Kommentar zu GEZ-Neologismen und das Ende einer Abmahnung

Geschrieben von DrNI am Freitag, 31. August 2007 um 10:11 in Computational Linguistics, Direktsaft
Wie berichtet kam die GEZ neulich auf die Idee, einen Site-Betreiber abzumahnen. Daraus resultierte für mich ein protestierender Programmschnipsel zum Generieren von GEZ-Komposita, der anderswo als Code-Art bezeichnet wurde. Was ich bisher vergaß anzumerken, bzw. eigentlich implizierte ich es irgendwie, aber die GEZ schrieb es in ihrem Abmahnschreiben an akademie.de ja selbst:
»1.) Falsche Einzelbegriffe
Hierzu zählt zunächst die Nutzung nicht existenter Begriffe, die offenbar nur dazu dient, ein negatives Image der GEZ hervorzurufen.«
Das ist eigentlich der Punkt, an dem der Computerlinguist lachen und heulen muß: Gäbe es wirklich nur richtige und falsche Begriffe, dann hätten wir ein Problem weniger, wir könnten einfach eine große, fette, superdicke Datenbank machen mit allen richtigen Begriffen. Wer einen falschen Begriff verwendet ist eben doof und muß sich nicht wundern, wenn der Computer nicht mitmacht. Aber es ist doch so: Man kann neue Begriffe kreieren. Lothar Lemnitzer sammelt diese sogar halbautomatisch mit seiner Wortwarte - täglich kommen neue hinzu. Und selbst das von mir entwickelte Programm zeigt, daß die völlig zufällige Kombination von GEZ- mit deutschen Nomen durchaus zu Kombinationen führt, denen man intuitiv einen gewissen Sinn zuordnen kann:



Die »nicht existierende Wörter« sind also nicht existent, denn sie werden allein dadurch schon existent, daß die abgemahnte Partei sie verwendet.

Ob nun das innerhalb von nicht mal 24 Stunden entstandene supernegative Image der GEZ in der Blogosphäre etwas bewirkt hat, das kann ich nicht sagen. Sicher ist eines: Nachdem die GEZ-Abmahnstory bei Heise und Spiegel Online nachzulesen war machte man einen Rückzieher, wie ebenfalls Heise berichtet.

Ich habe unterdessen auch den GEZ-Werbespot mit Julia Hummer gesehen und muß sagen: Abhauen ohne zu zahlen ist echt uncool. Noch uncooler ist es aber, andere Leute abzocken zu wollen. Zum Beispiel mit dem Abmahnen von gewöhnlichem Sprachgebrauch.

Daher: Gebt unsere Gebühren bitte in Zukunft lieber für Filme mit Julia Hummer (z.B. Die Innere Sicherheit) im Fernsehprogramm aus - anstatt für doppelmoralische Werbespots und Abmahnanwälte.

Die Erkenntnis des Tages

Geschrieben von DrNI am Freitag, 31. August 2007 um 09:10 in d.E.d.T.
Fremde Kaffeemaschinen machen fremden Kaffee.

Die totale Nacht

Geschrieben von DrNI am Mittwoch, 29. August 2007 um 15:55 in Buschpoet

Sterne am Firmament
weiße Pickel stören
die totale Nacht
schweigt um sich zu empören.
Ein Rind rülpst
die Stille zu zerstören,
der Wurm ist um den Schlaf gebracht.

Brüste im Kettenhemd
versuchen zu betören
die totale Nacht
bekommt das Rasseln zu hören.
Ein Schwein wichst
und draußen die Gören
lauschen asthmatischem Schnaufen. Eine, die lacht.

Der Mond, die weiße Scheibe
öffnet sich und schüttet ganz trostlos
mitten in seine Bleibe
vom Frühstück das Toastbrot

Die unglaublichen Abenteuer des Herrn Rasdavon (1)

Geschrieben von DrNI am Dienstag, 28. August 2007 um 13:27 in Unreine Fiktion
Herr Rasdavon war Hobby-Outlaw. Seine Kollegen kannten ihn als stets zuverlässigen Beamten, der sich nicht nur durch großzügige Spenden an die Kaffeekasse hervortat. Vielmehr war er so gut in seiner Tätigkeit, daß es ihnen fast schon unangenehm war. Ihm war noch nie ein Fehler unterlaufen und er setzte den Maßstab, an dem sich nach Meinung der etwas höheren Tiere jeder zu halten hatte. Sein Äußeres war stets gepflegt. Es hatte einen angebracht-biederen Stil, der jeglichem Publikumsverkehr sofort mitteilte, man habe es hier mit einem seriösen Finanzbeamten zu tun.

