Winterstadt

Geschrieben von DrNI am Sonntag, 31. Dezember 2006 um 13:52 in Buschpoet
Zoom
Kalter Schleim der Winterstadt,
das Eis schmilzt und tropft
und ich hab's richtig satt.

Naßkalter Hauch in meinem Hemd,
man friert von innen
wenn man die Gassen durchkämmt.

Sommer! Hell und warm!
hört man mich fordern.
Die Leute gehen und starrn.

Als ob ihnen das Grau des Tages gefiele.

Geld loswerden am Rande der Gesellschaft

Geschrieben von DrNI am Donnerstag, 28. Dezember 2006 um 20:17 in Direktsaft
Ein Neger. Man darf ja nicht Neger sagen. Aber er ist schwarz wie die Nacht. Das darf man auch nicht sagen. Er ist so farbig wie eine Neumondwinternacht. Er sitzt an der Bar im Untergeschoß des Konsumtempels. Eine Bar, wie man sie eben in solchen marmorbewehrten Konsumtempeln findet. Pseudorustikal. Die Bäume sind aus Plastik und aus einem ominösen Grund heraus braucht das Etablissement kleine Dachvorsprünge aus Holz. Ich sitze auch an der Bar. Vor uns, also hinter der Bar, ein DJ-Mischpult. Und so ein DJ-CD-Player. Und stapelweise übelster Schlagerpop, der leider auch irgendwo aus dem Hintergrund quillt. Er trinkt ein Weizen und raucht Marboro Kette. Ich trinke ein Radler (auf Fischköpfig: Alsterwasser. Perverse Vorstellung, wenn ich schon an unser Neckarwasser denke) und rauche einen Zigarillo. Er prostet mir zu und lächelt. Der Neumondwinternachtfarbige ist der einzige in dieser Stadt, der heute lächelt.

Reutlingen, die andere Fotzenstadt. Voller Autos und noch voller die Parkhäuser. Alle wollen nur eines: Geld ausgeben. Ich auch. Bevor die böse 19 kommt noch schnell den Aktionären zum Charter- anstatt Linienflug in den Frühlingsurlaub verhelfen. Angela und ihr Verein sagen, wenn es der Wirtschaft gut geht, dann geht es uns auch gut. Der Neumondwinternachtfarbige grinst schon wieder. In dieser Wirtschaft geht es ihm zumindest gut. »Die Erde hat mich wieder...« lallert es aus dem DJ-Scheißhaufen, ich bezahle, trinke aus, verabschiede mich vom Neumondwinternachtfarbiggrinser und ziehe von dannen.

Klamotten braucht der Mensch. Vielleicht in Ghana nicht so viele wie bei uns. Ich friere nicht gerne. Abgesehen davon will das Publikum andere Staturen als die meinige ohne Hüllen sehen. Geld ausgeben stand also an. Geld ausgeben am Rande der Gesellschaft. Wie kommt man da hin? Falsch. Man muß nicht dunkelhäutig sein. Es reicht auch schon, wenn man breiter und höher ist als andere. Nach den ersten paar großen Kaufhäusern gedenke ich standesgemäß eine figurerhaltende Frustrationsabbaumaßnahme bei den Titten Amerikas durchzuführen. Doch die Lokalität ist so überlaufen wie die Stadt. Die Schlange fasst ca. 80 Menschen und wie immer bei Menschenschlangen ist das Arschloch vorne. Einigermaßen hungrig latsche ich in eine Seitentraße und stehe vor dem nächsten Tempel. »20% auf alles« - also gleich mal sehen, welche Weisheit in diesem Tempel gelehrt wird.

»Du bist zu fett.« - so die Weisheit. Denn nach einigem Hin und Her findet sich meine Wenigkeit in der Abteilung für übergroße Herren wieder. Erst einmal umschauen. Ansonsten kaufen nur Kinderinnen ein. Wer hat die aus dem Fotzenschuppen Orsay rausgelassen? Hilfe. Der nächste Eindruck: Übergroße Herren kaufen nur biedere Komponenten noch biederer Anzüge. Dann Erleichterung: Abgesehen von den fetten halbstarken Kinderern, die peinlichst berührt von Mama in der Umkleide eingekleidet werden gibt es auch noch normale Menschen in dieser Abteilung. Gesunde Männer im besten zeugungsfähigen Alter. Und die ziehen auch diesen Mist nicht an, der da für Abteilungsleiter des Klischee-Finanzamtes bereit liegt. Es gibt da tatsächlich noch etwas, das man ohne Magenkrampf anschauen kann.

