Bye Bye Potsdam (Golm Campus, 4)

Geschrieben von DrNI am Samstag, 15. September 2007 um 21:40 in Direktsaft, Gebührend studieren
InterCity Express mal wieder, Berlin-Stuttgart direkt durch. Diesmal nicht Jean-Michel Jarre sondern Jack Johnson, schon viel zu lange nicht mehr gehört, seine streichelnden Grooves hauen mir sofort die Birne zu einem emotionalen Brei: Heimat, ich komme. Oder so. Aber es ist nicht nur das Schwabenland, das mich anzieht, es ist es ist die Landeshauptstadt Brandenburgs, das ausgestorbene König- und Kaiserkaff Potsdam, das mir den Abschied nur all zu leicht macht.

Potsdam ist schön. Oder sagen wir eher: Es ist nett. Der K., seines Zeichens deutscher, schweizerdeutscher und britischer Muttersprachler erklärte, daß »nice« schon ziemlich positiv sei, und »very nice« sagt der Brite wenn er was echt super findet. Das deutsche »nett« ist eher eine Abkürzung für »naja, ganz nett halt«. Ich habe es versäumt, den K. nach einer passenden britischen Übersetzung zu fragen. Gestern nun also war man in einer potsdamer Nacht. Ein Freitag Abend. Da waren ein paar Restaurants, man entschied sich für einen Café/Bar-Hybrid in dem es auch was günstiges zu mampfen gab.

Danach gleich nach gegenüber ins Hafthorn. Komischer Name, komische Kneipe. Irgendwo zwischen kultig und übel spelunkig, es läuft früher mal als hart gegolten habende Musik aus unterdimensionierten Boxen und es gibt eine größere Auswahl an Bieren als im Lokal zuvor an Speisen. Man könnte wohl auch »die Kneipe« dazu sagen. Denn wie unser lokaler studentischer Hirte versichert ist da nicht mehr viel. Das Publikum bestätigt das dann auch: Die Hütte ist rappelvoll mit einem bunten Mix an Leuten. Potsdam-Nightlife im Top-Down-Clustering: Ein Cluster ist genug. Stopp. Alle Typen in einem Sack.

Der indische Doktorand ist nett und die Unterhaltung schwappt zwischen Deutsch und Englisch hin und her, man tauscht sich aus über Städte, Universitäten, Erfahrungen. Der K. ist der älteste und hat noch mehr zu erzählen als die meisten seines Alters. Dann schwappt die Unterhaltung mal wieder zu Deutsch und der Inder versteht nichts und weiß nicht um was es geht. »What are you talking about?« »Golm and the Campus.« »OK, you can talk in German«, grinst er nur.

Und damit ist über den Golm Campus der Universität Potsdam das meiste gesagt. Außer vielleicht noch, daß es dort angeblich noch kein Student zwei Wochen am Stück ausgehalten hat. Man muß immer zwischendurch ziemlich lange weg, am besten runter nach Berlin, da wo alle Potsdamer hinfahren. Berlin saugt Potsdam jede Party weg, so fühlt es sich zumindest an, an jenem Freitag Abend downtown. Tübingen in den Semesterferien ist wirklich spannender. Und ich dachte ja, das sei dann ausgestorben.

Zwei Wochen am Stück Golm. Die Fall School war nicht nur für viele Teilnehmer eine Premiere.

Nachtbus

Geschrieben von DrNI am Freitag, 14. September 2007 um 11:55 in Direktsaft

Kastanienallee/Zeppelinstraße:
Der coole Mann mit Lochhose und Hut drückt den Knopf.

Der kleine Wolfgang möchte am Ausgang abgeholt werden

Geschrieben von DrNI am Freitag, 14. September 2007 um 10:21 in Direktsaft
...aber Ihr müßt ihm erst helfen, den Weg zu finden. Wer seinen Unmut gegenüber unserem Paranioaminister demokratisch zum Ausdruck verhelfen will, der kann hier eine Petition unterzeichnen und damit seinen Rücktritt fordern.


Via CdhD.

Ein Moment in Kreuzberg

Geschrieben von DrNI am Donnerstag, 13. September 2007 um 16:02 in Direktsaft
Wir sitzen bei Hasir und alles ist in Bewegung. Deutsch, Türkisch, Durcheinander. Das Essen ist sehr angenehm und die Stimmung ist fröhlich. Eine (ausgesprochene) Schönheit diskutiert mit ihrem Vater, er Bier, sie Cola, beide sprechen Türkisch, er sieht nicht so aus, sie schon. Der Nächste diskutiert bairisch oder fränkisch. Das darf man eigentlich nicht verwechseln, aber hier scheint es für den Moment fast egal. Er bewirft aus Versehen einen türkisch Sprechenden mit einem Papierkneuel, sie scherzen auf Deutsch-Franko-Bairisch. Wir trinken einen Mokka, es gibt ein Glas Wasser dazu wie beim Italiener zum Espresso. Das Lokal erscheint als Prototyp einer wahren Begegnungsstätte. Ohne Mahnmal und Zeigefinger. Einfach nur mit Freude. Ein kurzer schockfrostender Schauer läuft durch mich: Der Gedanke an eine Dorfspelunke, dort wo ich herkomme. Dann wieder die Wärme des Jetzt.

Es könnte alles so anders sein. Auf dem Weg zur U ein riesiger Inder.


