Arbeits-Verhältnisse

Geschrieben von DrNI am Freitag, 29. Juni 2007 um 10:31 in Gebührend studieren
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Gerade habe ich folgendes festgestellt: Für eine Viertelstunde Arbeit in meinem Nebenjob bekomme ich das 4,69-fache von dem, was ein Freund für eine Stunde Arbeit im Praktikum bekommt. Und außerdem: Für eine Stunde Arbeit in meinem Praktikum erhielt ich das 3,57-fache von dem, was er pro Stunde verdient.

Es gibt also nicht nur Ungleichheiten zwischen Hauptschule, Realschule und Gymnasium oder zwischen Studenten und Nicht-Studenten - sondern auch zwischen Studenten und Studenten. Je nach dem, was man studiert.

Irgendwie passt mir das nicht. Er arbeitet mindestens so hart wie ich, nur eben etwas anderes.

Neuer Morgen

Geschrieben von DrNI am Donnerstag, 28. Juni 2007 um 09:30 in Direktsaft
Ich sitze hier mit einer großen Tasse Earl Grey und höre meinen Liebglingsalternativchaotenradio, die Wüste Welle. In Tübingen auf 97.45MHz im Kabel. Das ist noch so eine Verbesserung gegenüber dem bisherigen Wohnort. Da bekam ich diesen Sender nur mit viel Gefrickel über eine selbst gebaute Antenne rein. Und das auch nur mono. Zu weit weg. Kabel gibt es nicht. Und so sitze ich hier mit meinem Tee und es läuft ein mir bis gerade unbekanntes Stück von Björk. Ein neuer Morgen. Einer, an dem wirklich etwas neu ist.

Und wenn Björk ausgesungen hat höre ich PeterLicht

Kleiner Mutant

Geschrieben von DrNI am Samstag, 23. Juni 2007 um 22:51 in Buschpoet
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Irgendwo da draußen ist ein Ich,
das immer alles richtig macht.

Irgendwo ist eine Kopie,
die passend leise schweigt.

Irgendwo ist eine Version,
die nur Interessantes sagt.

Stadtbekannt,
ein kleiner Mutant,
zur geistigen Größe ernannt.

Und doch nach irgendwo verbannt.

Blogcensus Claim

Geschrieben von DrNI am Donnerstag, 21. Juni 2007 um 12:44
1 : [31840cb46b8070cc]
2 : [924138275a08ffc1]
3 : [425a95297cd79698]
4 : [093996ccb21ee8dc]

(Erklärung kuckst du da.)

Sommerhitze

Geschrieben von DrNI am Mittwoch, 20. Juni 2007 um 19:57 in Direktsaft
Das Außenthermometer meines Mitbewohners zeigte 31,5° im Schatten. Also auf in die Uni. Das Fahrrad ist andernorts, also die nicht optimale Busverbindung ausgenutzt. Dann der Rückweg. Unfall, Straße in eine Richtung zu. Andere Richtung also, man kann es sich ja quasi heraussuchen wie man um den Berg herumfahren möchte zur neuen Bleibe. Es gibt nur zwei Arten von Bussen im Sommer: Schockfrostende klimatisierte Erkältungsbazillenfreudenwohnmobile und mit warmem und kaltem Schweiß gefüllte rollende Saunen. So war auch die Abfolge heute. Und dann sitzt man da im Pheromonnebel und erblickt wieder dieses Schild:

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Das dampfende Hirn versucht nun, diesen Satz zu analysieren: »Wer keinen gültigen Fahrschein gekauft, entwertet oder ihn verloren hat und nicht vorzeigen kann zahlt 40€ und muss mit strafrechtlichen folgen rechnen.« Verwirrend. Herr Sick vom Zwiebelfisch wäre begeistert. Also linguistisch belasteter Mensch denkt DrNI eher an Wahrheitsgehalte und was die Verben als Funktionen auf den Mengen denn da so anstellen und mit dieser Herangehensweise wird es komplett idiotisch. Einen solchen Satz kann man nicht logisch verstehen, man kann seine Bedeutung nur erraten.

Ein formaler und dennoch formloser (im Sinne von keiner bestimmten Theorie folgender) Versuch:

gekauft(Wer, keinen gültigen Fahrschein)
ODER
entwertet(Wer, keinen gültigen Fahrschein)
ODER
(
  verloren(Wer, keinen gültigen Fahrschein)
  UND
  nicht(kann(Wer, vorzeigen(keinen gültigen Fahrschein )
)
...