Herr Rasdavons Vorgesetzter, ein gewisser Herr Stantepede, war Hobby-Radfahrer. Frau Locke, die Sekretärin, war ungewöhnlich, sie verbrachte ihre Freizeit mit einer elektrischen Gitarre, dem Vorbild von Doro & Warlock nacheifernd. Von Herrn Rasdavons Freizeitbeschäftigungen war den Kollegen im Finanzamt nichts bekannt. Er schien so etwas wie Freizeit weder zu haben noch nötig zu haben.

Doch die Wahrheit war eine andere. Herr Rasdavon war Feierabend-Rebell. Nach Hause gekommen hängte er sein Jackett säuberlich auf, ebenso wie er die anderen Kleider gepflegt verstaute. Dann begann die Verwandlung. Meist stand er vor dem Spiegel, nun nur noch bekleidet mit einer Schiesser Feinripp. Für Feinripp-Unterhosen gab er monatlich eine nicht unbeträchtliche Summe aus. Sie spielten eine initiale Rolle bei der allabendlichen Verwandlung.

Er stand also da, packte die Unterhose mit beiden Händen und riß sie entzwei. Mit einem großen Satz hüpfte er zur Stereoanlage, die er ansonsten nicht benutzte. Meistens war schon eine passende Scheibe im Laufwerk. Black Sabbath langweilten ihn schon fast, Motörhead mochte er lieber, aber auch Korn und Rage against the Machine. Während die Mischung aus Gitarrenriffs und Geräusch seine bescheidene Wohnung durchstürmte kleidete er sich an.

Die übliche Garderobe eines Hobby-Outlaw besteht aus Lederhose, Cowboystiefeln, Lederjacke mit Fransen, Tabakbeutel, und so weiter und so fort. Herr Rasdavon war bestens ausgestattet. Sein besonderes Highlight war der Helm. Ein Integralhelm wäre viel zu spießig gewesen. Er hatte einen Stahlhelm mit Spitz, original aus der Zeit von Wilhelm II. Nach dem Ankleiden pflegte Herr Rasdavon sich einen Jackie Cola einzuschenken, eine konisch geformte Kippe zu drehen und die bestiefelten Beine für ein Viertelstündchen auf den Tisch zu legen.

Die Harley hatte er mit viel gutem Zureden auf seinen Nachbarn angemeldet. Nur so, dachte er, würde die KFZ-Steuer, die er dem Nachbarn selbstverständlich bezahlte, vor den Kollegen im Finanzamt verborgen bleiben.

Nach dem Jackie Cola schwang er sich auf sein Stahlpony und ritt in die Prärie hinaus. Der untergehenden Sonne entgegen. Irgendwo war immer etwas geboten. Am liebsten waren ihm natürlich Konzerte. Wenn da nichts zu holen war, dann begnügte er sich mit einer lauten Rock-Disco oder einer stinkenden Spelunke mit mindestens vier Geldspielautomaten.

Wenn er dann nach Mitternacht nach Hause kam fiel er meist müde und betrunken, gelegentlich auch stoned, gleich nach dem er die Kluft in die Ecke geworfen hatte, steingleich ins Bett, wo er nach meist traumlosem Schlaf als Finanzbeamter wieder erwachte.

Und so wäre das vermutlich weitergegangen bis in alle Tage. Doch es geschah das Unvermeidliche. Er wußte keine Details, nicht mehr. Es war ein Freitag Abend gewesen und die Party war irre. Rock 'n' Roll wie er im Buche steht, selbst Judas Priest und Ozzy Osbourne wären vor Neid bunt angelaufen. Die beste Band seit langem. Dann riß der Film.

