Bye Bye Potsdam (Golm Campus, 4)

Potsdam ist schön. Oder sagen wir eher: Es ist nett. Der K., seines Zeichens deutscher, schweizerdeutscher und britischer Muttersprachler erklärte, daß »nice« schon ziemlich positiv sei, und »very nice« sagt der Brite wenn er was echt super findet. Das deutsche »nett« ist eher eine Abkürzung für »naja, ganz nett halt«. Ich habe es versäumt, den K. nach einer passenden britischen Übersetzung zu fragen. Gestern nun also war man in einer potsdamer Nacht. Ein Freitag Abend. Da waren ein paar Restaurants, man entschied sich für einen Café/Bar-Hybrid in dem es auch was günstiges zu mampfen gab.
Danach gleich nach gegenüber ins Hafthorn. Komischer Name, komische Kneipe. Irgendwo zwischen kultig und übel spelunkig, es läuft früher mal als hart gegolten habende Musik aus unterdimensionierten Boxen und es gibt eine größere Auswahl an Bieren als im Lokal zuvor an Speisen. Man könnte wohl auch »die Kneipe« dazu sagen. Denn wie unser lokaler studentischer Hirte versichert ist da nicht mehr viel. Das Publikum bestätigt das dann auch: Die Hütte ist rappelvoll mit einem bunten Mix an Leuten. Potsdam-Nightlife im Top-Down-Clustering: Ein Cluster ist genug. Stopp. Alle Typen in einem Sack.
Der indische Doktorand ist nett und die Unterhaltung schwappt zwischen Deutsch und Englisch hin und her, man tauscht sich aus über Städte, Universitäten, Erfahrungen. Der K. ist der älteste und hat noch mehr zu erzählen als die meisten seines Alters. Dann schwappt die Unterhaltung mal wieder zu Deutsch und der Inder versteht nichts und weiß nicht um was es geht. »What are you talking about?« »Golm and the Campus.« »OK, you can talk in German«, grinst er nur.
Und damit ist über den Golm Campus der Universität Potsdam das meiste gesagt. Außer vielleicht noch, daß es dort angeblich noch kein Student zwei Wochen am Stück ausgehalten hat. Man muß immer zwischendurch ziemlich lange weg, am besten runter nach Berlin, da wo alle Potsdamer hinfahren. Berlin saugt Potsdam jede Party weg, so fühlt es sich zumindest an, an jenem Freitag Abend downtown. Tübingen in den Semesterferien ist wirklich spannender. Und ich dachte ja, das sei dann ausgestorben.
Zwei Wochen am Stück Golm. Die Fall School war nicht nur für viele Teilnehmer eine Premiere.