Das Foto zeigt Kreuzberg von unten - ein krasser Gegensatz zur Vielfalt ein paar Meter weiter oben.

Die Erkenntnis des Tages

Geschrieben von DrNI am Donnerstag, 13. September 2007 um 12:33 in d.E.d.T.
Ich würde mich nicht trauen, eine koffeinfreie Sojamilch-Latte Macchiato zu bestellen. (Ich glaube auch nicht, daß mir das Getränke munden würde. Ich glaube aber, daß es in Berlin Cafés gibt, in denen man so ein Unding bekommen könnte.)

Wenn die Sonne scheint (Golm Campus, 3)

Geschrieben von DrNI am Mittwoch, 12. September 2007 um 11:55 in English Posts, Gebührend studieren
Wenn die Sonne scheint, dann sieht es doch ganz hinten auch ganz nett aus, auch wenn das Logo eine andere Art von Gebäude vorschlägt, das vielleicht auf einem anderen Campus steht. Weiß ich nicht, da war ich nicht. Das Ende der Fall School ist absehbar. Was nimmt man mit, von den zwei Wochen, in denen man so viel Geld liegen lassen hat? Only time will tell. Und: Das einzig konstante ist die Veränderung. Dann, so zwischendurch, ein kurzer Traum zwischen zwei Sätzen des Dozenten: Wie schön wäre es, jetzt in der Sonne zu liegen und das angestaute Wissen mal einen Tag reifen zu lassen. So wie einen Käse. Aber die nächste Hausaufgabe steht schon im Raum und so wird das neue Wissen schon als Frischkäse genutzt. Zwei Wochen sind kurz, da braucht der Speicher im Gehirn eine hohe Bandbreite, um noch mitzukommen.

Die andere Welt zu Hause dreht sich solange weiter, alles parallel, wie bloggen und zuhören gleichzeitig. Manchmal wünsche ich mir eine paar Konstanten.

Dies ist eine konkrete Anweisung

Geschrieben von DrNI am Mittwoch, 12. September 2007 um 09:52 in Direktsaft
Bombe, Bin Laden, Töten, Djihad, Chemikalien, Wasserstoffperoxid, Nitroglycerin, Plutonium, TNT, Saddam Hussein, Bader-Meinhoff, Ehre, Menschenleben, RAF, Allah, der liebe Gott, Rasta, Ungerechtigkeit, Strafe, Rache, Sünde, Ungläubige, Atombombe, Politiker, Anschlag, Messer, AK-47, Hubschrauber, Boing, Atom-U-Boot, Kapern, Sprengen, Schäuble, Frattini, usw.

(Erklärung)


Via Spreeblick.

Die Erkenntnis des Tages

Geschrieben von DrNI am Dienstag, 11. September 2007 um 09:32 in d.E.d.T.
Grüne Schrift auf schwarzem Grund,
die Laune, sie geht vor den Hund.

Windiger Montag (Golm Campus, 2)

Geschrieben von DrNI am Montag, 10. September 2007 um 15:56 in Direktsaft, Gebührend studieren
Es ist nun so etwa vier Uhr nachmittags und die Mensa hat geschlossen, denn es sind ja auch noch Semesterferien. Kaffeeautomaten gibt es campusweit keine. Das Wetter ist das eines Vorabends des Weltuntergangs. Analog zum hier gebräuchlichen Wort Sonnabend für Samstag schlage ich mal den Begriff Weltabend für einen solchen Tag vor. Käseglocke, kalter Wind. »They call it Stormy Monday«, so beginnt ein bekanntes Blues-Stück. Die Müdigkeit ist mal wieder enorm und draußen die Blechdächer und die ewige Baustelle und die ostalgische Platten-Tristeza machen es kaum besser.

Bis morgen Homework Assignment, noch nichts gemacht oder getan oder gedacht. Zeit (und Geld) werden knapper. »... but Tuesday's just as bad«, so geht der Song weiter. Und wenn man sich in Golm so umschaut und bedenkt, was hier auf dem Campus so rockt, dann geht der Song auch genau so stimmig weiter: »Wednesday's even worse, and Thursday's also sad.«

Morgens müssen hier alle hin, Abends wollen alle nur noch weg. Die wenigen armen Seelen, die in den wenigen Wohnheimen hausen, haben - solange meine Kraft an diesem Ort noch reicht - mein Beileid. »But the eagle flies on Friday, and on Saturday I go out to play« Samstag geht's nach Hause, mal ausschlafen am Sonntag, mal in Tübingen eintauchen, wo das Lehrangebot sehr dürftig ist, dafür 602€ pro Semester kostet. Fragt man hier in Potsdam lokale Studenten, so wird man noch viel schlechteres hören als man von zu Hause gewohnt ist. Dann um die Ecke ist man verloren und geborgen in Berlin wo Tag und Nacht eins werden am Wochenende.

»Sunday I go to church, get down on my knees and pray.
I say Lord, oh Lord, please bring my babe back to me.«

(Turnaround und Ende.)

Innerbettische Grenze

Geschrieben von DrNI am Montag, 10. September 2007 um 11:33 in Direktsaft
Zwei Matratzen in einem Bett. Eine Grenze, eine Unbequemlichkeit, ein Skandal einer Annahme über Mann und Frau. Mir die meine, ihr die ihre Seite. Auf der Suche nach Wärme (oder mehr) übertrete ich sie. Zur Strafe eine Nacht in der Ritze. Und Rückenschmerzen. Aus Liebe.