Als der Filmvorführer der Biographie von Herrn Rasdavon den Rest des Streifens gefunden und eingelegt hatte, barst Sonnenlicht durch ein Fenster. Es war nicht sein Bett. Ein Nachttischchen, Schublade offenstehend, er erblickte eine Großpackung Kondome. Unter dem altbackenen Schirm der Lampe ein trüber Spiegel und ein 50-Euro-Schein. Seine Zähne drückten und die Nase juckte. Er wollte sich kratzen, aber jemand lag auf seinem Arm. Langsam drehte er den Kopf hinüber und blickte in das augenberingte Gesicht von Frau Locke.

Es klopfte an einer Tür. »Petra!«, rief eine nicht unbekannte Stimme.
»Petra, ich hab Brötchen mitgebracht.«
Sie schnarchte. Das Licht wurde dunkler. Eine Person im Fenster.
»Petra?«
Herr Stantepede stand wie angewurzelt und starrte.

Die Erkenntnis des Tages

Geschrieben von DrNI am Dienstag, 28. August 2007 um 13:03 in d.E.d.T.
Klavierkinder zeugen Arschlochkinder.

Fisch

Geschrieben von DrNI am Samstag, 25. August 2007 um 12:43 in Buschpoet
Ich esse was
weil ich es tun muss.
habe Hunger
aber keine Spur von Genuss.

Ich denke ich koche
mal wieder nicht
weil ich zu faul bin:
Würgen am Fertiggericht.

Ich fresse vor mich hin
ganz für mich am Tisch
nun bist du weg
und magst keinen Fisch.

Für mich brutzeln,
alleine macht es keinen Spaß
nun bist du weg.
Doch kein Bock auf den Fraß.

Ich kann's, ich tu's nicht, egal
du kannst's nicht und tust's doch, normal.
Wenn's anders wär, zu gut, fatal.

Und alles wegen dem Fisch
alleine sitz ich am Tisch
Und Hering paddelt in der Dose
Senf- oder Tomatensoße?

Was machst du denn so?

Geschrieben von DrNI am Freitag, 24. August 2007 um 14:57 in Buschpoet
Du machst es, nennst es Blues,
isses aber nich, sagen sie.

Dann machst du eben Jazz,
isses auch nich, sagen sie.

Nimmst du nen Stift für ein Gedicht,
isses halt auch nich, sagen sie.

Machst du halt irgendwas, Kunst,
aber nein, isses nich.

Was isses denn dann,
was isses dann?

Zu wenig Delta,
zu wenig Sieben-Achtel,
zu wenig Schema und kein Reim,
und außerdem, kann ja jeder, gib mir nur fünf Minuten.


Was isses denn dann,
jetzt sag doch mal.

Hier haste deine fünf Minuten
jaja nich dein Niveau.
(»Prost«, würgen, schlucken.)

Was machst du denn so?

Erwartungen

Geschrieben von DrNI am Freitag, 24. August 2007 um 08:58 in Buschpoet
Zoom
Was erwartest du denn?
Ich erwarte doch nichts.
Wieso?
Weil das bekomme ich bestimmt.

Ja von wem bekommst du es denn?
Na von dir, dachte ich.
Wieso?
Weil ich von dir immer was bekommen hab.

Und du glaubst, daß das immer so geht?
Ich glaube nicht, ich hoffe.
Wieso?
Weil ich nicht gläubig bin und auch nichts weiß.

Was weißt du denn nicht?
Was ich noch erwarten soll.
Wieso?
Weil es egal ist, am Ende bekomme ich nichts.

Was erwartest du also?
Ich erwarte nichts.
Wieso?
Weil nichts sicher ist, damit kenne ich mich aus.

Was...?
Schnauze!
Wieso?
Weil. Und so.

GEZ-Komposita zum automatischen Selbst-Abgemahnt-Werden

Geschrieben von DrNI am Donnerstag, 23. August 2007 um 23:35 in Direktsaft
In einem nicht näher genannten Blog kommentierte ich bezüglich der Absurdität der aktuellen GEZ-Maßnahme (Abmahnung einer Site, die Wörter wie »GEZ-Brief« verwendet mit der Begründung, dies verursache ein Image-Schaden). Mein Kommentar wurde kommentarlos entfernt, wohl weil ich etwas zu semilinguistisch abgebrabbelt hatte. Der Gedanke war in etwa folgender: Im Deutschen ist die Bildung von Komposita sehr produktiv. Auf Normaldeutsch: Man kann unendlich viele zusammengesetzte Wörter im Deutschen bilden und - das ist was »produktiv« auf Linguistisch aussagt - das ganze wird ad-hoc, also neudeutsch on-the-fly gemacht.

