Künstlerkrise mit der GEMA und kein Land in Sicht für die Piraten

Geschrieben von DrNI am Montag, 29. Juni 2009 um 10:21 in Direktsaft, Klangkonsum, Musizieren
Krise ist ja sowieso gerade hip. Die von Bild als »Gaga-Partei« bezeichneten Piraten sind mit der Situation beim Urheber- und Nutzungsrecht in Deutschland unzufrieden. Doch die Piraten scheinen stark von der Open Source-Bewegung geprägt. In einer Diskussion bei Tilla Pe zeigten sich starke Zweifel, ob sich das derzeitige Modell der Freibeuter auf Künstler übertragen lässt. Oder müssen die Kreativen am Ende alle hungern?

Zurück zum traditionellen Modell und zum bisherigen Hungern: Man übergibt seine Nutzungsrechte an den eigenen Werken vertrauensvoll der GEMA. Diese lizenziert dann die Nutzung gegen Cash an Konzertveranstalter (z.B. bei Coverbands) oder auch an die Radiosender. Somit können die Radiosender alle Musiknutzung mit einer einzigen Institution abrechnen, anstatt bei jedem Künstler selbst vorreiten zu müssen. Letzteres wäre verwaltungstechnisch ja auch nahezu unmöglich. Man kann es aber auch anders herum sehen: Wer nicht bei der GEMA ist, der wird auch nicht im Radio gespielt.

Schön wäre nun, wenn die GEMA ihre Einnahmen gerecht an die entsprechenden Künstler verteilen würde. Das tut sie aber nicht. Wie Karan berichtet, hat der Künstler überhaupt keinen Anspruch auf Einnahmen – auch wenn er die Nutzungsrechte an seinen Stücken abgegeben hat und brav seinen Mitgliedsbeitrag abdrückt. Man muss sich dabei vor Augen führen, dass der Künstler auch seine eigenen Nutzungsrechte an den eigenen Werken in weiten Teilen abgegeben hat.

Wer also sowieso nicht im Radio gespielt wird und wessen Songs nicht gecovert werden, der sollte auf eine Mitgliedschaft bei der GEMA tunlichst verzichten oder gegebenenfalls austreten. Abgesehen davon gibt es eine Petition, die eine Überprüfung der GEMA durch den Bundestag fordert. Wie realistisch das ist, sei mal dahingestellt. Wer seinen Protest ausdrücken möchte, der sollte aber auf jeden Fall mitzeichnen.

Das Problem: Ohne GEMA-Mitgliedschaft kann niemand so richtig groß werden.

Schönes Album von Maya Filipič

Geschrieben von DrNI am Mittwoch, 24. Juni 2009 um 22:12 in Klangkonsum
»Leicht langweilig,« kritisiert ein Jamendo-User das Klavierwerk Between two worlds von Maya Filipič. Positiv formuliert: Klavierklänge, die man auch mal gut im Hintergrund laufen lassen kann. Dabei aber lange nicht so dudelig wie man es bei Bach stellenweise erleben darf. Aber wozu das Gesülze, hört doch einfach selbst rein:

  

Abgesehen vom reinen Hörgenuss bietet sich das Album sicher auch als Filmmusik für ein Creative Commons-Projekt an.

Cool wie Berlin?

Geschrieben von DrNI am Mittwoch, 24. Juni 2009 um 10:53 in Direktsaft, Tübingen
Ist Tübingen so cool wie Berlin? Sicherlich würden das viele nicht so sehen. Aber das kann noch werden, (fast) pleite ist die Stadt schon mal. Es wurde eine Haushaltssperre verhängt, wie das Schäbige Tagblatt zu berichten weiß. Es kann also nicht mehr lange dauern, bis Tübingen auch richtig cool ist und alle hin wollen.

Falls uns die Mietpreise nicht einen Strich durch die Rechnung machen…

Back in Business

Geschrieben von DrNI am Sonntag, 21. Juni 2009 um 22:09 in Rock'n'Roll Backsides
7:43. »Beweisfoto!« schallt es durch das Zimmer und der Gitarrist steht in der Tür und fotografiert mit seinem Handy herum. Zu beweisen gibt es: Sänger und Bassist im Doppelbett. Ich fluche vor mich hin, irgendwie hat das mit dem Wecker nicht geklappt. Schnell Katzenwäsche alle nacheinander, dann begeben wir uns in die gute Stube der gemütlich-rustikalen Pension zum Frühstück. Die Nacht war kurz und ich habe Rückenschmerzen von der Matratze, aber der Kaffee ist gut und die Weckle sind frisch. Eigentlich sollten wir schon aufbauen, aber das Zelt steht noch nicht ganz. Zwischen zwei Bissen von mehreren Sorten Käse fühlen wir uns etwas wie Rockstars: Kostenlos im Hotel übernachten. Nicht mein erstes Mal, aber das erste Mal als Musiker.

Dann schleppen wir die PA ins Zelt und zusammen mit den Rückenschmerzen und dem Selbertragen hat uns die Realität einer feinen aber kleinen hard working Blueskapelle sofort wieder. Der Aufbau läuft wie meistens reibungslos und dann haben wir drei Stunden Spaß. Das Essen ist auch gut.

Da kann man sich schon schlimmere Hobbies vorstellen.