Und an der Kasse gibt es 20%. Auf alles. Das ist gut. Ich mache mich zum nächsten Tempel auf, die dortige Hoffnungslosigkeit läßt mich nun kalt. Fußkrankenkompatibel rolltreppe ich ins Untergeschoß. Und ich proste dem Neumondwinternachtfarbigen zu und lächle.

Die Effizienz des Manövers bleibt jedoch fragwürdig: In den vier vergangenen Stunden (inkl. Autofahrt mit Stau) hätte ich ca. 4,7 Mal mehr Geld verdienen können als ich nun durch das Ausgeben gespart habe. (Die antrainierte Frauenlogik ist zu erahnen: Sparen durch Ausgeben!) Aber Shopping macht Spaß, sagen die Damen. Zumindest diese Damen, die nicht mindestens fünf Konsumtempel heimsuchen müssen um dann zwischen drei Klamottenteilen auswählen zu können.

Kein Wunder, daß es dem Versandhandel so gut geht.

Schöne Bescherung: Kaputter Piep

Geschrieben von DrNI am Mittwoch, 27. Dezember 2006 um 14:52 in Musik
Pünktlich zum zweiten Feiertag wurde gestern eine unschöne Veränderung entdeckt:

[kaputten Piep herunterladen]

Was hört das ungeübte Ohr? Richtig, nichts. Das heißt, da sind 2x8 komische Piepser. Nicht besonders schöne auch noch. Was hört das geübte Ohr? Voltage Controlled Oscillator 1 (in der Schaltung als VCO 2 (sic) bekannt) ist auf einer der 8 Stimmen am abkratzen. Der arme Korg Trident MK II. Außerdem zu hören: Die teuren, nicht mehr hergestellten Chips für die Hüllkurve (VCA EG) sind nicht immer gleich kalibriert. Aber das macht auch irgendwie den Charme aus. Es ist tröstlich, daß die teuren VCAs (SSM2056 »Voltage Controlled Transient Generator«) nicht im Eimer sind. Die sind nämlich auf dem Gebrauchtmarkt sehr teuer und ich habe nur noch einen übrig. Mit den analogen Filtern (SSM2044 »4-Pole Voltage Controlled Filter«) bin ich besser versorgt. Aber nun liegt der Defekt auf der Oszillator-Platine, ein für mich unbekanntes Terrain. Ein Terrain ohne Sockel. Alles gelötet.


Wer nun gar nichts verstanden hat, der denke sich einfach eine große Kiste voller verwirrender Drähte und Platinen und einen armen, hilflosen DrNI, der mehrere Tage damit verbringt, darin herumzufuhrwerken und zu messen und zu probieren und dabei immer das Netzteil im Auge behält, damit er nicht aus Versehen dort irgendwo hingrabscht.

Die letzte große OP war erfolgreich. Möge es diese auch sein. Schließlich soll das in Arbeit befindliche musikalische Werk nicht das letzte sein, in dem ein Trident MK II zu hören ist.

Möge es ein Standardbauteil sein. Eines überall erhältliches. Eines, das nur wenige Cent kostet.


Anmerkung: Den Audio-Player gibt's nicht im Feed-Reader. Da Dazu müßt Ihr schon den Browser bemühen und persönlich vorbeikommen.

Lebenslauf mit Knick

Geschrieben von DrNI am Mittwoch, 27. Dezember 2006 um 12:15 in Buschpoet
Einen Lebenslauf mit Knick
sollte man nicht haben.
Es gilt als gar nicht schick
am Glücke sich zu laben.

Der Lebenslauf als Gerade
so wie lineare Regression:
So ist es das Optimale,
doch Infarkte ahnt man schon.

Formen der Langsamkeit

Geschrieben von DrNI am Dienstag, 26. Dezember 2006 um 02:39
Die Wildwest-Presse hatte am Samstag in ihrer Südwest-Magazin-Beilage einen längeren Artikel. »Die Angst vor der stillen Stunde«, so war er betitelt. Thema unter anderem: Die Tyrannei der Zeit. Wer kennt die nicht. Das heißt, eigentlich kennt sie niemand, denn wer hat schon Zeit, über so etwas nachzudenken. Im Artikel erwähnt: Es gibt sogar einen Verein zur Verzögerung der Zeit. »Wir haben doch keine Zeit!« - und dann der Blick auf die Uhr. Wie viele Jahre hat der Moderator einer sinnbefreiten deutschen Fernsehshow diesen Satz abgesondert?

