Geschrieben von
DrNI
am Dienstag, 15. September 2009
um 17:01
in
Direktsaft
Im Bremer Sprachblog geht es wie so oft mal wieder um die fürwahr sonderbaren
Deutschretter, ja sogar der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt möchte nur noch unter Goethes leben. Immer wieder gern angesprochen wird dabei eine Studie von 2003, nach der je nach Interpretation gut die Hälfte der Deutschen die omnipräsenten englischsprachigen Werbeslogans nicht verstehen. Unterschiedliche Meldungen zitieren dabei natürlich gleich wieder den
Untergang der deutschen Sprache herbei, andere bleiben
eher neutral.
Unser lieber FranK-Walter Steinmeier hat die amtierende Kanzlerin Angela Merkel ja sichtlich lieb und sie ihn auch, zumindest beim unlängst stattgefundenen TV-Duett (von wegen Duell) wollten sie sich nichts böses tun. Und Angela ist ja auch eine ganz sensible. In ihrem zweiten großen Bundestagswahlkampf hat sie wieder dieses
Lied von den Rolling Stones mit dabei. Zum Beispiel in Freiburg, wo ich ihren
Auftritt unlängst knapp verpasste. Ja, es im Steinmeier-Kontext interpretiert könnte es tatsächlich von unserem Frank-Walter gesungen worden sein:
But Angie I still love you baby
everywhere I look I see your eyes
there ain't a woman that comes close to you
come on baby dry your eyes
Das ist übrigens die Bridge über Dm und Am. Ja, es ist wirklich zum heulen: Die Liebe von unserem Frank-Walter, der in meiner Vorstellung dieses Lied singt, sie ist verloren. Die Beziehung ist am Ende. Doch weiter vorne im Lied ist es noch realer, denn unser Traumpaar Angie und Frank-Walter werden von der Wirtschaftskrise auf hoffnungsloseste Art gebeutelt:
Angie Angie
when will those clouds all disappear
Angie Angie
where will it lead us from here
With no loving in our souls
and no money in our coats
you can't say we're satisfied
Es ist schon traurig. Kein Geld haben wir mehr, die Liebe ist den Bach runter, die dunklen Wolken wollen sich einfach nicht verziehen.
Wohin soll uns das alles noch führen? Eine Frage, die sich der deutsche Wähler im Moment ebenfalls stellen dürfte. Das von uns durchlebte Unglück in einem einzigen Wahlkampfsong von Angela Merkel zusammengefasst, wow!
Wie gut ist es, das ein vermutlich sehr großer Teil der deutschen Bevölkerung weder auf den Text hört noch ihn versteht. Das lässt nicht nur die oben genannte Studie vermuten, das ist auch meine Erfahrung als Musiker: Wenn der Text reichlich unanständig wird, dann kann man die englischen Muttersprachler im Publikum an ihrem Gesichtsausdruck von den Deutschen unterscheiden.
Von einer zukünftigen Kanzlerin erwarte ich jedenfalls nicht die Frage, sondern die Antwort.
Where will you lead us from here?
Gute Frage, doch leider
hapert es bei Angie stellenweise selbst an der Fremdsprachenkompetenz.