Wer also keinen gültigen Fahrschein entwertet hat, der ist dran. Nicht dran ist also, wer einen ungültigen Fahrschein entwertet hat oder einen gültigen Fahrschein entwertet hat. Wer ihn verloren hat und nicht vorzeigen kann ist auch dran. Wer ihn verloren hat und ihn vorzeigen kann aber wohl nicht. Hm.

Und da beschwert sich gestern ein mir nicht unbekannter, der Sprachgebrauch seiner Kinder gehe immer mehr in Richtung »schlampig« - ich sagte ihm, das sei doch kein Problem, so lange man sich verständigen könnte. Im wesentlichen würde das dann schon noch Grices Konversationsmaximen entsprechen. Im Moment scheint es mir jedenfalls besser, als mit vielen langen Sätzen wenig viel sinnvolles abzusondern. Das gilt auch für Schilder im Bus.

Hat eigentlich mal jemand regulär keinen gültigen Fahrschein, also einen ungültigen Fahrschein gekauft?

Warum ein Zimmer für die Musikmöbel unweigerlich zu FreeBSD führt

Geschrieben von DrNI am Mittwoch, 20. Juni 2007 um 08:51
Die Technik sollte dem Menschen dienen. Oft ist es genau umgekehrt. Dann verliere ich schnell die Lust. Um nun also mir zu dienen mußte die Technik den Gegebenheiten in der neuen Bleibe angepasst werden. Der Luxus eines eigenen Musikzimmers führte unweigerlich dazu, daß der Computer zweigeteilt werden mußte. Das macht man natürlich ungern. So wurde zunächst ein Netzwerkkabel als »Multicore« mißbraucht um die Musik vom einen Zimmer zum anderen zu transportieren. Entsprechende Trafoübertrager (DI-Boxen) und passende Eingänge im Arbeitszimmer vorausgesetzt. Dann sollte an den Computer einfach ein grafisches X-Terminal angeschlossen werden.

Mancher erinnert sich vielleicht gar nicht mehr an den AMD K6-2 Prozessor. Ist auch egal. Man stelle sich etwas schneckenhaft kriechend langsames vor. Also genau das richtige alte Gerät, aus dem man ein X-Terminal machen könnte. Dachte ich. Schon vor über einem Jahr. Ich ließ den Linux-basierten PXES Thin Client von CD booten, die Konfiguration holte er sich über das Netzwerk. Meine hochgeschätzte Gefährtin arbeitete damit bis jetzt ohne Probleme mehrmals die Woche.

Nun die neue Situation: Das Terminal soll zwei Bildschirme ansteuern und es gibt keinen passenden Server mehr. Ein anderes Linux mußte also her. Ich fing an mit Damn Small Linux. Es konnte nicht booten und kann auch nicht als volles X-Terminal dienen. FlashLinux wollte die Installation nicht starten. Debian brach dieselbe unkommentiert ab, vermutlich weil die 512MB große CompactFlash-Karte, die als Festplatte dient, voll war. OpenSuSE mochte sich nicht auf einem System mit 128MB RAM installieren lassen. Und so kam ich weg von Linux und hin zu FreeBSD, das schon fast traumhaft leicht auf der alten Kiste zu installieren war. Nachdem ein für mich bedienbarer Editor installiert war lief auch bald X.org auf zwei Bildschirmen.

Doch dann: Tot. Maus friert fest. Nichts geht mehr. Memtest86 laufen lassen. Keine Fehler, der Speicher ist in Ordnung. Ein Modul ausgebaut, mit 64MB sofort ein Hänger. Es ist also Speichermangel! Schnell zum Computerladen und viel zu viele Mäuse für 2x256MB RAM hinlegen. Daheim einbauen, Maschine läuft, DrNI glücklich. Am nächsten Tag: Zapp - Maus friert fest. Speichermangel! Feststellung: X.org frißt ihn unter FreeBSD einfach komplett auf, den Speicher. Nachtschicht eingelegt, neues X.org installiert (ging recht flott und bequem), X-Terminal über Nacht im Dauerbelastungstest wieder abgekackt.

Wenn mir jemand erklären kann, warum ein Programm zur Darstellung von 2x 1024x768 bei 24bit Farbtiefe über 300MB Speicher braucht, bitte in den Kommentaren melden.

Ich werde solange versuchen, absturzfrei zu arbyten.


Und während ich so schrieb fiel eine der vier Audioleitungen von drüben spontan aus...