Wenn er gewußt hätte, wie wahr das für viele Menschen eigentlich ist, der Satz wäre ihm im Halse stecken geblieben. Quer. Wir haben doch keine Zeit. Es ist nach 2 Uhr in der Nacht, und ich müßte schlafen. Die Liste der zu erledigenden Dinge ist lang, aber wie gestern und vorgestern werde ich mir Zeit nehmen. Zeit nehmen dafür, diese Liste zu ignorieren. Aber spätestens im Januar, da habe ich dann mir so viel Zeit genommen, daß ich keine mehr habe.

Für alles müssen wir uns Zeit nehmen. Wenn wir es nicht tun, dann sind andere böse. Der Chef ist böse, wenn wir uns keine Zeit zum Arbeiten (Überstunden?) nehmen, die Frau ist böse, wenn der Mann wenig Zeit für sie hat, der Mann ist mit sich böse, weil er keine Zeit für sich hat, die Frau ist mit sich böse, weil sie keine Zeit für den Mann hat und seit dem achtjährigen Gymnasium ist wenigstens die Tochter nicht mehr böse, daß der Vater keine Zeit für sie hat, weil sie selbst für die Zeit des Vaters keine Zeit mehr hat.

DrNI sitzt am Klavier und hat keine Zeit. Wer keine Zeit hat, der hat keine Muse. Wer keine Muse hat, der hat Frust. Wer Frust hat, der muß seinen Frust loswerden. Wer seinen Frust loswerden muß, der hat sowieso keine Zeit. Außerdem sitzt da noch dieser Berg diverser Projekte herum, solche die dringend vorangetrieben werden sollten und solche, die man nur all zu gerne vorantreiben würde wenn man nur Zeit dafür hätte.

Zapp. Weihnachten. Zeit nehmen. Momo gibt es nicht auf Rezept. Trotzdem lese ich das Buch etwa ein Mal im Jahr. Es tut jedes Mal gut. Und vorhin ist etwas besonderes passiert. Ein Fim in der Glotze, dessen Titel ich schon lange vergessen hatte, nicht aber seinen Inhalt. Ich habe ihn im Kino gesehen, im Atelier, das weiß ich noch. Es handelt sich um den Film »The Straight Story«, unter der Regie von David Lynch.

Die Story ist einfach: Alvin ist ein alter Mann und braucht schon zwei Stöcke zum Gehen. Eines Tages erfährt er, daß sein Bruder schwer krank sei. Den hat er schon sehr lange nicht mehr gesehen. Alvin beschließt also, ihn zu besuchen. Es könnte ja schon bald zu spät sein. Beide sind nicht mehr die Jüngsten. Er sieht nun aber schon sehr schlecht und so nimmt er das einzige Fahrzeug, das er zur Verfügung hat: Seinen Rasenmähertraktor und einen verrosteten Anhänger. Damit macht sich über viele hundert Meilen auf den Weg. Für Alvin ist diese Art der Fortbewegung nicht so außergewöhnlich wie für den Zuschauer. Wer mit diesem Film keine Geduld hat, der sollte ihn nicht anschauen. Wer sich darauf einlassen kann, dem wird er ein unvergessliches Erlebnis sein.

Noch ca. 21 Stunden Weihnachten. Nehmt Euch Zeit für The Straight Story oder für den ebenfalls empfehlenswerten Streifen Schulze gets the Blues oder lest mal wieder Momo von Michael Ende. Nehmt Euch Zeit für die Liebe körperlicher und geistiger Natur. Schlaft aus. Und wenn Euch dabei irgend so ein Schwobaseggl darauf aufmerksam macht, daß Ihr Eure Zeit vergeudet, so sei ihm folgender Spruch (geklaut vom o.g. Zeitverzögerungsverein) ans Herz gelegt:

»Leben Sie schneller, dann sind Sie eher fertig!«

Weihnachtstest

Geschrieben von DrNI am Sonntag, 24. Dezember 2006 um 18:10 in Buschpoet
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Die Leute besinnen sich
denn bald ist das Fest.
Einige erinnern sich
und Opa erzählt von der elektrischen Eisenbahn.

Die Leute entrinnen sich
jedes Jahr dieser Test.
Manche verweigern sich
in Zappelhallen herrscht der Heiligabend-Wahn.

Die Leute entlieben sich
pünktlich und unter dem Baum
Ich aber liebe Dich
An jedem Abend und mehr als andere Frau'n.

