Nehmen wir mal an, der begründende Satz »Weil es zum Umsteigen nie zu spät ist« wäre immer oder wenigstens meistens wahr, was die meisten von uns wohl bekräftigen dürften, dann könnte man aus diesem Satz alles folgern:

»Muslim? Weil es zum Umsteigen nie zu spät ist.«
»Agnostiker? Weil es zum Umsteigen nie zu spät ist.«
»Vegetarier? Weil es zum Umsteigen nie zu spät ist.«

Dieses Muster könnte man beliebig fortsetzen. Außer vielleicht, wenn sofort klar ist, dass ein Umstieg sehr schwer bis unmöglich ist. Nicht alle Daseinsformen hängen vom freien Willen alleine ab, manchmal braucht man auch gewisse formale oder biologische Voraussetzungen:

»Professor? Weil es zum Umsteigen nie zu spät ist.«
»Frau? Weil es zum Umsteigen nie zu spät ist.« (Für Männer)
»Homosexuell? Weil es zum Umsteigen nie zu spät ist.«

Es ist jedenfalls keine gute Idee, eine so offensichtlich logisch anfällige Werbeaussage auf einem Plakat in einem von Linguisten bevölkerten Unigebäude anzubringen. Abgesehen davon darf man sich natürlich fragen, warum christliche Organisationen Werbung machen (dürfen) und die anderer Glaubensgruppen nicht. Siehe auch Atheist Bus Campaign.


Die Hörnchen auf dem Kopf der Dame wurden wohl in ähnlicher Verwunderung von jemand anderem angebracht, sie sind jedenfalls nicht original.

Die Erkenntnis der Nacht

Geschrieben von DrNI am Freitag, 20. November 2009 um 00:35 in d.E.d.T.
There's no mating without dating.

Wollebobbel

Geschrieben von DrNI am Freitag, 20. November 2009 um 00:32 in Gedanken gehen ihren Gang
Manchmal wünschte ich, ich wäre studierter Erziehungswissenschaftler (auch Pädagoge genannt), dann könnte ich mit den Leuten vielleicht auch mal über schwierige Dinge des Miteinanders reden. Hab ich jetzt was falsch gemacht? Wie geht es dir dabei? Blahblah. Manchmal wäre es besser, zu explizieren woran man gegenseitig ist. Meistens fühlt es sich aber doch natürlich an, das männliche antikommunikative Aussitzverhalten an den Tag zu legen.

Nehmt euch einfach den Wollebobbel wenn ich mal wieder zu viel rede. Es macht mir nichts aus. Aber haltet ihn gut fest.

Die Erkenntnis des Tages

Geschrieben von DrNI am Montag, 16. November 2009 um 09:04 in d.E.d.T., Musizieren
Aus einem Kommentar meinerseits bei Karan entstandene Erkenntnis: Wissenschaft ist wie das Spielen von Musik aus einem wenig bekannten Genre. Kaum einer versteht, was man damit bezwecken will und wozu es am Ende gut sein könnte. Reich wird man auch nicht damit. Man hat Gigs Vorträge vor einem sehr kleinen Publikum. Die Definition von Erfolg ist von der Höhe des Einkommens unabhängig.

Erfolg ist, wenn man es gut gemacht hat und es (deswegen) funktioniert hat.

Samstags im Baumarkt

Geschrieben von DrNI am Samstag, 14. November 2009 um 14:02 in Direktsaft
Der Baumarkt, ehedem eine Männerdomäne und Heimat schlecht sitzender, gips- und farbenverschmierter Arbeitskleidung, wandelt sich. Zunehmend schlüpft eine andere Bevölkerungsgruppe in die Hauptrolle in dieser Heimwerkershow. Hat man den Samstagsterror auf dem Parkplatz hinter sich gelassen, so umfängt einen die große Halle und ihr flanieren – das Schlimmste für jeden frisch Entliebten – junge Paare. Da tröstet es nur wenig, dass nicht wenige der jungen Paare gerade auf den ersten größeren Konfliktherd ihres gemeinsamen Daseins zusteuern: Die Einrichtung der symbiotisch genutzten Behausung. Kurzum: Hornbach und Ikea lassen ihre Kundengruppe homogenisieren.

Doch die Geschlechterdifferenzen kommen auf dem Rückweg zu Tage. Frau hat eine ziemlich hässliche Arbeitsplatte für die Küche ausgesucht. Mann hatte dabei nichts zu sagen, denn Ästhetik existiert für ihn nur bei Autos, nicht aber in Wohnungen. Er soll dieses ellenlange Monstrum nun in die neue Familienkutsche einladen. Sie würde jedenfalls Familienkutsche heißen, hätten sie vor lauter Streiten und Einrichten mal dazu gefunden, mit Liebe Nachwuchs zu produzieren. So ist es halt ein Schmalspur-SUV geworden, kompakt, wendig, straßentauglich genug für das Outback und vor allem viel zu klein für die monströse Arbeitsplatte. Man kann sich wirklich vorstellen, wie er vor dem Regal stehend gesagt haben könnte: »Die krieg ich rein, kein Problem!« Das sind Momente, in denen Frauen ihre Schwäche im Augenmaß und im räumlichen Sehen viel zu ernst nehmen und lieber dem Mann vertrauen. »Nie im Leben!« hätte die Antwort heißen müssen.

Nun stehen sie da, auf dem Parkplatz, und der Anfang vom Ende rollt langsam auf sie zu. Ich lege meinen rahmenlosen Bilderrahmen vorsichtig in den Kofferraum und freue mich auf die wenigstens langsam voranrollende Neugestaltung meines neuen Singlezimmers.