Nachtrag 24.06.07: Das Update von X.org half - das Memory Leak war damit verschwunden. Was blieb war ein BSD-Kernel,der SIGSEGV an X sendete. Das ist entweder schlechte Programmierung oder ein Speicherfehler. MemTest86 fand heraus, daß eines der nagelneuen Module defekt war. Über die Unfreundlichkeit lokaler Computerhändler berichte ich das nächste Mal, wenn ich hin muß.

Jetzt und hier und dann und dort

Geschrieben von DrNI am Sonntag, 17. Juni 2007 um 10:30 in Direktsaft
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Die Kirchenglocken läuten. Sonntag morgen, ein erster Morgen in einem einer neuen Bleibe, auf Deutsch Wohnung, also abgeleitet von Wohnen. Ich wohne noch. In mitten von Kartons, ohne Suchen keine frischen Klamotten, keine CDs, nur die Fachbücher und der weitere Uni-Krempel sind ausgepackt, Internet soll morgen funktionieren. Man bleibt gespannt.

Bisher gab es keine Kirchenglocken. Nur eine lärmende Hauptstraße war vorhanden. Und wenn es auf dieser mal etwas ruhiger war, dann wurde im Round-Robin-Verfahren Rasen gemäht. Jetzt sitze ich hier vor meinem Laptop, in mitten eines Industriegebiets im Unistädtchen. Kein Mensch scheint zu wissen, daß man hier wohnen kann. Man kann. Es gibt nicht nur Autohändlern, ein Busdepot und eine Baufirma als Nachbarn sondern auch Leute, die hier wohnen. Oder sie leben sogar schon.

Und man kann lüften, ohne daß einen der Lärm killt. Der Lärm der Hauptstraße im Kuhnest. Hornbach ist nicht weit. Es gibt immer was zu tun. Vor allem sicherzustellen, daß das Leben aus dem Karton nicht zu einem Normalzustand wird.

Das Musikzimmer ist jedenfalls noch nicht im Ansatz eingerichtet.


Anmerkung: Das Foto zeigt allerdings ein anderes Haus als die neue Bleibe.

Lecture Note (1)

Geschrieben von DrNI am Dienstag, 12. Juni 2007 um 09:32 in English Posts, Gebührend studieren
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Listening to a talk about a book I've read already. The speaker must be afraid of the audience. She's rushing through the slides in a cold mood, reading a lot of text directly. I feel like leaving, I can't, I don't dare to sleep in here. Afraid of annoying people with my snoring, perhaps. Maybe I'm just so overwhelmingly nice - I'll never make it anywhere this way. Instead of performing an offending public snoring session in class me & myself start some deep thinking about life and the mess it is. All of a sudden I wish to be able to play the guitar. Some nonsensical sensitive song about love in the summer rain... it comes to my mind that I can't sing either.


Comment: I tend to think and therefore write in the language that surrounds me. My lectures resp. seminars are usually taught in English.

G8: Es bleibt uns der Wind

Geschrieben von DrNI am Montag, 11. Juni 2007 um 10:07 in Direktsaft
Vorbei, das Treffern der Vertreter der G8-Staaten. Vorbei, der absolute Gipfel. Was haben wir erreicht? Man spricht von Erfolg. Die Wildwest Presse fand dafür am Freitag in ihrem Leitartikel schöne Worte:

»Die acht wichtigsten Industriestaaten der Welt haben sich geeinigt,
zu erwägen, die Treibhausgas-Emmissionen bis 2050 zu halbieren.«

(Hervorhebungen von mir, Rechtschreibfehler von denen)

Ich stelle mir gerade vor, wie das ist, so als Prokurist einer Firma. Der Prokurist kommt zu seinem Chef zurück, gerade vom Flughafen, treffen mit den Vertretern eines potentiellen Großkundens. »Es war ein Voller Erfolg! Wir haben uns geeinigt, zu erwägen, ab 2050 50% unserer Charge von Produkt XYZ an sie zu verkaufen.« Man stelle sich vor, wie entzückt der Vorgesetzte wäre. Was für ein definitiver Erfolg.

Aber ich möchte meine Leser ja nicht mit dem Klimaschutz langweilen. Schließlich wissen wir seit Jahrzehnten, daß wir unseren blauen Planeten in einen graubraunen verrottenden Schimmelpilz konvertieren, wenn wir so weitermachen wie bisher. So langsam kommt das auch beim kleinen Mann an, denn es lohnt sich. Das Gehirn in der Gesäßtasche funktioniert immer noch am besten. Die Solaranlagen wachsen allerorten aus den Dächern, der Wasserverbrauch sinkt und vielleicht wird des Deutschen liebstes Spielzeug, das Auto, auch bald Ziel von Sparplänen.