Feste feiern wir Feste

Geschrieben von DrNI am Samstag, 23. Dezember 2006 um 17:21 in Direktsaft
»Frohe Weihnachten«, überall! In der Grundschule mußte ich mühsam lernen, daß man das mit h schreibt. Macht man so. Daß das von weihen herrührt wollte niemand preisgeben. Aber auch so macht das schon genug Probleme. Was schreibe ich unter geschäftliche E-Mails? »Merry Christmas«, das liegt nahe. Aber welches Fest feiert ein Empfänger mit indischem Nachnamen in England? Also schreibe ich auf amerikanisch: »Happy holidays!«. Das ist zwar nicht schön britisch aber verpflichtet auch nicht zum Christentum.

U. verabschiedet sich bei der Weihnachtsfeier. »Frohe Weinachten«, möchte ich sagen, es bleibt mir im Halse stecken, dann kommt mir »Happy Hanukka« in den Sinn und ich merke sofort, ich weiß ja gar nichts über Chanukka. U. ist Jude. Chanukka hat mit Weihnachten nicht wirklich was zu tun, es geht natürlich nicht um Jesus sondern um die Wiedereinweihung des zweiten jüdischen Tempels in Jerusalem. Nach unserer Zeitrechnung war das 164 v. Chr. (Quelle: Wikipedia). Und gefeiert wird natürlich auch nicht dann, wenn der greogorianische Kalender es sagt. Dieses Jahr hat Chanukka also am 5. Dezember begonnen und ging wie jedes Jahr 8 Tage lang. Mit Weihnachten hat das ganze wirklich nicht mehr zu tun, außer das es je nach Jahr in die selbe Zeit des Jahres fällt.

Es gibt ca. 20 mal mehr Muslime (3,200 Mio) als Juden (0,160 Mio) in Deutschland. Die Buddhisten (0,155 Mio) sind nur etwas weniger an der Zahl als die Juden. (Die Quelle ist leider nicht sehr präzise, fehlt etwas die Glaubwürdigkeit und die Jahreszahl.)

Aber die Frage bleibt, was feiern nun eigentlich die Muslime und die Buddhisten an Weihnachten? Plötzlich wird bewußt, wie wenig Ahnung wir eigentlich doch von denen haben. Klar, die Juden, die muß man als Deutscher ja irgendwie noch kennen. Wegen den ewigen Schuldgefühlen etc. Zum Islam hilft Wikipedia weiter, wenigstens ein Stück: Am bekanntesten ist sicherlich der Fastenmonat Ramadan, das höchste islamische Fest aber ist das Opferfest ('Īd ul-Adha). Da der islamische Kalender mondbasiert ist kann es nach unserem gregorianischen Kalender zu jeder Jahreszeit stattfinden. Je nach Jahr eben. Und damals war das so: Allah verlangte von Ibrahim, seinen Sohn Ismail zu opfern. Als der das dann wirklich tun wollte, war Allah gütig. Aus Dankbarkeit opferte man ihm einen Widder. Auch das habe sich in Jerusalem zugetragen, am Felsendom. Geläubige Muslime sollen also zum Anlass des viertägigen Opferfestes ein Tier schlachten. Aber nur, wenn sie sich das auch leisten können.

Der Buddhismus macht es einem auch nicht gerade leicht, existiert er doch in zahlreichen Strömungen, die meinem Gefühl nach noch unterschiedlicher als die des Christentums oder Islams sind. Tatsache ist wohl, daß Siddhartha Gautama (* ca 563 v. Chr.) zur Erleuchtung gelangte und seine Lehre verbreitete. Man nannte ihn Buddha. Feste gibt es auch im Buddhismus einige. Irgendwie sind die alle wichtig, je nach dem, ob man nun Thailänder, Tibetaner oder sonst ein Buddhist ist. Eines ist beim Buddhismus egal welcher Geschmacksrichtung jedenfalls angenehm: Mit Jerusalem hat das nichts zu tun, um dieses Städchen muß man sich hier nicht mit den anderen streiten.

Wie man sieht: Alles nicht so einfach! Was machen die Hindus denn so? Und was macht der ganze Rest? Wie auch immer. Ich hoffe, die Leserschaft nimmt sich auch einfach mal Zeit, nichts zu tun. Dazu muß man nicht einmal gläubig sein. Nichts tun heißt auch, keine langwierigen Blogposts zu lesen.

Frohes Nichtstun und schon mal ein glückliches neues Jahr!

