Gestern spielten wir auf einem schwäbisch-klassischen »Sechzger«, soll heißen eine Feier anlässlich eines sechzigsten Geburtstages. Konzert kann man das nur mit Einschränkungen nennen, denn alle paar Lieder wird man mit einer neuen, natürlich völlig spontanen
Einlage vom lustigen Publikum für das Geburtstagskind konfrontiert, für die man dann erst mal Pause machen darf. Besonders bliebt sind dabei selbst verfasste Gedichte.
Auch die Marianne weiß es schon
Man dichtet stets mit Reimlexikon:
Zum Geburtstag stets das Beste.
und für die Gäste nur die Reste.
Drum folgen Schwung um Schwung
ein wenig Kritik und viel Huldigung.
Die Themen sind stark eingeschränkt
Um Rasenmähen und Haushalt wird gezänkt.
Der Reim muss nicht immer ein reiner sein,
das Publikum stets Wein schenkt in sich hinein.
Und ist dann der Lobhudelei genug
Nehmen wir erleichtert einen großen Schluck.
Die Jüngeren aus der Verwandschaft
Machen mit dem Brauch Bekanntschaft
Die wenigen Studierten darunter
Leben bis kurz vor sechzig munter.
Denn bevor man sich derlei Dichterei tut an
Mopediert man lieber zu schnell Autobahn
und schrammt einen Baum mit dem Gesicht.
Alles besser als ein Sechz'ger-Geburtstagsgedicht!