Es gibt aber auch Menschen, die vom graubraunen verrottenden Schimmelplanetenpilz nichts wissen willen. Die sind meistens Politiker und Konzernchefs. Die leben sowieso in einer anderen Welt. Ein Trugschluß, daß sie anderes Gemüse äßen und andere Luft atmeten.

Aber es gibt Erkenntnisse des Gipfels. Wir wissen nun, wie man in Deutschland mit den Leuten umgeht. Allerlei Repressalien und Durchsuchungen, die Medien verschlucken sich an falschen Agenturmeldungen und stellen jegliche Berichterstattung in Frage. Die Bundeswehr darf irgendwie doch im Inland auftreten, oder auch nicht, jedenfalls tut sie es. Und allerlei bizarre Randerscheinungen, wie Einreiseverbote aufgrund von Piratenflaggen. Und Käfighaltung von Demonstranten haben wir auch gesehen. Es wird Jahre dauern, bis das rechtlich alles vertuscht aufgearbeitet ist. Kosten, die vermutlich in der offiziellen Abrechnung nicht auftauchen werden.

Keine Frage, die randalierenden Demonstranten sind keine Demonstranten mehr sondern blöde Säcke. Und Polizisten in Zivil als Demonstranten sind mindestens zweifelhaft, lassen sie doch schnell an die gewollte Aufstachelung des Pöbels beim G8-Gipfel 2001 in Genua denken. Gewalt ist nicht gut, wissen wir. Aber andererseits wissen wir auch, daß die deutsche Polizei sich dazu in der Lage sieht, ohne Vorwarnung Tränengas und Wasserwerfer einzusetzen. Dieser Umgang mit den Menschen macht sicherlich wütend. Und wer sowieso Krawallidiot ist braucht dann keine weiteren Gründe mehr.

»Aber wie immer, wenn blutende Kinder mit dem Finger aufeinander zeigen, haben beide ihren Teil dazu beigetragen, dass es Tränen gab.«, schrieb Spreeblick.


Via Rabehorst. Der Titel dieses Eintrags ist inspiriert vom Songtitel »Es bleibt uns der Wind (Du bist richtig hier)« von PeterLicht

G8: Inlandseinsatz der Bundeswehr?

Geschrieben von DrNI am Donnerstag, 7. Juni 2007 um 10:24 in Direktsaft
Je länger die Demonstrationen gegen den G8-Gipfel und die Gegenmaßnahmen anhalten, um so weniger weiß man. Es passieren allerlei seltsame Dinge. Die Aussagen von Demonstranten stehen gegen die von Polizisten und bei manchem Fall bleibt nur ein ominöses Foto und eine Verhaftung des Fotografen. (Siehe auch G8 TV.) Die Berichterstattung in den Medien ist von zweifelhafter Qualität.

Eines ist sicher, die mit Gewalt ausgetragenen Proteste waren nicht gerade das, was wir gebraucht haben. Letztendlich legitimiert diese Gewalt die politische Panikmache unserer Paranioaminister. Und die gehirnbefreiten Massenmedien unterstützen das natürlich gerne: Wir brauchen härtere Strafen, mehr Überwachung, mehr Kontrolle, und so weiter.

Warum also nicht gleich die Bundeswehr? Der ist ja nichts zu schwer und gegen so einen netten Panzer kann man auch mal Steine werfen, das schadet zwar dem Lack, tut aber den Leuten darin nicht weh. (Ein Schelm, wer nun auf den Gedanken kommen könnte, dann müsse man eben aufrüsten und panzerbrechende Waffen zur Demo mitbringen. Wer mit Gewalt vorgehen will, der kann das auch. Der Übergang zum Bürgerkrieg ist fließend.)

So bleibt die Bundeswehr anscheined unbewaffnet im Einsatz beim G-8. Moment? Die Bundeswehr? Ja, die. Zumindest wurden gestern mit Kameras ausgestattete Panzer auf und an Autobahnbrücken gesehen und auch von einem Kameramenschen von G8 TV gefilmt. Anscheinend handelt es sich um die Militärpolizei (aka Feldjäger). Auf die Frage, wer denn der Pressesprecher sei, wird geantwortet: »Da müssen sie sich an die Polizei [...] wenden, das läuft über die.«

Was auch immer beim G8-Gipfel hinter dem Zaun diskutiert wird: In Deutschland haben wir schon eine Art Ergebnis. Zwar keines, das diskutiert wurde, aber immerhin. Ein Kollateralergebnis quasi.

Mal sehen, ob es für den Panzereinsatz tatsächlich eine Legitimation gab.