Das geschieht sowohl beim Sprechen als auch beim Schreiben. Diese Wörter werden vom Hörer oder Leser auch intuitiv verstanden. Das ist ja nun wahrlich kein Geheimnis. Allerdings: Man kann also auch mit dem Wort »GEZ« (als Abkürzung für Gebühreneinzugszentrale) nahezu beliebig viele Komposita bilden. Daraus folgt, daß man auch nahezu beliebig viele Gründe für Abmahnungen schaffen kann.

Um die Blogosphäre dabei zu unterstützen, den GEZ-Anwälten (schon wieder ein Kompositum) Arbeit zu beschaffen, habe ich also ein kleines Programm entwickelt. Hier ist die Ausgabe des Programms:



Wer diese Seite neu lädt bekommt natürlich auch zehn neue GEZ-Wörter serviert. Die Stratgie ist denkbar simpel, es wird einfach auf eine Liste mit 36.218 deutschen Nomen zurückgegriffen, die aus einem annotierten Korpus extrahiert wurden.

Da wir ja im Zwo-Null-Zeitalter leben gibt das Programm nicht HTML sondern XML aus. Unter dieser URL könnt Ihr also Eure Anwendung darum herum stricken.

Oder einfach wie folgt in HTML einbinden, dann sieht es aus wie oben:
<iframe src="http://www.drni.de/niels/weblog/gez-komposita.php?w=10" ></iframe>
(Wobei der Parameter w=10 die Anzahl der Wörter angibt, 1 bis 100 sind zulässige Werte.)

Viel Vergnügen.


Nachtrag und Anmerkung: Internet Exploder steht mir nicht zum Test zur Verfügung, bitte selbst testen und berichten.
Noch ein Nachtrag: Wer JavaScript liebt kann die HTML-Einbindung auch mit Reload-Funktion gestalten, indem er diesen Code benutzt.
Nachtrag/Update 31.08.2007: Bitte beachtet auch diesen Post, der noch weitere Erklärungen liefern soll.

Neues aus der lexikographischen Abteilung der Gebühreneinzugszentrale

Geschrieben von DrNI am Donnerstag, 23. August 2007 um 19:28 in Direktsaft
Neulich erst wurde ich in den Kommentaren dazu aufgefordert mir nicht von drohenden Abmahnungen das Maul verbieten zu lassen. Nun, die Redefreiheit für im Internet veröffentlichende Deutsche ist schon ziemlich im Eimer, wie ein neuer Abmahnfall zeigt: Die Gebühreneinzugszentrale (GEZ) verbietet anderen Leuten den Mund, weil diese Wörter benutzen, die ihr nicht passen. Begründung: Das würde ein negatives Licht auf die GEZ werfen.

Dabei wurden den Betroffenen nach eigener Meldung anscheinend zwei Tabellen mit insgesamt 30 Wörtern geschickt. Zu jedem Wort eine offizielle GEZ-Übersetzung. (In der Tabelle, die wohl bald an Gsallbahdr geschickt wird, werden es also schon 31 Einträge sein, dank »GEZ-Übersetzung«.) So darf z.B. der »GEZ-Verweigerer« nicht so heißen. Das würde ja ein schlechtes Licht auf die GEZ werfen. Stattdessen heißt er »Schwarzseher«.

Auch die Verwendung des einfachen Wortes »GEZ-Gebühren« soll demnach unerwünscht sein. Man darf nur »gesetzliche Rundfunkgebühren« schreiben.

Muß ich jetzt schon mal eine PayPal-Spendenbox einrichten und heischend wimmern um die Kosten der GEZ-Übersetzung meines Posts tragen zu können? Andere Einnahmequellen? Wenn ich in der Fuzo musiziere krieg ich bestimmt Ärger mit der GEMA...


Via Spreeblick.
Nachtrag 1: Google Blogsearch fördert mehr darüber zu Tage, unter anderem Gedanken über Neusprech und eine nette Glosse. Aber nun wissen wir wenigstens, was die mit unseren Gebühren wirklich machen.
Nachtrag 2: 5.100€ sind schon ein stattlicher Betrag für eine Privatperson.