Du mußt raus

Geschrieben von DrNI am Samstag, 23. Dezember 2006 um 14:22 in Unreine Fiktion
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Das Leben hat seine Geschichte mit blutgetränkter Feder auf das Pergament deines Gesichts geschrieben. Müde, doch die Hoffnung ist nicht gestorben, sie blitzt aus deinen Augen. Ein Diamant in den Tiefen der alltäglichen Untiefen des Seins. Seiner Existenz bist du wohl bewußt, doch die Müdigkeit hat bisweilen gesiegt und dich nicht Hacke und Schaufel schwingen lassen um das Kleinod auszugraben. So geht es immer weiter, und du bist es schon längst gewöhnt, es ist schon längst normal, daß nichts besser wird im Leben.

»Du sagst dein blaues Auge mache dich so sentimental«, singen die Helden. Doch du bist die eine dieser wahren Alltagsheldinnen, jeden Tag stärker als ein Pferd, nur merkst Du es nicht. Es geht ja auch immer gut, immer irgendwie weiter, es ist alles nicht so schlimm, nur hingefallen, aufs Gesicht, es ist nichts weiter. Ziehst an deiner Zigarette, nur kurz nervös der Blick, die Form muß gewahrt werden, die Hülle hilft dir, die letzte Normalität zu wahren.

Die Wahrheit ist: Du mußt raus. Du mußt dich überzeugen, raus zu müssen. Doch der Knast ist nicht aus schwedischen Gardinen gemacht, nein, ganz normale von Ikea sind das, und diese Gardinen sind stärker als Stahl. Du mußt raus.

Dunkle Seele

Geschrieben von DrNI am Samstag, 23. Dezember 2006 um 00:51
»Deine Stimme ist echt gut,« sagt er zum Sänger. »Die Ohren sind da, aber die Finger müssen noch lockerer werden,« so erfährt der Gitarrist. Zum Bassist sagt er nichts. Dann, pflichtbewußt: »Hat Spaß gemacht.« Sessions machen Spaß, ja. Doch jede Party hat eine dunkle Seele. Die meldet sich spätestens dann, wenn der Bassist über die leere vierspurige Bundesstraße brettert und sich Gedanken über den Abend breit machen.

Zu viele Gedanken. Zu wenig geübt. Aber dann ist es fast egal, vielleicht ist das so etwas, bei dem man sich auf den Kopf stellen und mit dem kleinen Zeh in der Nase bohren kann. Aber sonst kann man nichts machen. Vielleicht soll es nicht sein. Mahnend steht die oberflächlich edle Niedrigfrequenzsaitenhaltermahagoniholzkeule mit Babunga-Furnier neben der Matratze. Neue D'Addario Stahldärme drauf. 80er-Jahre-grimmig blickt der Trace Elliot-Verstärker daneben drein. Alles nur Material. Es ist fast egal, die Könner spielen auf der letzten Gurke noch gut. »Hast uns mal wieder böse gequält heute.« So raunen die Geräte herüber.

Der Bassist dreht sich um und schenkt dem noblen Stage Piano einen langen Blick. »Gefällt mir besser als Klavier, wenn du Bass spielst,« hat jemand anders mal gesagt. Das große Ego scheißt auf alles, das kleine übt den Umkehrschluß.

Aber dann ist es egal. Vielleicht soll es nicht sein. Die Guten brauchen die Schlechten um gut sein zu können. Doch diese Erkenntnis reicht noch nicht um sich nützlich zu fühlen.

DuRöhre kennt sie alle

Geschrieben von DrNI am Montag, 18. Dezember 2006 um 19:22 in Musik
Noch vor etwas über einem Monat sonderte DrNI eine kleine retrospektive Träumerei zu Kieran Halpin und Anth Kaley ab. Heute findet er durch Zufall eben diese beiden beim Webvideomogul. Und das schöne dabei ist, man muß nicht mal selbst direkt das Urheberrecht verletzen um anderen einen Eindruck von den Künstlern zu ermöglichen, die man schätzt.


(Video direkt bei DuRöhre)

Außerdem hat mit Obigem eine Videokamera bewiesen, wie schlecht ihr Mikrofon ist. Wer also mehr hören möchte, der sollte mal bei Kieran Halpin vorbeisurfen, da gibt es Demos in guter Qualität. Anth Kaley stellt bei MySpace in passabler Qualität aus.

»No Videos found for 'Grachmusikoff'« - da war DrNI wohl doch etwas zu optimistisch...