Internet-Zensur beschlossene Sache

Geschrieben von DrNI am Freitag, 19. Juni 2009 um 13:52 in Direktsaft
Irgendwo zwischen Medienrummel um Bildungsstreik und Gesetz zur Patientenverfügung hat unsere liebe Regierung gestern die Einführung der technischen Möglichkeit zur Zensur im deutschen Internet beschlossen. Auch dass über 134.000 Zeichner einer Petition Bedenken anmeldeten, blieb ein von den Politikern nicht respektierter Ausdruck des Volkswillens. Das Volk weiß, was es will. Unsere Politiker wissen, was für das Volk besser ist. Und machen das dann auch. Das heißt also Demokratie. Dabei geht es nicht einmal darum, was besser wäre. Ursula von der Leyen und ihre Kollegen haben sich eine Traumwelt geschaffen und aus der heraus bestimmen sie, was richtig und was falsch ist sein muss – Argumente sind dabei nutzlos.

Anderswo werden Menschen mit derartigem Realitätsverlust von ihren Posten abgezogen, bevor größerer Schaden entsteht. In der Politik lässt man sie so lange machen, bis gar keiner mehr die gemäßigten Parteien der großen Koalition wählt und alle die kleinen Extremen vorziehen, oder bis die Glaubwürdigkeit des Prinzips Demokratie vollends dahin ist.

Eloquenter und mit mehr Hintergründen gibt es die Enttäuschung bei Spreeblick.

Schon vor Tagen fragte sich der Spiegelfechter, ob die Piraten die neuen Grünen werden.

Die Erkenntnis des Tages

Geschrieben von DrNI am Mittwoch, 17. Juni 2009 um 20:03 in d.E.d.T., Tübingen
Tübingen brummt: Stocherkahnrennen, Jugendkulturtage, RACT!-Festival, Markt der Möglichkeiten, Bildungsstreik… und von was berichtet DrNI? Von nichts. Außer von der Weisheit aus dem Wartezimmer: »Ein Gesunder hat tausend Wünsche, ein Kranker nur einen.«

Hatschi!

DrNI: KlingKlangDingDong

Geschrieben von DrNI am Samstag, 13. Juni 2009 um 23:59 in Bass, Klangkonsum, Musizieren
Nach zwei Jahren Bauzeit mit vielen viel zu langen Pausen ohne Muse und ohne Energie für den letzten Schliff ist es nun so weit. Einzelne meinten ja schon, ich solle das Werk wegwerfen und neu beginnen. Das kommt natürlich nicht in meine Tüte. Auch wenn man nach zwei Jahren eigentlich schon weiter ist als das eigene neue Album. Nun denn, so sieht das Dingen aus:


Im Vergleich zum Vorgänger Constant Change, dem ja hierzublog eine ganze Serie gewidmet ist, gibt es über KlingKlangDingDong weniger zu sagen. Es handelt sich um eine bildhafte Klangkollage in vier Stücken, die gegen Ende bis an die Grenzen des allgemeinen Musikverständnisses geht. Die Musikrichtung ist grob geschätzt Ambient vermischt mit experimentellen Klängen. Spätfolgen einer Berliner Schule sind auch zu finden. Die Grundstrukturen sind zumeist im Sequenzer erstellt, darüber wurde improvisiert. Nach erprobter Manier wurden für ein Stück die syntaktisch annotierten Sätze aus der TiGer-Baumbank als Eingabedaten für einen Melodiegenerator benutzt.

Zum Einsatz kommen dabei zahlreiche ungewöhnliche Klangerzeuger, die aber nicht immer als solche auffallen: Gesampelte Stimmen und Salatschüsseln, verfremdete Regentropfen, und auch ein Vocoder ist in einem Stück dabei. Selbstverständlich sind auch diverse Synthesizer beteiligt gewesen, natürlich der OB-12 aber auch ein Juno 106 und die fabulantastische Software ZynAddSubFX, um nur die wichtigsten zu nennen. Bass ist zumeist Bass, elektrisch.

Also auf zum kostenlosen Download von KlingKlangDingDong!


Der Jamendo-Player zum Vorhören:

  

Heute ChillLive!

Geschrieben von DrNI am Donnerstag, 11. Juni 2009 um 16:46 in Klangkonsum, Musizieren, Tübingen
Peinlich, wenn man sich in den eigenen Kommentaren ans Bloggen erinnern lassen muss. Aber natürlich ist auch heute wieder…


Die Session für Ambient und experimentelle Elektronik in Tübingen im Café Haag. Leider ohne ausgefallene Lightshow, aber natürlich wie immer mit frischen und frechen Sounds aus digitalen und analogen Saitenhaltern und zahlreichen Synthesizern.

Los geht's um 21 Uhr, Eintritt frei. Bequeme Sofas sind vorhanden und Cocktails stehen auf der Karte.

Prelisten wie immer auf MySpace.

Zitat

Geschrieben von DrNI am Sonntag, 7. Juni 2009 um 13:54 in Zitate
»Am nächsten Sonntag ist Europawahl. Ich werde England wählen.«
PeterLicht (2007): Wir werden siegen! Buch vom Ende des Kapitalismus. München, Blumenbar

Die Erkenntnis des Tages

Geschrieben von DrNI am Samstag, 6. Juni 2009 um 13:32 in d.E.d.T.
Was lange gärt, wird oft zur Wut.