Die eigene Musik hören
»Marie stands up. "I'm about to do something terrible, so please forgive me." She walks over to her radiocassette, ejects one tape, rummages around and then puts in another, and the two of us sit in the dark and listen to Marie LaSalle. [...]Erfahrungsgemäß hat man sich allerdings an der eigenen Musik nach einiger Zeit sattgehört. Man lässt sie für eine Weile ruhen, vergisst sie fast schon. Wenn sie einem dann später noch gefällt, dann hat man vielleicht gute Arbeit geleistet. Dann ist es weniger eine sexuelle Handlung; das Leben und auch das musikalische Schaffen sind weiter fortgeschritten und es ist auf einmal eher eine alte Momentaufnahme. Wie das Lesen einer alten Abschlussarbeit. Man sieht die Fehler, man genießt immer noch die Stärken, man weiß was man schon alles geleistet hat. Aber der schwüle Dampf aus Blut, Schweiß und Tränen ist verblasst in dieser Erinnerung. Wenn das nicht so wäre, dann würde man vermutlich stehenbleiben. Keine neue Platte mehr machen, nicht mehr üben, nicht mehr proben, aber auch nicht glücklich sein.
"Is this gross or what?" she says after a little while. "It's kind of like masturbation or something, listening to myself for pleasure. How'd you feel about that, Rob? Three hours after we made love and I'm already jerking off."«
(aus: Nick Hornby - High Fidelity)

Manchmal ist es auch nur eine Demo-CD. Nix ernstes, möchte man denken. Aber man nimmt es ernst, man gibt sich Mühe. Geld hat man sowieso nicht für eine »richtige« CD. Also alles selber machen. Alles so gut machen wie es mit den nicht mal so beschränkten Mitteln geht. Die Technik spielt brav mit. Immer und immer wieder, der legendäre First Take lässt Stück für Stück auf sich warten. Nur ein Mal haben wir Glück. Das Mischen dauert dann fast noch länger als das Einspielen. Ohne den Mitbewohner und Tonmann wäre das alles nichts geworden. Und dann ist das Ding endlich fertig, man wirft es in den Player und... denkt an die oben zitierte Stelle des Romans.
Und wer bis hierher gelesen hat kann ja zur Belohnung auch mal reinhören. Mehr als vier Stücke erlaubt MySpace leider nicht.
Applaudiert werden darf dann vor Ort bei den Gigs von Delta B.
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